Design-Geschichte - DER SPIEGEL
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Design-Geschichte Der unbekannte Mr. Bauhaus

Strahlkraft des Stahlrohrmöbels: Das Bauhaus prägte Kunst und Architektur des 20. Jahrhunderts. Jetzt wird der 90. Geburtstag von Walter Gropius' legendärer Kunstschule groß gefeiert. Dabei begann ihre Geschichte schon 17 Jahre früher - mit einem wenig bekannten Genie aus Belgien. Von Priska Schmückle von Minckwitz
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Bauhaus-Universität Weimar: Bis 1925 residierte das Bauhaus in Weimar, wo es seinen Sitz in mehreren, zwischen 1906 und 1911 von Henry van de Velde für die Großherzoglich Sächsische Kunstgewerbeschule entworfenen Gebäuden hatte. Heute residiert hier die Bauhaus-Universität Weimar.

Foto: ddp
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Henry van de Velde: Der belgische Architekt und Jugendstilkünstler Henry van de Velde kam 1902 als künstlerischer Berater des Großherzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach in die Provinzhauptstadt Weimar und gründete dort 1908 die Kunstgewerbeschule, aus der 1919 das Bauhaus hervorging. Als belgischer Staatsbürger musste van de Velde die Leitung seiner Schule nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs abgeben und wurde unter Polizeiaufsicht gestellt, bis er 1917 in die Schweiz ausreisen konnte, wo er bis zu seinem Tod 1957 lebte. Die Aufnahme zeigt van de Velde um 1910 in seinem Atelier in Weimar.

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Südgiebel der Kunstgewerbeschule Weimar: Im Jahr 1907 errichtete Henry van de Velde das erste Gebäude für die Großherzoglich Sächsische Kunstgewerbeschule in Weimar, die er selbst bis 1915 leitete. Hinter den drei großen Fenstern im ersten Stock befand sich fast während seiner gesamten Weimarer Zeit van de Veldes Arbeitszimmer.

Foto: R. Möhler/CC
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Die Fagus-Werke: Mit den Fagus-Werken Alfeld bei Hannover, einem für damalige Verhältnisse revolutionären Bau mit Glasfassade, hatte der junge Architekt Walter Gropius 1911 Furore gemacht. Acht Jahre später wurde er Direktor der Kunstgewerbeschule Weimar, die er in "Staatliches Bauhaus"umtaufte. Den Auftrag für die Fabrik, die Gropius berühmt machte, hatte ihm der Schuhleistenfabrikant Carl Benscheidt erteilt .

Foto: ddp
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Walter Gropius: Der Architekt Walter Gropius wurde am 1. April 1919 erster Direktor der Weimarer Hochschule für bildende Kunst, der er sofort den Namen "Staatliches Bauhaus Weimar" gab. Der offizielle Zusatz "Ehemalige Großherzoglich Sächsische Hochschule für bildende Kunst und ehemalige Großherzogliche Kunstgewerbeschule" fiel schnell unter den Tisch, "Bauhaus" wurde zu einem Synonym für kühl-funktionales Design schlechthin. Die Aufnahme zeigt Gropius am 15. Mai 1933 in Berlin neben einer Entwurfszeichnung für den Sitz der "Chicago Tribune". 1934 emigrierte Gropius nach London, später in die USA. Er starb 1969 in Boston.

Foto: AP
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Bücherturm in Gent: Den markanten Turm der Universitätsbibliothek von Gent, ein Wahrzeichen der Stadt, entwarf Henry van de Velde 1932. Der monumentale Betonbau ist das größte Gebäude, das der Architekt ausführte. Es wurde als Magazin für zwei Millionen Bücher konzipiert und dient bis heute seinem ursprünglichen Zweck.

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Haus am Horn: Das für die erste Ausstellung des Staatlichen Bauhauses Weimar 1923 errichtete "Musterhaus am Horn" wurde unter der Leitung von Georg Muche in einer Bauzeit von vier Monaten errichtet. Verantwortlicher Bauherr war Bauhaus-Direktor Walter Gropius selbst. Die geplante Siedlung für die Mitarbeiter des Bauhauses wurde nicht gebaut, und so blieb das Musterhaus das einzige architektonische Zeugnis des Bauhauses in Weimar. Seit 1996 ist es Teil des Unesco-Weltkulturerbes "Bauhaus Sites in Weimar and Dessau".

Foto: Martin Krause/mk76
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Großherzog Wilhelm Ernst : Großherzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar-Eisenach 1916 in Uniform auf einer Feldpostkarte. 1902 hatte der Herrscher den belgischen Jugendstilkünstler Henry van de Velde, der bereits in Berlin als Innenaustatter reüssiert hatte, als künstlerischen Berater und "Bevollmächtigten des Großherzogs zur Hebung des Weimarschen Kunstgewerbes" an die Ilm geholt. Als der Erste Weltkrieg ausbrach und deutsche Truppen Belgien überfielen, ging die Zusammenarbeit zu Ende, van de Velde kehrte Weimar 1917 den Rücken.

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Van de Veldes Villa Esche in Chemnitz vor Restaurierungbeginn: Die von Henry van de Velde 1902 für den Textilfabrikanten Herbert Esche in Chemnitz entworfene Villa war der erste Bauauftrag des Belgiers in Deutschland. Nach der Wiedervereinigung gingen Haus und Grundstück an die Esche-Erben zurück. Erst 1997 konnte das Haus von der Städtischen Baugesellschaft erworben und eine sehr umfangreiche Restaurierung unternommen werden. Hier eine Aufnahme vor Baubeginn.

Foto: dpa
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Die restaurierte Villa Esche: Anblick von der Südseite der 1998 bis 2001 restaurierten Villa Esche in Chemnitz. Dieses architektonische Frühwerk Henry van de Veldes spannt den Bogen zwischen dem Jugendstil und der Neuen Sachlichkeit. Sie dient heute als Museum und Veranstaltungsort.

Foto: dpa/obs/City-Management und Tourismus Chemnitz GmbH
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Jugendstil-Genie van de Velde: Kurz nach seiner Ankunft in Weimar 1902 begann Henry van den Velde "kunstgewerbliche Seminare" für talentierte Gestalter anzubieten, um die Barrieren zwischen Kunst und Handwerk zu überwinden. Selbst besaß der Belgier keine gestalterische Ausbildung, er hatte in seinem Heimatland Malerei studiert. 1908 wurde van de Velde Leiter der von ihm geplanten und erbauten "Großherzoglich Sächsischen Kunstgewerbeschule", aus der 1919 das Bauhaus hervorging.

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Bauhaus Dessau: Blick auf das Bauhaus in Dessau, 1926 nach Plänen des damaligen Bauhaus-Direktors Walter Gropius erbaut. Die berühmte, aber auch umstrittene Kunstschule hatte Weimar nach Streit mit der konservativen Mehrheit im Stadtrat verlassen und sich in diesem Neubau in Dessau niedergelassen. Inzwischen gehört das Gebäude zum Unesco-Weltkulturerbe.

Foto: dpa
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Hitler besucht das Nietzsche-Archiv in Weimar: Eine der frühen Förderinnen Henry van de Veldes war die Schwester des Philosophen Friedrich Nietzsche, Elizabeth Förster-Nietzsche, die 1902 half, den Künstler nach Weimar zu holen. Dort gestaltete van de Velde die Inneneinrichtung des Nietzsche-Archivs im für ihn typischen Jugendstil. Es ist heute sein einziges komplett erhaltenes Interieur in Deutschland. Die Aufnahme zeigt Adolf Hitler (l.) beim Empfang durch Elisabeth Förster-Nietzsche (2.v.l.) vor dem Nietzsche-Archiv im Oktober 1935. Zu diesem Zeitpunkt war das Bauhaus bereits geschlossen, die meisten Lehrer im Exil. Van den Velde hatte Deutschland bereits 1917, im Ersten Weltkrieg, verlassen und lebte seither in der Schweiz.

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Musterbuch mit Bauhaus Tapeten: Das unverkennbare, schnörkellose Bauhaus-Design setzte sich nach dem Ersten Weltkrieg schnell gegen den historisierenden, neobarocken Geschmack durch, den der Wilhelminismus bevorzugt hatte. Die Aufnahme zeigt ein Tapetenmusterbuch der Firma Rasch im Bauhaus-Stil.

Foto: Ferdi Keuter/Archiv der Tapetenfabrik Gebr. Rasch GmbH & Co.KG
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Meisterhaus in Dessau: Das sanierte Kandinsky-Klee-Meisterhaus in Dessau im Januar 2000. In den Meisterhäusern des Bauhaus-Komplexes, die nach dem Umzug von Weimar nach Dessau nach Plänen des Direktors Walter Gropius entstanden, wohnten Künstler wie Lyonel Feininger, Paul Klee, Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer, die am Bauhaus unterrichteten.

Foto: dpa
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Fagus-Werke in Alfeld: Die Schuhleistenfabrik wurden 1911 nach einem Entwurf von Walter Gropius erbaut. Als die Amerikaner 1945 erschienen, wollten sie das Baujahr gar nicht glauben.

Foto: Rainer Schinzel
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Das "Haus des Volkes" in Probstzella: Der Architekt Alfred Arndt, der spätere "Bauhaus-Meister der Ausbauwerkstatt" (1929-1931), wurde 1925 als Bauhaus-Student von Walter Gropius freigestellt, um eines der bedeutendsten Bauhaus-Ensembles Thüringens zu errichten und komplett im Sinne des Bauhauses auszustatten: Das "Haus des Volkes" in Probstzella im Thüringer Wald, 70 Kilometer südlich von Weimar.

Foto: Rainer Schinzel
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Bauhaus Dessau: Eine Besichtigung in Dessau ist immer noch sehr interessant!

Foto: Horst Hoppe
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