Deutsch-deutsche Weihnachtsgeschichte - DER SPIEGEL
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Deutsch-deutsche Weihnachtsgeschichte Gotteshaus im Niemandsland

Heiligabend 1961 fand in der Heilandskirche Potsdam-Sacrow ein denkwürdiger Gottesdienst statt. Die Predigt von Pfarrer Strauss sollte die letzte für drei Jahrzehnte bleiben. Die DDR ließ die Kirche verfallen, doch Strauss kämpfte bis zum Happy End - gegen Stasispitzel und die eigenen Nachbarn.
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Heilandskirche Sacrow: Die Sacrower Heilandskirche am Jungfernsee bei Potsdam, hier festlich beleuchtet, aufgenommen am 22. Mai 2001, lag vor der Wiedervereinigung mitten im Sperrgebiet der DDR. Die Grenze zur Bundesrepublik verlief direkt über das Kirchengelände, der Glockenturm stand nur wenige Meter von der Mauer entfernt.

Foto: dapd
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Langersehnter Augenblick: Am Heiligabend 1989 fand in der maroden Heilandskirche Sacrow zum ersten Mal nach dem Mauerbau wieder ein Gottesdienst statt. Der damalige Pfarrer Schalinski schreitet den Gang entlang, um den Gottesdienst zu eröffnen. Die Predigt wird der bereits pensionierte Pfarrer Strauss halten, für den an diesem Abend mit der Wiedereröffnung der Kirche ein Traum wahr wurde.

Foto: Birgit Ragotzky
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Ausblick: Vom Turm der Heilandskirche ist die innerdeutsche Grenze mit Mauer, Todesstreifen und Zaun zu sehen. Die Kirche stand direkt auf der Grenze. Nur wenige Schritte von dem über 20 Meter hohen, frei stehenden Glockenturm entfernt, begann die Mauer.

Foto: Archiv Pfingstkirchengemeinde
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Zerfall: Nach dem Mauerbau 1961 wurde die Heilandskirche zunächst von Unbekannten - vermutlich Grenzsoldaten - verwüstet und zerfiel danach zusehends. Pfarrer Strauss erwirkte in den achtziger Jahren bei den Behörden immerhin eine Sanierung des Daches. Die Aufnahme zeigt den Innenraum der Kirche, die Nordwand mit Blick zur Orgelempore, im Zustand von 1981.

Foto: Archiv Pfingstkirchengemeinde
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Alles leuchtet: Der Altar der Heilandskirche, aufgenommen am 27. März 2006. Pfarrer Joachim Strauss war der letzte Geistliche, der nach dem Mauerbau an Weihnachten 1961 hier eine Predigt hielt, und derjenige, der nach der Grenzöffnung am Heiligabend 1989 in dem Gotteshaus im Niemandsland wieder zu den Menschen sprach.

Foto: dapd
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Pfarrer Strauss: Der kurz nach der Wiedervereinigung 1990 aufgenommene Innenraum der Heilandskirche, in der Mitte Pfarrer Strauss. Der gebürtige Berliner war als Pfarrer ab 1947 für die Heilandskirche zuständig gewesen. Strauss pendelte regelmäßig zwischen Sacrow, Nikolskoe und Klein-Glienicke - am liebsten war ihm laut seiner Witwe Brigitte Strauss die St.-Peter-und-Paul-Kirche in Nikolskoe. Diese hatte er schon Mitte der Dreißiger besucht und dort zu den Ausflüglern gepredigt.

Foto: Jürgen Strauss
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Brigitte Strauss: Die Ehefrau des ehemaligen Pfarrers der Heilandskirche, Brigitte Strauss, ist heute 85 und lebt in Babelsberg - in dem Haus, in das die Familie nach der Pensionierung des Vaters 1977 zog. Frau Strauss, die im Schloss Sacrow geboren wurde, lernte ihren Mann 1947 kennen. Und dieser machte ihr schon beim dritten Treffen einen Heiratsantrag. Die Zeit nach dem Mauerbau hat sie noch in lebhafter Erinnerung - vor allem die Denunziationen. "Es reichte schon, nur etwas über den Zaun zu der falschen Person zu rufen, und schon konnte man ausquartiert werden", erzählt Brigitte Strauss.

Foto: Jürgen Strauss
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Gottesdienst: Pfarrer Joachim Strauss 1990 in der noch sehr ramponierten Heilandskirche in Sacrow bei einer der ersten dort abgehaltenen Predigten nach der Wiedervereinigung. Die Kirche wurde seit Anfang der Neunziger aufwendig saniert, 2009 wurde die neue Orgel eingespielt. Strauss erlebte das nicht mehr, er starb 1999.

Foto: Jürgen Strauss
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Denkwürdig: Am 12. August 2011 nahmen der frühere Bundesaußenmnister Hans-Dietrich Genscher und der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck in der Heilandskirche an einer Gedenkfeierlichkeit anlässlich des 50. Jahrestages des Mauerbaus teil. Die Kirche war dafür ein passender Ort - sie war Teil der Grenzanlagen und stand zu DDR-Zeiten mitten im Sperrgebiet.

Foto: dpa
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