Deutschkurs in der Moschee Die verflixten Fälle
Das Projekt ABCami will Deutschkurse dorthin bringen, wo sie Menschen erreichen, die sonst kaum Deutsch lernen würden: an die Moscheen. Bundesweit machen 30 Moscheen mit, unter anderem die Mescid-i-Aksa-Moschee in Hamburg-Hamm.
Hier lernen türkische Hausfrauen zweimal in der Woche Deutsch, gratis und ohne Anwesenheitspflicht.
"Sie sind sehr fleißig", sagt Kursleiter Erdogan Arabaci, "und sie kommen gerne". Er unterrichtet die Frauen zweisprachig und passt sich ihrem Tempo an.
Satiye Dirgenci lebt seit 1975 in Deutschland. Sie hatte oft zwei Jobs gleichzeitig, arbeitete unter anderem als Büglerin in einer chemischen Reinigung. "Ich hatte wenig Zeit, um Deutsch zu lernen", sagt sie. Jetzt ist sie Rentnerin und kommt gern zum ABCami-Kurs.
Hülya Karakaya kam vor 13 Jahren aus Ankara nach Deutschland. Sie zog drei Kinder groß und machte vor fünf Jahren einen einzigen Deutschkurs für Mütter an der Grundschule ihrer Tochter. "Der ABCami-Kurs ist schön, weil wir langsam lernen können", sagt sie.
Huriye Küllüoglu wohnt seit 20 Jahren in Deutschland, dies ist ihr erster Deutschkurs. Früher seien Deutschkurse noch teuer gewesen und das Angebot war nicht so groß, sagt sie. "Wir hatten nicht viel Geld übrig für Sprachkurse."
In Arabacis Kurs sitzen etwa ein Dutzend Frauen zwischen 28 und 60 Jahren. Manche waren als Kinder nur ein paar Jahre in der Schule. Viele kamen in früheren Deutschkursen nicht mit.
Nun lernen sie in einem Unterrichtsraum in der Moschee, in dem am Wochenende Korankurse stattfinden. Es sieht aus wie in der Schule, mit Tischen, Stühlen und Kreidetafel.
Arabaci unterrichtet die Frauen seit November. "Es ist nicht schlimm, wenn ihr etwas falsch macht", sagt er zu ihnen.
An der Eyüp-Sultan-Moschee in Hannover geben ein Gymnasiallehrer und vier Studenten zweimal die Woche rund 40 Schülern Nachhilfestunden. Der Unterricht ist kostenlos und offen für alle, es kommen auch Kinder ohne Migrationshintergrund.
"Wir machen alle Fächer, auch Latein und Französisch", sagt Lehramtsstudentin Cagla Yilanli, 25, die die Nachhilfe organisiert. "Das hat inhaltlich null mit Religion zu tun."