Deutsche Aufrüstung Als die Atombomben-Träume platzten
F-104: "Starfighter" des Jagdgeschwaders 74 im Juni 1965 im Formationsflug. Die Maschinen der deutschen Jagdbombergeschwader sollten zu Zeiten des Kalten Krieges im Verteidigungsfall einen massiven nuklearen Vergeltungsschlag gegen die Staaten des Warschauer Paktes führen.
Signatur im Bundesarchiv: B 145 Bild-F027410-0011
Operation "Castle": Am 1. März 1954 zündeten die Amerikaner auf dem Bikini-Atoll mit der "Castle Bravo"-Testwaffe ihre erste einsatzfähige Wasserstoffbombe. Die einsetzende Kernfusion erzeugte bei "Castle Bravo" einen riesigen Feuerball, in dessen Zentrum Temperaturen von hundert Millionen Grad Celsius herrschten. Im Rahmen der Operation "Castle" wurden im Frühjahr 1954 insgesamt sechs Wasserstoffbombentests durchgeführt, bei denen auch Zivilisten zu Schaden kamen. Die USA wollten um jeden Preis auf einen möglichen atomaren Angriff vorbereitet sein.
MK-28: Die Aufnahme zeigt vier US-amerikanische mit thermonuklearen MK-28-Sprengköpfen ausgestattete Raketen auf einer Verladungseinheit. Mit Waffen dieses Typs konnte beispielsweise der Starfighter F-104 bestückt werden. Ab Ende der fünfziger Jahre wurden damit in Deutschland fünf Jagdbombergeschwader neu aufgestellt.
F-104: Sorgfältig aufgereihte F-104 Starfighter stehen im Mai 1987 auf dem Fliegerhorst Manching. Das Kampfflugzeug wurde in den fünfziger Jahren von der US-amerikanischen Firma Lockhead entwickelt und von 1956 bis 1979 gebaut, unter anderem auch von europäischen Herstellern. Charakteristisch für die einstrahlige Maschine sind ihre "Stummelflügel".
MK-61: Auf dem Fliegerhorst in Büchel lagern noch immer amerikanische Atomwaffen des Typs MK-61, mit denen im Verteidigungsfall die Tornados des dort ansässigen Jagdbombergeschwaders bestückt werden könnten. Außenminister Guido Westerwelle forderte im Oktober 2009 den Abzug dieser Waffen, eine endgültige Entscheidung wurde aber bislang nicht getroffen. Diese Aufnahme einer MK-61 entstand auf einem US-amerikanischen Militärstützpunkt in New Jersey.
Franz Josef Strauß: Der CSU-Atomminister, hier vor dem Modell eines Atommeilers, war einer der vehementesten Befürworter der atomaren Bewaffnung der Bundeswehr und vertrat somit auch die Überzeugung Adenauers. Dagegen formierte sich Ende der fünfziger Jahre schnell massiver Protest, auch aus den eigenen Reihen. Beispielsweise nannte Walter Hagemann, CSU-Mitbegründer, bevor er in Münster in die CDU eintrat, die Atomrüstung einen "Wahnsinn".
Deutschland als Atommacht: Die gemeinsamen Atomträume von Bundeskanzler Konrad Adenauer und Verteidigungsminister Franz Josef Strauß in Kooperation mit Frankreich wurden 1958 mit der Übernahme der französischen Regierungsgeschäfte durch Charles de Gaulle durchkreuzt. De Gaulle wollte in der Atompolitik Frankreichs keinen Bündnispartner. Das Bild zeigt Adenauer und Strauß im November 1962.
Kai-Uwe von Hassel: Der Bundesverteidigungsminister von 1963 bis 1966 setzte den Kurs von Strauß unbeirrt fort. Amerikanischen Forderungen, die Kampfbomber der Luftwaffe mit konventionellen Waffen zu bestücken, trat er entgegen. Von Hassel musste einen hohen persönlichen Preis für das Wiedererstarken der deutschen Luftwaffe bezahlen. 1970 starb sein Sohn bei einem Starfighter-Absturz.
SPIEGEL-Titelgeschichte von 1957: Franz Josef Strauß im SPIEGEL-Gespräch "Eine kriegsverhindernde Philosophie" .
Franz Josef Strauß: Der CSU-Politiker war unter anderem von 1955 bis 1956 Bundesminister für Atomfragen und von 1956 bis 1962 Verteidigungsminister. Wer den Frieden wolle, der müsse den Wettlauf mit der sowjetrussischen Atomrüstung veranstalten, waren sich Bundeskanzler Konrad Adenauer und Franz Josef Strauß einig. Strauß argumentierte: "Wir haben keine Angst vor nuklearen Waffen in den Händen der Amerikaner. Wir haben keine Angst vor nuklearen Waffen in den Händen der Briten, und wir hätten keine Angst vor nuklearen Waffen in den Händen der echten Demokraten. Wir könnten für alle Ewigkeit darauf verzichten. Wir haben Angst vor den nuklearen Angriffswaffen der Sowjetunion in der Verbindung mit ihrer politischen aggressiven Ideologie."
"Göttinger 18": Als Mitarbeiter von Otto Hahn war der Philosoph und Physiker Carl Friedrich von Weizsäcker in den dreißiger Jahren an den Forschungen zur Kernspaltung beteiligt, an deren Ende die Atombombe stand. In der Folgezeit setzte sich von Weizsäcker mit der Verantwortung des Wissenschaftlers für die Folgen seiner Arbeit auseinander. Er war Initiator der "Göttinger Erklärung". Am 12. April 1957 hatten 18 führende deutsche Naturwissenschaftler, darunter vier Nobelpreisträger, von Zweifeln und Gewissensnöten gedrängt, in der sogenannten "Göttinger Erklärung" vor den Gefahren des atomaren Wettrüstens gewarnt. Adenauer hatte sich zuvor für eine Aufrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen eingesetzt. Carl Friedrich von Weizsäcker, rechts, Otto Hahn, links, und Walther Gerlach treffen am 17. April 1957 im Bonner Palais Schaumburg ein, um mit Bundeskanzler Adenauer die von ihm scharf kritisierte "Göttinger Erklärung" zu diskutieren.
"Weg mit den Atomkanonen!": Demonstranten gehen 1958 gegen die atomare Aufrüstung der Bundesrepublik auf die Straße. Sie fordern am 17. April 1958 auf dem Hamburger Rathausmarkt auf ihren Transparenten den "Generalstreik gegen den Atomtod".
Übung: Verteidigungsminister Franz Josef Strauß liebäugelte Ende der fünfziger Jahre zur Aufrüstung der Bundeswehr mit der Anschaffung des französischen Kampfflugzeugmodells Mirage III. Das Rennen machte dann aber doch der Starfighter F-104. Zwei "Mirage III"-Flugzeuge der Royal Australian Air Force während eines Manövers am 24. September 1984.
Euratom: Die Europäische Atomgemeinschaft wurde am 25. März 1957 durch die Unterzeichnung der sogenannten Römischen Verträge gegründet. Von links die Vertreter der Mitgliedstaaten Paul-Henri Spaak und Jean-Charles Snoy (Belgien), Christian Pineau und Maurice Faure (Frankreich), Konrad Adenauer und Walter Hallstein (BRD), Antonio Segni und Gaetano Martino (Italien), Joseph Bech (Luxemburg), Joseph Luns und Johannes L. Homan (Niederlande). Aufgabe der Euratom ist neben der Bildung und Entwicklung der Kernindustrie auch die Friedenssicherung.