DDR-Knast Bautzen - DER SPIEGEL
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DDR-Knast Bautzen Singen gegen die Selbstmordgedanken

Misshandlungen, Schlafentzug, Scheinhinrichtungen: In keinem anderen Stasi-Gefängnis der DDR waren die Haftbedingungen so unmenschlich wie in Bautzen. Einziger Lichtblick war für viele Häftlinge der Knast-Chor, hier fanden sie Hoffnung - und konnten sich durch einen Trick auch vor Spitzeln schützen.
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"Bautzener Chorknaben": Die ehemaligen Gefangenen des "Gelben Elend" in Bautzen bei ihrem Treffen 2008 in Eisenach - darunter Bodo Skrobek (ganz hinten links), Ulrich Haase (davor), Oskar Stück (dritter von rechts hinten im gelben Hemd), Detlef Nahmmacher (zweite Reihe in der Mitte im grünen Hemd).

Foto: Matthias Pankau
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Oskar Stück: "Der Knast konserviert" - Oskar Stück wurde 1951 wegen Antisowjethetze zu 25 Jahren Arbeitslager verurteilt. Die kleine Aufnahme links unten zeigt Oskar Stück im Jahre 1958.

Foto: Matthias Pankau
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"Gelbes Elend": Die Justizvollzugsanstalt im ostsächsischen Bautzen in einer Aufnahme vom 13. Januar 2004. Das 1904 fertig gestellte Gefängnis, das nach dem Zweiten Weltkrieg als sowjetisches Speziallager genutzt wurde, ist im Volksmund als "Gelbes Elend" bekannt geworden. Zwischen 1945 und 1954 wurden etwa 35.000 Deutsche von Sowjetischen Militärtribunalen verurteilt, in der Regel zu 25 Jahren "Besserungs-Arbeitslager" - viele derjenigen, die nicht nach Sibirien verschickt wurden, landeten in Bautzen.

Foto: dpa
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Detlef Nahmmacher: Jeder Bewerber musste beim Vorsingen nachweisen, dass er für den Bautzener Chor geeignet war. Bestand der Verdacht, dass es sich bei dem Bewerber um einen Spitzel handelte, ließ Chorleiter Detlef Nahmmacher ihn so lange schwierigere Intervalle singen, bis er daran scheiterte und nach "objektiven Kriterien" abgewiesen werden konnte. Die kleine Aufnahme links unten zeigt Detlef Nahmmacher im Jahre 1955.

Foto: Matthias Pankau
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Hans-Joachim Mund: Ab 1950 wurden den Gefangenen in Bautzen Anstaltsgottesdienste sowie individuelle Seelsorge durch den jungen Pfarrer Hans-Joachim Mund, hier in einer Aufnahme von 1954, gestattet. Der Gefängnispfarrer war ursprünglich religiöser Sozialist und besaß daher das Vertrauen der SED - so setzte er durch, dass zwei der illegal existierenden Chorgruppen bei seinen Gottesdiensten mitwirken durften. Nachdem er ins Visier der Staatssicherheit geraten war und von seiner drohenden Verhaftung erfahren hatte, floh Pfarrer Mund 1959 in den Westen.

Foto: Matthias Pankau
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Ulrich Haase: "Wir waren wahrscheinlich die einzige spitzelfreie Gruppe im gesamten Gelben Elend" - Ulrich Haase half in Bautzen bei der Chorleitung, später wurde er Musiklehrer. Bei der kleinen Aufnahme links unten handelt es sich um ein Häftlingsfoto Haases.

Foto: Matthias Pankau
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"Herr unser Gott": Abläufe zweier Gottesdienste, die im August 1953 in der Anstaltskirche in Bautzen gefeiert wurden. Die Abläufe der katholischen und evangelischen Gottesdienste wurden - wie auch die Noten - von den Gefangenen per Hand abgeschrieben.

Foto: Matthias Pankau
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Zu allen Zeiten Gefängnis: Der Gefängnisbau in Bautzen 1935 von außen. Während des Nationalsozialismus, zur Zeit der sowjetischen Besatzung nach dem Zweiten Weltkrieg und schließlich zu DDR-Zeiten wurden hier politische Gefangene - teilweise unter unmenschlichen Bedingungen - eingesperrt.

Foto: Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden
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Vergitterte Fenster: Während der Block Bautzen I bis heute als JVA Bautzen als Gefängnis genutzt wird, ist in Bautzen II eine Gedenkstätte eingerichtet, in der an die Geschichte und die Leider der Opfer beider Bauten erinnert.

Foto: BStU
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Im Schnee: Der Gefängnisbau Bautzen heute, die Kirche ist noch deutlich am Kreuz auf dem Giebel zu erkennen.

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Hoffnung in Kirchenliedern: Die Anstaltskirche des sächsischen Gefängnisses Bautzen. Der Kirchenchor war für viele Häftlinge, die zu DDR-Zeiten über Jahrzehnte hier eingesperrt waren, die einzige Möglichkeit die Haft zu überstehen.

Foto: Gedenkstätte Bautzen
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Eingemauert: Aufgrund seiner gelben Backsteinmauern wurde das Gefängnis in Bautzen zu DDR-Zeiten auch "das gelbe Elend" genannt. Bereits vorher, im "Dritten Reich" wurden hier politische Gefangene festgehalten.

Foto: Gedenkstätte Bautzen
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Bautzen: Erst aus der Luft lässt sich erkennen, wie groß der ehemalige Gefängniskomplex Bautzen wirklich ist. Bautzen I, das "Gelbe Elend", in dem das sowjetische Speziallager war, wird bis heute als Gefängnis genutzt. Bautzen II hingegen, in dem die Sonderhaftanstalt der Stasi untergebracht war, ist heute eine Gedenkstätte. Besucher können hier die Arrestzellen, den Isolationstrakt, Ausstellungen mit Zellenrekonstruktionen und vieles mehr besichtigen. die beiden Gebäude liegen etwa zwei Kilometer voneinander entfernt.

Foto: Gedenkstätte Bautzen
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?