Designierter Bundespräsident - DER SPIEGEL
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Joachim Gauck in Rostock Seine erste Wahl

1990 gewann Bundespräsident Joachim Gauck schon einmal eine Wahl. Siegfried Wittenburg erinnert sich, wie knapp der Pastor es in die erste freie Volkskammer schaffte - und wie Gauck in Rostock zur Stimme der Revolution wurde.
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Wortführer: Die Ansprache zu den Fürbittandachten, die in Rostock jeweils am Donnerstag ab 20 Uhr stattfanden, hielt Joachim Gauck. Warum? "Sie meinten, dass es mir gelingen könnte, das, was die Leute fühlen und oft nicht aussprechen konnten, in Worte zu fassen", sagte der Pastor später.

Der Mann, nach dessen Ansprachen sich regelmäßig die Demonstrationen formierten, wird am Sonntag wohl zum neuen Bundespräsidenten gewählt. Seine Bühne ist dann die größte, die es in Deutschland gibt.

Foto: Siegfried Wittenburg
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Hand in Hand: Zwischen dem Haus der Gewerkschaften, Interhotel und Stadthafen in Rostock feierten die evangelischen Christen im Lutherjahr 1983 öffentlich einen Gottesdienst auf dem Hermann-Duncker-Platz. Im Vorfeld des Kirchentags legte die Stasi für Joachim Gauck eine Akte an: "Larve".
In dieser Zeit...

Foto: Siegfried Wittenburg
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...forderte die oppositionelle Friedensbewegung mit dem Bibelzitat "Schwerter zu Pflugscharen" die Regierung der DDR heraus. Dieses Symbol, obwohl nicht erwünscht, trugen viele Jugendliche während der Veranstaltung.

Foto: Siegfried Wittenburg
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Rostock-Evershagen: In diesem zwischen 1969 und 1978 erbauten Stadtteil im Nordwesten Rostocks zwischen Zentrum und Warnemünde wohnten 22.000 Menschen - und ein Mann arbeitete unermüdlich als Pastor: Joachim Gauck.
Die Plattenbauten, in denen Gauck für seine Kirche warb,...

Foto: Siegfried Wittenburg
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...wurden ohne Fahrstuhl gebaut. Hinter jeder Haustür wohnten 22 Familien, aufgeteilt in zwei Treppenaufgängen. Die damals aus Gründen der Wohnungsnot beliebten Neubauwohnungen hatten Fernheizung, Bad und Balkon. Es gab einen gemeinschaftlichen Trockenraum, Parkplatz und Rasenfläche.

Zwei Mädchen aus Rostock-Evershagen, 1986

Foto: Siegfried Wittenburg
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Schulkinder auf dem Heimweg: Während die neuen Stadtteile auf den grünen Wiesen in industrieller Plattenbauweise wuchsen, erlosch langsam das Leben in den historisch gewachsenen Stadtteilen wie hier in der östlichen Altstadt.

In der Nähe des Platzes bei der Nikolaikirche wohnte 1989, als dieses Foto gemacht wurde, Joachim Gauck. Viele der alten Häuser in der 1218 gegründeten Hansestadt waren zunehmend unbewohnt, dem Vandalismus preisgegeben und verfielen innerhalb weniger Monate.

Foto: Siegfried Wittenburg
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Gaucks Zuhörer: Als sich ab Spätsommer 1989 in der DDR die Ereignisse überschlugen, traten die Studenten in der Petrikirche mit einer Fürbittandacht und ihrer Ausstellung über Atomenergie an die Öffentlichkeit. Es kamen zehnmal mehr Menschen als erwartet. Später wurde die Andacht zusätzlich in der größeren Marienkirche gehalten und Gauck von Gemeindemitgliedern aufgefordert: "Jochen, du musst jetzt sprechen." Es kam zur ersten großen Demonstration in Rostock.

Diese Aufnahme stammt von der Andacht, die eine Woche darauf stattfand.

Foto: Siegfried Wittenburg
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Revolution in der Kirche: Mitglieder aus der Petri-Nikolai-Gemeinde lesen im Oktober 1989 die Namen der in Leipzig Inhaftierten vor, um ihre Freilassung zu erwirken. Die Kirche war bis zum Bersten gefüllt, auch wegen des Redners Joachim Gauck. Tausende Menschen warteten draußen.

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Ergriffen: Zuhörer während der Ansprache von Joachim Gauck in der Marienkirche, als nach einer Weihnachtspause im Januar 1990 die Andachten und Demonstrationen fortgesetzt wurden.

Foto: Siegfried Wittenburg
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Friedlicher Protest: Während 1989 hinter den verschlossenen Türen die bewaffneten hauptamtlichen Stasi-Mitarbeiter das Geschehen abwarteten, erschallten vor dem Gebäude Sprechchöre. Es wurden Kerzen aufgestellt, und die aufgestaute Wut der Menschen entlud sich auf wunderbare friedliche Weise.
Zur Zeit der...

Foto: Siegfried Wittenburg
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...politischen Umbrüche wurden die gewaltfreien Demos auf den Straßen fortgesetzt.

Foto: Siegfried Wittenburg
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Neues Forum: Als erste Plattform zur freien Meinungsäußerung auf dem Weg zur Demokratie wurde das Neue Forum 1989 in Rostock auf Initiative von Dietlind Glüer in der Michaeliskirche gegründet. Joachim Gauck warb zusammen mit seiner Frau Hansi in den Stadtteilen für die Bewegung.

Foto: Siegfried Wittenburg
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Leerer Wachposten: Dieses Foto von März 1990 zeigt den Besuchereingang der Stasi-Zentrale aus der Sicht des Diensthabenden.

Foto: Siegfried Wittenburg
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Vor der Stasi-Zentrale: Parallel zur großen Demonstration in Berlin fand eine Demonstration des Neuen Forums am 4. November 1989 in Rostock statt. Neben dem Rathaus und den Bezirksverwaltungen war die Stasi-Zentrale das beliebteste Ziel der Menschen, ihren Mut zu zeigen. Die junge Frau rechts im Bild hatte an diesem Tag Geburtstag.

Foto: Siegfried Wittenburg
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Ausgeräumt: Am 4. Dezember 1989 besetzten Bürger die Zentrale der Staatssicherheit in Rostock und zogen brennende Akten aus dem Ofen, um das brisante Material zu sichern.

Diese Aufnahme vom März 1990 zeigt leere Aktendeckel, deren Inhalte von der Stasi verbrannt worden waren.

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Vorläufer der "Gauck-Behörde": Nach der Besetzung des Stasi-Gebäudes wurde ein unabhängiger Untersuchungsausschuss eingesetzt. Der begann umgehend, die Arbeit des DDR-Geheimdienstes zu rekonstruieren.

Foto: Siegfried Wittenburg
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SED und Stasi: Der Eingang der Marienkirche in Rostock wurde bei dieser Kundgebung 1990 von Fernsehteams aus dem Westen hell ausgeleuchtet.
Das Plakat im Vordergrund erinnert daran, dass die Staatssicherheit Dienstleister der SED war. Ein zweites Mal...

Foto: Siegfried Wittenburg
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...drückte Siegfried Wittenburg auf den Auslöser, es entstand ein nahezu identisches Bild. Mit einem Unterschied: Der Slogan auf dem Plakat hatte sich geändert.

Foto: Siegfried Wittenburg
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