Filmkulisse Orientexpress Spione auf Schienen
Flucht Richtung Westen: Ach, sind die Polster im Orientexpress gemütlich! Findet zumindest die sich hier räkelnde, schöne Daniela Bianchi, im Bond-Film "Liebesgrüße aus Moskau" als "Tatiana Romanova" mit Agent 007 im legendären Luxuszug unterwegs. Regie des Bond-Films von 1963 führte Terence Young. Der Orientexpress und seine luxuriösen Geschwisterzüge beflügeln bis heute die Fantasie zahlreicher Schriftsteller und Regisseure. mehr...
Stargedränge im Abteil: Der britische Regisseur Kenneth Branagh hat sich an eine Neuverfilmung des Agatha-Christie-Klassikers "Mord im Orientexpress" gewagt. Bei dem für Ende 2017 erwarteten Kinofilm wirken unter anderem Johnny Depp, Michelle Pfeiffer, Judi Dench, Penélope Cruz und Willem Dafoe mit. In die Rolle des Hercule Poirot schlüpft Regisseur Kenneth Branagh höchstpersönlich (Szenenfoto).
Ein Fall für Hercule Poirot: Sean Connery als "Colonel Arbuthnot" und Vanessa Redgrave, als "Mary Debenham" - Filmszene aus dem berühmten Agatha-Christie-Klassiker "Mord im Orientexpress" (1974, Regie: Sidney Lumet). Nach dem Verbrechen bleibt der Luxuszug auf freier Strecke im Schnee stehen, niemand kann das Gefährt verlassen. Für ihren berühmten Krimi ließ sich Schriftstellerin Agatha Christie von einer wahren Begebenheit inspirieren: Im strengen Winter 1928/29 blieb der Simplon-Orientexpress, kleiner Bruder des legendären Orientexpresses, in der Türkei fünf Tage lang im Schnee stecken.
Weihnachtsromanze: Am 24. Dezember 1903 bleibt der Orientexpress in einem Alpental stehen - eine Schneelawine sorgt dafür, dass es nicht weitergeht. Die Zuggäste werden in das nahegelegene Dorf gebracht, feiern dort Weihnachten - und entdecken ihre Liebe füreinander. Szenenbild aus dem Kitschstreifen "Orientexpress" (1954, Regie: Carlo Ludovico Bragaglia) mit Eva Bartok und Curd Jürgens. Der italienisch-französisch-deutsche Film war eine der ersten größeren internationalen Koproduktionen mit deutscher Beteiligung nach dem Zweiten Weltkrieg.
König der Züge: Plakat für den Orientexpress von 1888. Im gleichen Jahr war die direkte Bahnlinie bis Konstantinopel fertig - zuvor mussten die Reisenden in der rumänischen Stadt Giugiu aussteigen, per Fähre die Donau überqueren, mit einem stinknormalen Zug nach Varna reisen und von dort das Schiff nehmen.
Heiße Zugfahrt: Die Dame im rosa Glitzerkleid scheint satt, hat ihren Schlafzimmer-Blick aufgesetzt und würde die Unterhaltung gern abseits des luxuriösen Speisewagens weiterführen - "Séparée im Orient-Express" heißt der Erotik-Streifen von 1996, Regie führte der italienische Porno-Regisseur Luca Damiano.
007 und sein Girl: "Liebesgrüße aus Moskau" (Szenenfoto mit Daniela Bianchi und Sean Connery) gilt als einer der besten Bond-Streifen - obwohl der vornehme Simplon-Orientexpress, in dem die Handlung eigentlich spielen soll, zu Beginn der Dreharbeiten längst durch den (weit weniger schicken) Direct-Orient ersetzt worden war.
Von einem Ende des Kontinents zum anderen: Historisches Werbeplakat für den Simplon-Orientexpress. Vor dem Panorama von Konstantinopel (dem späteren Istanbul) präsentieren eine britisch-königliche Wache und ein türkischer Einheimischer den Streckenverlauf. Der "kleine Bruder" des Orientexpresses startete 1919 erstmals von Paris aus.
Mord auf dem Balkan: Wer hat den Rechtsanwalt Branko gemeuchelt? Filmszene aus dem Stummfilm "Orient-Express" mit Lil Dagover und Heinrich George (1927, Regie: Wilhelm Thiele). Der Orientexpress als Filmstoff zieht bis heute die Menschen in ihren Bann, auch weil so viele Berühmtheiten das Luxuszugnetz nutzten: Prinzen und Spione, Hollywood-Ikonen und Waffenhändler, Politiker und Milliardäre - das gesamte "Who is Who" des 20. Jahrhunderts tummelte sich an Bord des legendären Zugs. Unter ihnen etwa...
...Josephine Baker: Die schwarze Tänzerin (1906-1975) soll einst einen Schlafwagen-Schaffner bezirzt haben. Der Legende nach gab Baker dem Mann eine Privatvorstellung, weil er ihr mitten in der Nacht Bier und Käsebrötchen organisiert hatte. Als gesichert gilt, dass die Bananenrock-Lady im September 1931 an Bord war, als ein Bombenattentat auf den Zug verübt wurde. 24 Menschen starben, Baker kam unverletzt davon - und soll die panischen Passagiere mit einer Gesangseinlage beruhigt haben.
Schöner Zug: An Bord des Orientexpress verlustierte sich in der Vergangenheit unter anderem Schauspielerin Grace Kelly (1929-1982) - die Aufnahme entstand 1955 beim Filmfestival in Cannes. Auch Hollywood-Ikone...
...Greta Garbo (1905-1950) bereicherte den Luxuszug mit ihrer Anwesenheit. Das Foto zeigt die Schauspielerin im Film "Anna Karenina" (USA 1935, Regie: Clarence Brown). Für Glamour sorgte in früheren Zeiten zudem etwa...
...die französische Darstellerin Sarah Bernhardt (1844-1923), bei der Crew des Orientexpresses gefürchtet für ihre launischen Wünsche. Doch auch viele gekrönte Häupter waren regelmäßig an Bord des Zuges anzutreffen. Unter ihnen etwa Fürst Ferdinand von Bulgarien und sein Sohn Boris: Wahre Zugnarren, die darauf bestanden, den Orientexpress innerhalb Bulgariens selbst zu lenken - sehr zum Unmut der Passagiere.
Auf Schienen in eine andere Welt: Plakat für den Simplon-Orientexpress von 1927 - die Ansicht von Aleppo stammt vom Künstler Jean de la Nézière. Die Idee zu dem transeuropäischen Luxuszug hatte der belgische Geschäftsmann Georges Nagelmackers (1845-1905), Gründer der "Compagnie Internationale des Wagons-Lits". Er war es, der Verträge mit neun Bahngesellschaften aus heute fünf europäischen Ländern schloss, um die gut 3000 Kilometer lange Fahrt möglich zu machen.
"Kaufmann des Todes": Jahrelang war Abteil 7 des Orientexpresses für den Geschäftsmann Basil Zaharoff (1849-1936) reserviert, einen der skrupellosesten Waffenhändler aller Zeiten. Das Motto des grimmig dreinblickenden Griechen: "Ich mache Krieg, um an beide Seiten Kanonen zu verkaufen." Auf einer seiner Zugreisen rettete Zaharoff der Legende nach die Spanierin Maria Pilar, Herzogin von Villafranca de los Caballeros vor einem Mordversuch durch ihren geisteskranken Mann - sie soll dem Waffenhändler zum Dank Millionenaufträge verschafft haben. Später heiratete Zaharoff die Herzogin und schenkte ihr als Hochzeitsgeschenk das Casino von Monte-Carlo.
Als Ingenieur unterwegs: Zudem genoss der spätere US-Präsident Herbert Hoover (1874-1964) mehrfach die Fahrt im glamourösen Orientexpress, er arbeitete vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs als Bergbauingenieur in Europa.
Revoluzzer auf Schienen: Auch Leo Trotzki (1879-1940) fuhr nach seiner Verbannung aus Russland mehrmals mit, immer auf der Suche nach Unterstützern für die Russische Revolution. Auf diesem Foto ist er bei seiner Ankunft in St. Petersburg zu sehen - dorthin fuhr der Orientexpress allerdings nie.
Der Reiz des Exotischen: Ferne Länder, grandiose Ruinen - der Luxuszug (hier ein Werbeplakat für den Simplon-Orient-Express aus den Zwanzigerjahren) verband Abendland mit Morgenland, was die Menschen ungeheuer faszinierte.
Express der Spione: Geheimagenten fuhren besonders gern mit dem Luxuszug, der ihnen die Arbeit und das Reisen bequemer machte. Unter ihnen: Lawrence von Arabien und die niederländische Tänzerin Margaretha Geertuida Zelle (Foto), besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Mata Hari, "Auge des Tages" (1876-1917).
Begeisterter Bahnfahrer: Auch Kaiser Haile Selassie (1892-1975), der Herrscher von Äthiopien, nutzte regelmäßig den Orient-Express.
Päpstliche Prominenz an Bord: Kardinal Pacelli, der spätere Papst Pius XII. (1876-1958), nahm den Orient-Express laut Autor E.H. Cookridge auf einer Inspektionsreise durch die Diözesen Südosteuropas.