Verbrechen im Namen der Ehre Der Mord an Hatun Sürücü
Sie musste sterben, weil ihr Lebensstil nicht den Vorstellungen ihrer Familie entsprach: Hatun Sürücü wurde im Februar 2005 von ihrem Bruder Ayhan erschossen. Ob die Tat gemeinschaftlich von der Familie geplant worden war, konnte vor Gericht nicht geklärt werden.
Schuldig bekannt hatte sich der jüngste Bruder Ayhan Sürücü, der vom Berliner Landgericht zu einer Jugendstrafe von neun Jahren und drei Monaten Haft verurteilt wurde. In Istanbul mussten sich die beiden älteren Brüder Mutlu, 38, und Alpaslan Sürücü, 36, wegen Beihilfe zur vorsätzlichen Tötung von Hatun vor Gericht verantworten.
Der Tatort nahe einer Bushaltestelle in der Oberlandstraße in Berlin: Die türkische Staatsanwaltschaft machte in ihrem Abschlussplädoyer klar, dass sie davon ausgehe, dass die Brüder die Tat gemeinsam beschlossen hatten. Die beiden Älteren hätten den Jüngsten damit beauftragt, die "Ehre zu säubern". Dabei habe unter anderem der Beweggrund des "Brauchs" eine Rolle gespielt, so die Staatsanwaltschaft.
Hatun Sürücü wurde von ihren Eltern in der Türkei zwangsverheiratet. Nach der Trennung zog sie zurück zu ihren Eltern nach Berlin und später in eine eigene Wohnung. Von der Familie wandte sie sich ab.
Der Fall trat eine Debatte über sogenannte Ehrenmorde und muslimische Parallelgesellschaften in Deutschland los.