Ermordeter Aldo Moro Ein toter Politiker, viele Fragen
Leiche im Renault: Am Morgen des 9. Mai 1978 deponierten die Roten Brigaden einen roten Renault 4 mit dem Leichnam des ermordeten Christdemokraten Aldo Moro in der Via Caetani 9, auf halbem Weg zwischen den Parteizentralen der Christdemokraten und der Kommunisten. Mit dem Ort wollten sie ihrer Missbilligung darüber Ausdruck verleihen, dass Moro die Öffnung seiner Partei nach links vorantrieb - in den Augen der Terroristen nichts weiter als ein Verrat an der Arbeiterklasse.
Verhängnisvoller Kugelhagel: Als Allitalia-Mitarbeiter verkleidet, überfielen die Terroristen die Eskorte Aldo Moros am 16. März 1978 im Nordwesten Roms. Die Rotbrigadisten töteten die vier Leibwächter und den Chauffeur des Spitzenpolitikers. Moro selbst verschleppten sie in ein Versteck, in dem er 55 Tage lang ausharren musste, bevor er ermordet wurde. Das Szenenfoto aus "Il caso Moro" (deutsch: "Die Affäre Aldo Moro") von 1986 zeigt das Entführungsopfer Gian Maria Volonté als Aldo Moro (Mitte).
"Moro ermordet?" Als Lebenszeichen des entführten Aldo Moro schickten die Terroristen dieses Foto des Politikers hinter einer Zeitung vom 19. April 1978 mit der Schlagzeile "Moro ermordet?". Der italienische Politiker wurde am 16. März 1978 von Mitgliedern der Roten Brigaden entführt und am 9. Mai 1978 im Kofferraum eines roten Renault im Zentrum Roms erschossen aufgefunden.
"Die Affäre Aldo Moro": Als der Film über die Entführung und Ermordung des Spitzenpolitikers Aldo Moro 1986 in die italienischen Kinos kam, sorgte er beim politischen Establishment für eine Welle des Zorns. Denn der Krimi von Regisseur Giuseppe Ferrara, der sich in weiten Teilen auf die Aussagen geständiger Terroristen stützt, stellt erneut die brisante Frage, ob Christdemokraten und Kommunisten wirklich alles taten, um Moros Leben zu retten - eine Frage, die Ferrara klar mit "Nein" beantwortet. Das Szenenfoto von "Il Caso Moro" (auf deutsch: "Die Affäre Aldo Moro") zeigt Gian Maria Volonte als inhaftierten Spitzenpolitiker.
Opfer der Linksterroristen: Als Ministerpräsident, Minister, langjähriger Abgeordneter und Generalsekretär der italienischen Christdemokraten prägte Aldo Moro (1916-1978) das politische Leben der italienischen Nachkriegszeit entscheidend. Am 16. März 1978 entführten ihn die Roten Brigaden, steckten ihn 55 Tage lang in eine winzige Zelle und ermordeten ihn schließlich. Bis heute ranken sich wilde Spekulationen und Mythen um den nach wie vor unaufgeklärten Fall.
"Buongiorno Notte": Die bis heute mysteriöse Affäre Moro lässt die italienischen Cineasten nicht ruhen. 2007 verfilmte Regisseur Marco Bellocchio mit "Buongiorno Notte - der Fall Aldo Moro" die Affäre erneut, mit Maya Sansa, Luigi Lo Cascio, Roberto Herlitzka, Giovanni Calcagano und Pier Giorgio Bellocchio in den tragenden Rollen. Bellocchio erzählt die Geschichte ausgehend von dem Roman "Der Gefangene", den Anna Laura Braghetti, eine der beteiligten Terroristinnen, verfasst hat. Das Szenenfoto zeigt den Schauspieler Luigi Lo Cascio bei der Lektüre der "Repubblica", die die Entführung Moros durch die Roten Brigaden zum Titelthema macht.
Der Pragmatiker: Enrico Berlinguer (1922-1984), langjähriger Generalsekretär der italienischen Kommunisten, gilt ebenso wie der Christdemokrat Aldo Moro als Verfechter des sogenannten "Historischen Kompromisses": einer Annäherung von Christdemokraten und Kommunisten. Diese politische Konstellation geriet durch die Entführung und Ermordung Moros zur Farce und wurde schließlich ganz aufgegeben.
Polaroid als Lebenszeichen: Die Entführung und Ermordung Aldo Moros im Frühjahr 1978 weist erstaunliche Parallelen zum Fall Schleyer auf. Ein halbes Jahr vor der Tat der Roten Brigaden entführten Mitglieder der RAF den damaligen Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer. Als Lebenzeichen des Entführten schickten die Terroristen eine Polaroid-Foto - ähnlich taten dies im April 1978 die italienischen Linksterroristen. Und ähnlich wie die RAF-Kollegen deponierten auch die Rotbrigadisten die Leiche des Ermordeten in einem Auto in der Öffentlichkeit.
Interesse am Tod Moros? Eine undurchsichtige Rolle im Fall Moro spielt unter anderem der mehrfache Ministerpräsident und Christdemokrat Giulio Andreotti. Dem Spitzenpolitiker war die von Moro verfochtene Öffnung seiner Partei nach links zweifelsohne ein Dorn im Auge - Kritiker werfen ihm daher vor, durch seine harte Linie gegenüber den Entführern Moros dessen Tod zumindest in Kauf genommen zu haben. Der auch wegen angeblicher Mafia-Kontakte in Verruf geratenen Politiker stand zudem unter Verdacht, an der Ermordung Mino Pecorellis beteiligt gewesen zu sein: eines Journalisten, der für Andreotti belastende Details über den Fall Moro gewusst haben soll. Der erste Prozess um die Ermordung Pecorellis am 20. März 1979 endete im September 1999 nach drei Jahren mit einem Freispruch. In zweiter Instanz wurde Andreotti am 17. November 2002 in Perugia zu 24 Jahren Haft verurteilt (Foto). Dieses Urteil wurde in der Berufungsverhandlung am 2. Mai 2003 in Palermo jedoch wieder aufgehoben.