DDR-Mode Schrilles aus der Grauzone
Traum in Wolpryla: Als "wolliges Wunder der Chemie" verkaufte die DDR-Wirtschaft die Synthetikfaser Wolpryla - die Bekleidungsindustrie fertigte aus dem neuen "Zauberstoff" etwa Badeanzüge (hier in einem Versandhaus-Katalog der siebziger Jahre abgebildet). Mit der massiven Produktion von Synthetikfasern versuchte der Staat, den notorischen Engpass an Baumwolle und anderen Naturstoffen auszugleichen. Allerdings klebten die Plastikklamotten oftmals fürchterlich auf der Haut.
Kleines Rotes: Blumen und Spitze zieren dieses verführerische, von DDR-Model Evelyn Hendriksen präsentierte Negligé - schöner kann man nicht zu Bett gehen. Ob auch den Parteioberen das Kleidungsstück gefiel, ist nicht überliefert. Immerhin zensierten sie regelmäßig Fotos etwa der Modezeitschrift "Sibylle", weil die abgebildeten Damen nicht dem Ideal der emanzipierten, berufstätigen DDR-Frau entsprachen.
Kesse Büsten: Ob weiß, blau oder rosa - diese Miederwaren, abgebildet in einem Versandhaus-Katalog der siebziger Jahre, beglückten beide Geschlechter gleichermaßen. Zumindest auf dem Papier hatten die DDR-Bürger freie Auswahl, faktisch kam es im Versandhandel immer wieder zu Logistik- und Lieferungsproblemen. Daher stellte der Arbeiter- und Bauernstaat den Versandhandel ab Mitte der siebziger Jahre weitgehend ein.
"Stelldichein der Mode": Die Dame von Welt läuft blumenübersät durch den Arbeiter- und Bauernstaat. So zumindest suggeriert es diese Anzeige aus einem Centrum-Versandhausprospekt der siebziger Jahre. Neben Centrum gab es noch das Kaufhaus Konsument, beide boten den Bürgern ein erstaunlich großes Warenangebot. Doch oft schickte die Post nicht das, was man bestellt hatte - oder die Artikel kamen viel zu spät.
Junge Näherinnen: "Jugend näht für Jugend" - unter diesem Motto wollen die jungen Bekleidungsfacharbeiterinnen des VEB Jugendmode Rostock 1979 eine Vielzahl modischer Modelle fertigen. Diese Disko-Jeans-Variante, die auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1979 eine Goldmedaille erhielt, gehört dazu.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-U0515-0014
Selbst strickt die Frau: "Aus bunten Resten Kuschelpullover" fertigen - die Strickzeitschrift "Modische Maschen" aus dem Verlag für die Frau wies die Frauen im Ostblock und in der DDR in Sachen Handarbeit ein. Weil trendige Kleidung nur schwer erhältlich war, griff frau gern zu Wolle und Stricknadel - und fertige ihre Garderobe selbst.
Staatliche Mode: Wie auch ihre Altersgenossen im Westen wollten sich DDR-Jugendliche modisch kleiden. Aus Ermangelung an Einkaufsmöglichkeiten nähten sich daher viele ihre Kleidung selbst oder ließen sie sich aus dem Westen schicken. Um diesem Schaden an der Staatswirtschaft Einhalt zu gebieten, wurde schließlich ein Beschluss gefasst, in der DDR eigene Jugendmode herzustellen, wie hier in der Leipziger Brigade "Vorwärts" im VEB Jugendmode Rosswein.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-G1101-0018-001
Winter-Chic: Gleichermaßen praktisch wie hübsch mutet diese von DDR-Model Evelyn Hendriksen präsentierte Kapuzenjacke an. Entgegen dem Klischee gab es auch in Ostdeutschland sehr schöne, elegante Mode, vertrieben wurde sie vor allem in den vornehmen Exquisit-Läden, die ab 1962 auf Beschluss des DDR-Ministerrats geschaffen wurden. Mit diesen Nobel-Läden trachtete die DDR-Regierung danach, das - durchaus vorhandene - Geld der Bürger "abzuschöpfen". Allerdings konnten sich nur die wenigsten die Mode erster Klasse auch leisten.
Frühjahrsmode: Der VEB Berliner Mode präsentiert 1959 die Frühjahrsmode - mitten im Schnee.
"Bezaubernde Vielfalt": Von wegen Grau in Grau - entgegen dem landläufigen Klischee bestach die DDR-Mode oftmals durch knallig-bunte Farben. "Bezaubernde Vielfalt" versprach der Versandhausprospekt, tatsächlich sah es anders aus. In den HO- und Konsumläden herrschte meist Mangel an hübschen Kleidungsstücken. Nur wer viel Geld hatte, konnte sich in den noblen Exquisit-Läden eindecken. In ihrer Not besannen sich die Frauen in der DDR daher häufig aufs Selbernähen.
Legeres für Arbeiter und Bauern: "Um jedem Typ gerecht zu werden, bieten wir neben der unkonventionellen, legeren Linie auch klassische Kleidungsstücke an." Mit blumigen Worten preist diese DDR-Versandhauswerbung aus den siebziger Jahren ihre Männeranzüge an. Man beachte die farbenfrohe Krawatte des Kotlettenträgers am rechten Bildrand, die perfekt mit den ebenfalls knalligen Schuhen harmoniert.
Ausgestellt: Josefine Edle von Krepl zeigt in ihren Ausstellungsräumen in ihrem 2006 eröffneten Modemuseum in Meyenburg (Prignitz/Brandenburg) Petticoats der frühen sechziger Jahre. Rund 350 Kleider, Hunderte Hüte, Taschen, Schuhe und Accessoires aus fast dem gesamten vergangenen Jahrhundert sind in dem Schlossmuseum zu sehen.
Quietschgelb: 1968 mochte man es bunt, wie diese "Sibylle"-Ausgabe zeigt. Und sie beweist auch, dass manche Trends immer wieder kommen - wie etwa die auf dem Titelbild angepriesenen Hemdblusenkleider.
Natalie: Eine Woche lang war Günter Rössler für die "Sibylle" 1972 in Leningrad, dem heutigen St. Petersburg unterwegs. Dort arbeitete er mit diesem jungen Fotomodell. Ihren Namen kannte er nicht - er nannte sie Natalie.
Bedrucktes Papier: Vliesettkleider konnten bis zu fünfmal gewaschen werden und kamen in vielen fröhlich-bunten Farben in die Geschäfte. Die Länge konnte zudem einfach mit einer Schere geändert werden - ganz ohne Umnähen.
Vlieskleider der Marke Rawe, Nordhorn, um 1967
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
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Blickfang vor der Baustelle: Im Pünktchenkleid und weißen Pumps zieht dieses Fotomodell die Blicke auf sich. Das Bild erschien 1966 in der Modezeitschrift "Sibylle".
Forschung fürs Bein: Auch die Genossinnen in der DDR wollten nicht auf schöne Beine verzichten. Zum Glück gab es schöne Strümpfe auch bei der DDR-Handelskette Konsum - die versprach: "Durch wissenschaftliche Forschung schöner und besser".
Strick und Schick: Hobbymodel Anja Kossiwakis präsentiert 1988 in der Sommerausgabe der DDR-Zeitschrift "Modische Maschen" Strickwesten und Pullover.
Rundstrickschick: Im knappen Ringelpulli posiert dieses Fotomodell in den sechziger Jahren an der Ostsee für die DDR-Modezeitschrift "Modische Maschen".
Laufsteg am Alexanderplatz: Der DDR-Modefotograf Günter Rössler lichtete seine Modelle nicht nur im Studio, sondern gern auch im Freien ab - wie hier auf dem Berliner Alexanderplatz für eine "Sibylle"-Ausgabe im Jahr 1964. Das Fotomodell in aufragender Gestalt und schwarzem Kleid wirkt imposant wie das Hochhaus im Hintergrund.
Bein-Freiheit: 1962 revolutionierte die britische Modeschöpferin Mary Quant die Modewelt, indem sie den Minirock erfand. Und schon ein Jahr später besaß auch Annette Hellbach aus Haldensleben einen. Dazu schnitt die einstige Teenagerin einfach ihr himmelblaues Kleid ab und nähte den Saum um. Das Foto zeigt die stolze Mini-Besitzerin, wie sie beim Ostseeurlaub auf dem elterlichen Trabant posiert.