DDR-Werbung - DER SPIEGEL
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DDR-Werbung König Kunde kauft im Konsum

Fetthering in Südweinmarinade oder "Eg-Gü"-Schuhcreme: Sex-Appeal versprühten DDR-Produkte nur selten, unters Volk mussten sie trotzdem - der einzige Grund, warum es im Realsozialismus überhaupt Reklame gab. Die war dafür schön bunt, wie ein Streifzug durch die Werbewelt der Ex-DDR zeigt. Von Katja Iken
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DER Urlaub: Endlich raus aus dem Alltagstrott - das DER-Reisebüro spricht in seiner Reklame von 1958 gestresste Bürger an. Die Unternehmensgruppe Deutsches Reisebüro wurde 1917 in Berlin gegründet und hat heute ihren Sitz in Frankfurt.

Foto: Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR
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Überkapazitäten abbauen: Zahlreiche Versuche unternahm die staatlich gelenkte Werbung der DDR, um die fleischeslustigen Bürger zu mehr Fischkonsum zu bewegen - ab 1960 übernahm TV-Koch Rudolph Kroboth diese Mission mit seiner Sendung "Fisch auf den Tisch". Der Hintergrund: Fisch war reichlich vorhanden, Fleisch nicht. Allerdings blieben solche Werbemaßnahmen mit dem Ziel, Ladenhüter an den Mann zu bringen, meist ohne Erfolg.

Foto: Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR
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An die Wäsche: "Für Perlon Fewa", hieß es 1957 in dieser Feinwaschmittel-Werbung, in der ein rothaariges Frauchen sein Negligé in die Wäsche gibt. Selbst solch zurückhaltende Erotik war allerdings sehr selten in der DDR.

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Kein Mux mehr?: Zu der Armee an putzigen Werbemaskottchen, die die Bürger in der DDR zum Konsum motivieren sollten, gehörte auch das Mux-Männchen. Das blasse Kerlchen mit den riesigen Augen warb für Insektenvernichtungsmittel.

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HO-Engelchen: "Weihnachtswünsche werden Wirklichkeit durch die HO", lautete der Slogan der Einzelhandelskette zu Weihnachten. In den Läden der "Handelsorganisation" deckten sich die DDR-Bürger mit Waren ein - sofern sie denn vorhanden waren.

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Ost-Maggi: "Koche mit Liebe, würze mit Bino!", lautet die 1954 kreierte Werbung für die Speisewürze Bino - das ostdeutsche Pendant zum "Maggi" des Klassenfeindes. Sänger und Schauspieler Manfred Krug verliebte sich einst so sehr in den Slogan, dass er ihn 1962 in den Titelsong zum Film "Auf der Sonnenseite" einbaute.

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Am Ball bleiben: "Hinein Toto" lautet diese schlichte Toto-Sportwetten-Werbung aus dem Jahr 1957. Anfangs als kapitalistisches Teufelszeug angefeindet, wurde die Toto-Sportwette 1953 in der DDR eingeführt.

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Schonender Staubschlucker: "Ein Kleiner von Format" heißt es auf dieser DDR-Reklame des Elektrogeräteherstellers Ika Electrica - die Rede ist von einem Staubsauger, der "in jedem Winkel der Wohnung, aber auch in Wagen und Wochenendhaus" schonend säubert, verspricht die Anzeige.

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Männer an den Herd: Ein modernes Rollenmodell propagiert diese Werbung für Elektrogeräte der Marke Ika Electrica. "Sind Männer deshalb minder männlich?", fragt die Rührgerät-Reklame aus dem Jahr 1965 - und fordert die Herren auf, sich auch mal die Schürze umzubinden.

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Pädagogischer Zeigefinger: Anders als im Westen hatte Werbung in der DDR auch eine pädagogische Funktion. Viele Reklamebotschaften forderten die Bürger dazu auf, ein bestimmtes Verhalten an den Tag legen. In dieser Werbung von 1961 ging es darum zu sparen, um sich irgendwann einmal einen schönen Urlaub zu gönnen.

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Gesunde Kinder: Mit dem Sprüchlein "Wir lieben das fröhliche Leben" warb die Dresdner Vogelwiese um Besucher für einen großen Jahrmarkt. Typisch für die DDR-Werbung der Zeit: pausbackige, gesunde Kinder, schöne Frauen und starke Männer.

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Schlicht und ergreifend: "Es ist eine Freude", säuselt diese ganz in Blau gekleidete Dame dem potentiellen Kunden zu. Eine Werbung für die HO-Warenhäuser aus dem Jahr 1954. Bei dem schmalen Budget, das den Werbern zur Verfügung stand, verwundert es nicht, dass Text und Ästhetik oft eher simpel ausfielen.

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Rollenmodelle: "Schön und begehrt" sollte sie sein, die ideale DDR-Bürgerin. So suggeriert es zumindest diese Werbung für Pohli-Kosmetik von 1954 - ganz im Gegensatz zum staatlich propagierten Rollenmodell der selbstbewussten, emanzipierten Arbeiterin.

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Blitzblank sauber mit "Blitzi": Endlich ist alles sauber, und die Hausfrau kann ein Päuschen einlegen - mit dem Spruch "Blitzi kann sich ausruhen" warb die VEB Farbenfabrik Wolfen im Jahr 1959 für das "wirtschaftliche Reinigungs- und Spülmittel".

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Glasklare Sache: Auf die "lästigste aller Küchenarbeiten" kann die Hausfrau mit Hilfe des Geschirrspülers verzichten, so die Werbung des Elektrogeräte-Herstellers Ika Electrica von 1967. Die Reklame liefert obendrein eine Anleitung, wie die neumodische Erfindung funktioniert: Dreckige Gläser in eine der beiden Etagen hineinstellen, dann spült das Gerät mit "kräftigen Strahlen heißen Wassers", legt den Trockengang ein und nach 15 Minuten ist alles rein.

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Zuckersüß: "Soßen, Pudding, Rote Grütze - mit Rotplombe gelingt's" so ein Reklamespruch von 1967. Die Erfurter Nährmittelwerke führten die Marke 1953 ein. In den neunziger Jahren verschwanden die Rotplombe-Produkte allerdings wieder aus den Regalen. Im Zuge der Ostalgie-Welle allerdings sind Brausepulver, Tortenguss und Götterspeise der Ossi-Marke seit 2006 wieder auf dem Markt.

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Nivea aus dem Osten: Das Design der Florena-Hautpflegeprodukte (Werbung von 1974) erinnert an die blau-weiße Nivea-Dose aus Westdeutschland. Die Creme gibt es seit 1960 und ist auch nach der Wende ein beliebtes Produkt geblieben - zumal sie günstiger ist als die Konkurrenz Nivea.

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Sonniger Urlaub mit Florena: Mit viel Haut und sommerblonden Haaren werben diese Mutter und ihr Kind für die neue Sonnenschutz-Creme von Florena (Reklame von 1969).

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"Plastik - ein Ausdruck unserer Zeit!": Zitronenpresse, Quietsch-Giraffe, Löffel, Cocktailshaker - die Produkte auf dieser Reklame von 1966 sehen aus wie Metall, sind aber aus Plastik. Aus buntem Plastik.

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Echt erholsam: Urlaub ist nicht gleich Urlaub, dachten sich vermutlich die Werbetexter dieser Reklame von 1957. "Wirkliche Ferien", so der Slogan, gibt es nur mit dem DER-Reisebüro. Unwirkliche waren dann wohl bei anderen Veranstaltern zu haben ...

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