DDR-Versandhandel Planwirtschaft wie aus dem Bilderbuch
"Völkerfreundschaft": Im Sommer 1971 gab es ein Modefoto im Versandhauskatalog vor dem begehrten Urlauberschiff "Völkerfreundschaft", das mit verdienstvollen und ausgewählten Werktätigen über die Weltmeere schipperte.
Ost-"Jeans": Aus eigengefertigten Baumwollstoffen wurden DDR-Jeans geschneidert, die natürlich nicht "Jeans" hießen wie die Hosen im kapitalistischen Westen und auch nicht ganz so aussahen. Aber sie waren der heimliche Stolz der Bekleidungshersteller.
Kleidung für die gute Tat: Männerarbeitsanzüge, Frauenlatzhosen, Manchesterweste oder Männerstiefelhose so hießen Bekleidungsstücke aus dem Katalog, mit denen laut Begleittext "Jeder täglich eine gute Tat für unsere sozialistische Sache" vollbrachte. Im Hintergrund dazu die Fabrikanlagen.
"Freude an der Arbeit": "Praktisch gekleidet Freude an der Arbeit". Damit die jungen Frauen nicht übermütig werden, wurde das praktische "Haus- und Berufskleid", zum Beispiel aus "königsblauer bügelfreier Baumwolle", aus "Polycon in Stahlblau", aus "spezitex"-krumpfarmer Baumwolle oder in Türkis hervorgehoben. Nach der Arbeit hatte die werktätige Mutter schließlich noch eine Menge zu tun.
Lieferung Glücksache: "Mehr Freizeit für Sie, wenn Sie bei uns bestellen", hieß eine der Überschriften in der DDR-Version des Versandhauskatalogs. Kein Wort davon, dass die Lieferungen Glückssache waren. Kurz nach Erscheinen des Katalogs waren die schönsten Sachen meist schon ausverkauft.
Modell Reisefreiheit: Ärger von den DDR-Oberen gab es, wenn Modelle "Mexiko" (1) oder "Rio" (2) genannt wurden, mit denen der geneigte Träger ohnehin nicht in die weite Welt reisen durfte. Dann schon eher "Präsent 20" (3 u. 4) zu Ehren des 20. Jahrestages der DDR, vom Volksmund wegen des Materials (100 Prozent Polyester) auch "Ganzkörperkondom" genannt.
Camping-Modell: Für (wirklich beachtliche) 1000 DDR-Mark konnte man sich laut Katalog ein Zelt wünschen - und wenn es tatsächlich eintraf, in den wunderschönen ostdeutschen Mittelgebirgen einen Zeltplatz buchen.
Kittelschürzen: Die weithin bekannten "Kittelschürzen", dazu Schrubber und Wischeimer fertig war die DDR-Hausfrau. Wegen der viel betonten Gleichberechtigung fand sich auch noch eine Schürze für den "Hausmann". Diese anzulegen wurde mit aufgedruckter Bierreklame erleichtert.
DeDeRon: Schön leichte und bunte Sommerkleider im "Zigeunerlook" stellte der Versandhauskatalog Anfang der Siebzigerjahre vor. Der Stoff nannte sich nach dem Landesnamen DDR "Dederon" im Westen Perlon.
Alles drin: Weltreisen waren mit diesem kleinen Gepäck zwar nicht zu unternehmen, aber es reichte bis zum nächsten FDGB-Ferienheim im Harz, in der Sächsischen Schweiz oder an der Ostsee.
Küchenwunder: Die Küchenmaschine Komet KM8 war wie ein Statussymbol in einem guten DDR-Haushalt. Es gab nichts, was sie nicht konnte, und wenn sie tatsächlich vorrätig war, kostete sie mit allem Zubehör ein paar Hundert Mark.
Für die gute Stube: Die Möbelwand "Nordhausen 65" war durch die Vielzahl der Einzelteile variabel aufzubauen. Doch wie der Katalog betont, sind die Füße extra zu bestellen. Ansonsten: "dehafol-Kirschbaum natur, Fronten poliert, Seiten mattiert" also aufgeklebte Folie auf Pressspan.
Modisch auf die Felder: Die Details auf diesem Katalog-Foto für die Bäuerinnen und Bauern in der sozialistischen Landwirtschaft nennen sich Arbeitsjacke, Arbeits-und-Wege-Hemd bzw. Hose oder Männer- bzw. Frauenlatzhose. Der Arbeitsanzug ist aus "sanforisiertem (krumpfarm veredeltem) Baumwollkörper".
Spezialartikel: "konsument"-Spezialartikel waren der Büstenhalter "Mohesa" mit hautfreundlicher, formbeständiger Einlage oder wunschgemäß mit schaumgummigefütterten Körbchen, der Raschelschlüpfer "guela" aus Dorlastan ebenso wie der Gummischlüpfer "FVZ" aus porösem Raschelgummi.
Dederon und Viskose: Hinter Namen wie "Mamaia", "Milano", "Breege", "Jalta" und "Delphin" verbargen sich Bikinis aus Dederon, Malimo, Viskose und Wolpryla in leuchtenden Farben, wenn junge Damen keusch und züchtig zu Wasser gehen wollten.
Modisch in der LPG: Pflegeleichte Berufsmäntel aus PAS-Kettgewirke sollten ideal sein für die Mitglieder der "LPG Aufbau" wie für die der Landwirtschaft generell.
Wie die Zeit verging: Uhren aus Glashütte und Ruhla lieferten für die meisten Bürger die richtige Zeit, wenn böse Zungen auch lästerten, DDR-Uhren "gehen nach wie vor". Die aus Glashütte waren auch damals wie heute immer schon ein bisschen teurer.
Neue Mode im Laden: So sah 1984 die Auslage eines Modegeschäfts in Güstrow aus.