Design aus Europa - DER SPIEGEL
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Design aus der Europa Objekte und Ideen, die wir der EU verdanken

Wir haben Designer, Künstler und eine Köchin aus verschiedenen Ländern der EU gebeten, exklusiv für das S-Magazin ein Produkt zu kreieren. Egal was, egal wie groß, egal woraus. Nur das Thema war gesetzt: "Europa". Hier sehen Sie die Ergebnisse.
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Yannis Sergakis / griechischer Schmuckdesigner: Ohrringe aus 18-karätigem Gold und schwarzem Rhodium mit Lapislazuli und weißen Diamanten (0,1 Karat)

Foto: Ludwig Schöpfer
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Als Mitglied einer Familie von Diamantenhändlern begann Yannis Sergakis, 45, schon als Kind damit, Juwelen zu sammeln und zu bearbeiten. Er studierte Edelsteinkunde am Gemological Institute of America in Carlsbad, Kalifornien, und gründete 2004 sein eigenes Schmucklabel in Athen. Seine Stücke sind weltweit erhältlich. Als Erklärung für seine Ohrringe schrieb Sergakis dieses Gedicht: "earth and light. The earth perpetual as stone, blue. the stone and the sea, the earth and the sky. The light. the everlasting sun, the golden sun, shimmers, as the immortal diamond."

Foto: Yiorgos Kaplanidis
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Herrmann & Coufal für Master & Master / tschechisches Designstudio: "Steps" heißt die Bank, die im Rahmen der Ausstellung "Bänke für Europa"  im Park vor dem Europäischen Parlament in Straßburg zu sehen ist.

Foto: Ludwig Schöpfer
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Die Prager Designer Eduard Herrmann, 29, und Matěj Coufal, 25, entwerfen Möbel und Objekte für den privaten und den öffentlichen Raum. Viele Stücke sind preisgekrönt. Für das Studio Master & Master von Ondřej Zita, 34, und Luděk Steigl, 35, haben sie dieses Europa-Projekt verwirklicht. Beide Duos setzen auf Handarbeit und hochwertige Materialien. "Treppen sind für uns ein Symbol der Verbindung - sie verbinden Stockwerke miteinander oder draußen mit drinnen. Eine Treppe hat eine praktische Funktion in der Architektur: Sie lädt uns ein in ein Gebäude und ermöglicht es, dass wir uns darin bewegen. Unabhängig von Ort und Zeit hilft sie uns, zu unserem Wunschort zu gelangen. Während wir hinauf- und hinabsteigen, schenken wir ihr nicht viel Aufmerksamkeit, obgleich sie doch unersetzlich ist in unserer Umgebung. Selbst eine scheinbar alltägliche Treppe kann einen weiteren Zweck entwickeln, wenn sie von einem Ort, wo man aneinander vorbeiläuft, zu einem Ort wird, wo man einander trifft. Oft werden wir Zeugen dieser Transformation: Ein sozialer Raum entsteht dort, wo Leute sich spontan hinsetzen, um etwas zu essen oder sich zu unterhalten. Was früher eine rein funktionale Komponente hatte, besitzt heute die Fähigkeit, Individuen unterschiedlicher Herkunft zu verbinden, die sich zufällig getroffen haben. Treppen sind also etwas, das Dinge verbinden kann, Orte, Ideen oder Daseinszustände."

Foto: S-Magazin
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Arthur Analts / lettischer Künstler und Designer: Ohrringe und Kette passend zu Analts' Installation "Borders"

Foto: Ludwig Schöpfer
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Nach dem Studium der Bildhauerei in Riga ging Arthur Analts, 28, nach London, um am renommierten Central Saint Martins College of Art and Design seinen Abschluss zu machen. In seinen Objekten setzt er sich kritisch mit politischen Themen auseinander. 2018 vertrat er Lettland bei der London Design Biennale und wurde zum besten Designer gekürt. Der Schmuck, den er für dieses Shooting entworfen hat, bezieht sich auf seine Installation mit dem Titel "Borders". "Ohrringe und Kette habe ich passend zu meiner Skulptur gestaltet, die einen Zaun darstellt. Bei näherer Betrachtung sieht man, dass der Zaun von Menschenhand gemacht ist. Das fand ich symbolisch passend in Anbetracht der aktuellen Situation in Europa. Hinter all den Zäunen sind Menschen, physisch und metaphorisch. Diese Zäune zeigen die Ambivalenz von Grenzen: Manche setzen wir uns selbst, manche werden uns aufgezwungen, etwa von Staaten."

Foto: S-Magazin
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Erika Varga für Romani Design / ungarisches Modelabel: Ohrringe in Blütenform aus biegsamem Stoff

Foto: Ludwig Schöpfer
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2009 gründete Erika Varga, 47, Romani Design, das erste ungarische Modelabel, das inspiriert ist von der Kultur der Roma. Varga ist selbst Mitglied der größten ethnischen Minderheit des Landes und kämpft mit ihren Produkten gegen Vorurteile und Diskriminierung. Ihre Schwester Helena entwirft passende Accessoires. Gemeinsam engagieren sie sich für benachteiligte Kinder und vertreten Ungarn weltweit auf Kultur- und Modeveranstaltungen. "Die Ohrringe haben die Form einer Blume, die mit ihren Blütenblättern Europas Vielfalt und seine multikulturellen Werte symbolisiert. Blumen sind zudem weit verbreitet in der traditionellen Kleidung der Roma und repräsentieren auf diese Weise Roma-Gemeinschaften in Europa. Die Farben der Ohrringe, das Blau und Gelb aus der EU-Flagge, sollen die Einheit Europas ausdrücken. Die Blüten sind flexibel, als Zeichen für die Souveränität der europäischen Länder."

Foto: Eva-Katalin Kondoros
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Price On Request / kroatisches Modelabel: Tasche mit kombinierbarer Weste

Foto: Ludwig Schöpfer
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Gala Marija Vrbanic, 25, studierte Design in Zagreb und gründete 2016 das Unisex-Label. Sie ist der Kopf der als Kollektiv tätigen Firma. "Ich lebe nicht weit von der slowenischen Grenze entfernt. Schon vor dem Beitritt Kroatiens zur EU war es üblich, zum Einkaufen nach Österreich zu fahren. Man musste allerdings hohe Steuern auf alle Importwaren zahlen. Als ich elf war, fuhren wir einmal nach Graz, ich kaufte ein "Singstar"-Karaoke-Set für meine Playstation. An der Grenze fing der Beamte an, unser Auto zu durchsuchen. Ich erinnere mich gut, wie ich das Set unter meinem T-Shirt versteckte und betete, dass er mich nicht absucht. Ich hatte Angst. Ich dachte, vielleicht komme ich ins Gefängnis. Obwohl die Grenzen mittlerweile offen sind, überkommt mich bis heute diese Furcht, wenn ich sie überquere. Als ich klein war, träumte ich davon, jederzeit überall hin zu können. Dieses Gefühl herrscht bei mir immer noch vor, wenn ich an die EU denke. Deshalb haben wir dieses Kleidungsstück entworfen gegen die Angst, die ich als Kind hatte. Mit der Tasche und der Weste hätte ich mich damals sicherer gefühlt."

Foto: S-Magazin
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Vladimir Karaleev / bulgarischer Modedesigner: Patchwork-Top aus 27 unterschiedlichen Stoffen

Foto: Ludwig Schöpfer
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Vladimir Karaleev, 38, stammt aus Sofia, studierte in Berlin Modedesign und gründete 2010 ein Label für Männer und Frauenmode, das kurz darauf ins Programm der dortigen Fashion Week aufgenommen wurde. Seine Entwürfe zeichnen sich durch experimentelle Schnittführung aus. "Die Idee zu dem Kleidungsstück kam mir sofort, als ich an die 28 (künftig 27) Mitgliedsstaaten der EU und die Europakarte dachte. Eine Vereinigung von 27 verschiedenen Materialien, die miteinander zusammenhängen. Jedes Stück Stoff ist gleich wichtig für die Konstruktion und die Komposition dieser Form. Alle sind einzigartig, aber verschmelzen trotzdem zu einer Gesamtform."

Foto: Dirk Merten
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Sami Ruotsalainen und Maija Louekari für Marimekko / finnische Designmarke: Übergroße Tasse im Design der Geschirrserie "Oiva"

Foto: Ludwig Schöpfer
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Sami Ruotsalainen, 41, gestaltete die Tasse von Marimekko. Er arbeitet im Designteam der 1951 gegründeten Marke aus Helsinki, die für ihre bunten Muster auf Haushaltswaren und Kleidungsstücken bekannt ist. "Die gigantische Tasse erzählt für mich eine Geschichte von Gemeinsamkeit. Die Form entspricht der der Geschirrserie 'Oiva', die dieses Jahr zehn Jahre alt wird. Wir wollten zum Jubiläum etwas Überraschendes machen, daher die übertriebene Größe der Kaffeetasse - eines der wichtigsten Produkte aus der finnischen Genusskultur. Die Finnen lieben Kaffee. Meine Kollegin Maija Louekari hat das Muster aufgemalt, monochrom, durchbrochen mit poppigem Blau, das für klare, frische Luft steht. Denn wenn wir alle zusammen daran arbeiten, werden wir es schaffen, gesunde, frische Luft für die nächsten Generationen zu erhalten."

Foto: S-Magazin
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Ana Ros / slowenische Köchin: Vogelmieren-Salat mit Silene, Wildveilchen, grünen Erdbeeren, Forellenrogen und geräuchertem Knochenmark

Foto: Ludwig Schöpfer
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Ana Ros, 46, betreibt mit ihrem Mann Valter Kramar das Restaurant Hisa Franko in Kobarid im äußersten Nordwesten des Landes. Sie hat nie eine Ausbildung zur Köchin gemacht und gilt dennoch als beste Köchin der Welt. "Der Vogelmieren-Salat verkörpert für mich den europäischen Frühling. Es ist doch sehr hoffnungsvoll, dass man der Vogelmiere als zartem Nelkengewächs unverwüstliche Lebenskraft zuspricht. Dazu gebe ich Silene, Wildveilchen, grüne Erdbeeren, Forellenrogen und geräuchertes Knochenmark. Der Salat ist leicht, natürlich - und trotzdem ein bisschen provozierend."

Foto: S-Magazin
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?