Desaströse Sport-Comebacks - DER SPIEGEL
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Borg, Maradona und Co. Großes Comeback - doch nicht!

Alter Schwede! 1991 kehrte Björn Borg noch einmal auf die große Tennisbühne zurück. Aber das Comeback des Wimbledon-Königs wurde zur Farce und der Schwede zur Witzfigur. Anderen erging es allerdings auch nicht besser. einestages zeigt die peinlichsten Versuche der Stars, die Zeit auszutricksen.
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Höhenflug: Es war wirklich eine innige Liebe zwischen Björn Borg und dem Grand-Slam-Turnier in Wimbledon. Der Schwede küsste zwischen 1976 und 1980 fünfmal die Siegertrophäe und verewigte sich damit in den Tennis-Rekordbüchern. Dazu galt Borg, der insgesamt 110 Wochen auf Platz eins der Weltrangliste stand, als vielleicht bester Sandplatzspieler seiner Zeit. Sechs Titel holte der wegen seiner Nervenstärke "Ice Borg" genannte Spieler bei den French Open auf Sand.

Als Borg 1982 zurücktrat, war er gerade 26 Jahre alt und ein lebender Sportmythos.

Foto: DPA
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Harte Landung: Am 23. April 1991 begann das Drama. Borg hatte sich für sein Comeback den Ort des Rücktritts ausgesucht, der gleichzeitig sein Wohnsitz war: Monte Carlo. Er sei "nicht des Geldes wegen" zurückgekehrt, beteuerte der Schwede, der in den Jahren zuvor rund 50 Millionen Dollar durch Fehlinvestitionen verloren hatte.

Borg wollte wieder Spaß am Tennis haben - und trat dafür auch mit seinem gewohnten Holzracket an. Auf Sicht wollte er sogar wieder Turniere gewinnen, physisch fühlte er sich auf der Höhe. Doch Borg scheiterte grandios: In zwei Jahren gewann er kein einziges Match.

Foto: Simon Bruty/ Getty Images
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Höhenflug: Er war jung, laut, schnell, kraftvoll, elegant und nahezu unbesiegbar. Niemand zuvor hatte die Schwergewichtsszene so aufgemischt wie Muhammad Ali.

Als er mit 36 Jahren seine Karriere beendete, hatte er Joe Frazier, Sonny Liston, George Foreman und Ken Norton besiegt - und in 18 Jahren nur drei Kämpfe verloren. Ali trat 1978 als dreimaliger Weltmeister zurück.

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Harte Landung: 1980 kehrte Ali in den Ring zurück. Seine Motivation war wohl, zum vierten Mal Weltmeister zu werden. Doch der Kampf gegen Larry Holmes in Las Vegas wurde zur peinlichen Vorstellung. Ali traf nicht, sein Trainer warf schließlich in der zehnten Runde das Handtuch. Es war die erste vorzeitige Niederlage für den Boxer in seiner Karriere. Doch nicht die schlimmste.

Am 11. Dezember 1981 trat Ali, der bereits von seiner Parkinson-Krankheit gezeichnet war, auf den Bahamas gegen Trevor Berbick an. Das "Drama auf den Bahamas" endete in einer klaren Punktniederlage und mit dem endgültigen Rücktritt eines großen Sportlers.

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Höhenflug: Golf ist Respekt, Golf ist gutes Benehmen. Wenn man so will, war John Daly trotz seiner Erfolge nie ein vorbildlicher Golfer. Vor allem mit seinem Privatleben sorgte der rundliche Mann für Furore - vier geschiedene Ehen und nach eigenen Aussagen 50 Millionen Dollar Verluste an Spielautomaten inklusive.

Doch der gar nicht perfekte Daly war, nachdem er 1987 auf der US- Profitour begonnen hatte, genau deshalb auch immer der beliebteste Spieler bei den Fans - und sehr erfolgreich. 1991 gewann Daly die PGA Championship und 1995 die British Open.

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Harte Landung: Daly wurde von der US-Profitour mehrmals suspendiert - meist mit dem Auftrag, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. 2004 und 2008 hatte die PGA jeweils genug von den Eskapaden des Golfers und schloss ihn für mehrere Monate aus. Daly hatte mal von einer Bierdose abgeschlagen, ein anderes Mal war er mit dem Trainer einer Footballmannschaft als Caddy angetreten. Doch die Sperren halfen nichts. 2008 landete Daly nach einem Saufgelage in der Ausnüchterungszelle.

Was aus dem Mann sportlich hätte werden können, zeigt eine Anekdote, die die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" 2009 beschrieb. Der damals weltbeste Golfer Tiger Woods kam aus dem Fitnessstudio, als ihn Daly fragte, warum er sich das antue. Woods erwiderte: "Wenn ich dein Talent hätte, müsste ich das nicht tun."

Foto: Andrew Redington / Getty Images
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Höhenflug: Den Namen Ben Johnson verbindet jeder mit einem Höhepunkt, der wenig später zum Tiefpunkt eines ganzen Lebens werden sollte. Der kanadische Sprinter gewann 1988 bei den Olympischen Spielen in Seoul das 100-Meter-Finale und stellte mit 9,79 Sekunden einen neuen Weltrekord auf. Doch Johnson war gedopt und wurde kurz darauf für zwei Jahre gesperrt.

Was die meisten schon wieder vergessen haben: Der Kanadier mit den jamaikanischen Wurzeln hatte schon 1984 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles Bronze gewonnen und dem Dominator Carl Lewis in den Jahren danach immer wieder Paroli geboten.

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Harte Landung: Nach dem Ablauf seiner Sperre wollte Johnson noch einmal angreifen und sich für die Olympischen Spiele 1992 in Barcelona qualifizieren. Der Sprinter schaffte es tatsächlich, sich in den kanadischen Vorausscheidungen durchzusetzen. Doch im Halbfinale der Spiele war Schluss. Johnson stolperte aus dem Startblock und wurde abgeschlagen Letzter - eine Demütigung.

Der Tiefpunkt war aber immer noch nicht erreicht: Im Januar 1993 wurde er erneut positiv auf Dopingmittel getestet und lebenslang gesperrt. 1999 nahm er dann einen ungewöhnlichen Job an. Johnson wurde persönlicher Trainer des libyschen Diktatorensohns Saadi al-Gaddafi.

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Höhenflug: In Argentinien wird er verehrt wie ein Gott, und die Frage nach dem besten Fußballer der Geschichte wird dort nur mit einem Namen beantwortet: Diego Armando Maradona. Bei der WM 1986 zauberte die Nummer zehn gegen England mit der "Hand Gottes" und dem Fuß eines Genies. Gegen Deutschland gewann Argentinien dank Maradona das Finale am 29. Juni in Mexiko-Stadt 3:2. Über ein Jahrzehnt war der Spielmacher auch in Europa erfolgreich, erst in Barcelona, dann in Neapel.

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Harte Landung: 1991, ein Jahr nach der WM 1990 in Italien, begann der Abstieg des Superstars, der im Fußball seinesgleichen suchte. In Italien wurde er zunächst wegen Drogenkonsums verhaftet und zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, in Argentinien gesperrt.

Sein Comeback 1992 beim FC Sevilla verlief zunächst wenig spektakulär, dann nominierte ihn Trainer Alfio Basile tatsächlich für die WM 1994. Aber was machte Diego? Er wurde positiv auf Ephedrin getestet und vom Turnier ausgeschlossen. Immerhin hatte der größte argentinische Fußballer der Geschichte so für einen standesgemäßen Skandal, den größten in der WM-Geschichte des Landes, gesorgt.

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Höhenflug: Er machte Kerpen zum Geburtsort eines Renngottes und sich selbst zur Legende. Siebenmal wurde Michael Schumacher Formel-1-Weltmeister, so oft wie niemand zuvor und wie wahrscheinlich auch niemand mehr nach ihm. Zwei Titel holte der PS-Kaiser für Benetton, fünf für Ferrari.

In Italien wird er seither verehrt, auch wenn die Begeisterung dort nie heranreichte an die Zahl der Schumi-Fans in Deutschland. Nie wäre die Formel 1 in Deutschland so populär geworden ohne den Mann mit dem markanten Kinn und dem unvergleichlichen Speed. Als Schumacher 2006 zurücktrat, schien sein Denkmal unumstößlich.

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Harte Landung: Der 23. Dezember 2009 wurde zum Beben in der Formel 1. Michael Schumacher gab sein Comeback bekannt - und das auch noch bei dem deutschen Formel-1-Team Mercedes. Ein paar Wochen später wurde Schumacher 41 Jahre alt. Sein Vertrag lief drei Jahre und sollte eigentlich den WM-Titel mit Mercedes beinhalten. Doch selten klaffte eine so große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Schumacher war immer noch fit und schnell - doch schon in der ersten Saison hatte sein Teamkollege Nico Rosberg viel zu häufig die Nase vorn. Der Immer-Gewinner Schumacher wurde zum zweiten Mann - ein schwerer Imageschaden für den Erfolgsverwöhnten.

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Höhenflug: Boooom! So ungefähr fühlte es sich an, als ein 20-Jähriger aus Brooklyn über das Boxen kam. Mike Tyson schlug sich mit unglaublicher Kraft durch das Schwergewicht und wurde am 22. November 1987, anderthalb Jahre nach seinem Profidebüt, jüngster Schwergewichtsweltmeister der Geschichte. Der bemitleidenswerte Trevor Berbick kippte schon in Runde zwei um.

Wenig später war Tyson nicht nur WBC-, sondern auch WBA-Champion und ein Jahr danach Weltmeister in allen drei großen Verbänden. Auch das: ein Novum.

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Harte Landung: Nachdem ihm James Douglas am 11. Februar 1990 die erste Niederlage beigebracht hatte, war der Nimbus des Unbesiegbaren gebrochen. Tysons Karriere beendete aber vorerst kein Gegner, sondern er selbst. 1992 wurde er wegen Vergewaltigung zu zehn Jahren Haft, davon vier auf Bewährung, verurteilt.

Das Comeback 1995 wurde aber nicht zur erhofften Wiederkehr des ehemals Größten - sondern zur Fortsetzung eines ganz persönlichen Dramas. Zunächst verlor Tyson seinen WM-Kampf gegen Evander Holyfield klar, im Rückkampf am 28. Juni 1997 brannten ihm dann alle Sicherungen durch. Tyson, der nach Punkten zurücklag, biss seinem Gegner ein Stück des rechten Ohrs ab. Es folgten: eine weitere Haftstrafe und weitere klägliche Comeback-Versuche, die am Ende nur einem Zweck dienten: die leeren Kassen eines tief Gefallenen zu füllen.

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Höhenflug: Es ist eigentlich nicht in Worte zu fassen, was Mark Spitz bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München gelang. Siebenmal Gold, sieben! Ein Rekord für die Ewigkeit, das dachte man, und das dachte wohl auch der Schnauzbart aus Modesto, Kalifornien, als er im gleichen Jahr mit gerade 22 Jahren zurücktrat. Ein geschickter Schachzug - der Mythos ließ sich so ungemein gut vermarkten.

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Harte Landung: Es ist auch nicht in Worte zu fassen, was sich ab 1992 abspielte. Spitz, der fast 20 Jahre lang als bester Schwimmer der Geschichte gegolten hatte, wagte tatsächlich ein Comeback mit 41 Jahren.

Sein Traum war es, sich für die Olympischen Spiele in Barcelona zu qualifizieren. Doch die Ernüchterung war so groß wie erwartbar: Spitz war chancenlos und blieb zwei Sekunden unter der geforderten Qualifikationszeit. Zwei Sekunden sind Welten im Schwimmen. 2008 brach dann Landsmann Michael Phelps Spitz' Rekord und gewann acht Goldmedaillen. Spitz war nicht zu den Spielen in Peking eingeladen worden. "Erniedrigend" fand das die Schwimmlegende - lobte später aber Phelps. Es sei Zeit gewesen, "dass jemand anderes den Thron besteigt".

Foto: Getty Images/Ken Levine/Allsport
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