Deutsche Heiligtümer - DER SPIEGEL
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Deutsche Heiligtümer Schüttel die heile Welt

Geht es noch spießiger? Die Schneekugel war lange eines der beliebtesten Mitbringsel der Republik: Der Handschmeichler mit Innenleben weckte deutsche Sehnsüchte. Inzwischen aber siechen unter der Kuppel bandagierte Kranke, Animier-Bärinnen springen aus Torten - haben Sie das schon gesehen?
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Schnee, Rot, Gold: Zauberkugeln begeistern Kinder, Romantiker und Träumer in der ganzen Welt - hier ist der Weihnachtsmann unter die Haube gebracht worden.

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Kitschliebhaber Kardinal: Seine erste Schneekugel zeigte einen Bergsee samt Bauernhof. Widerstrebend stellte Josef Kardinal das Souvenir, das ihm Freunde aus Oberstdorf mitgebracht hatten, auf sein Klavier. Das war 1985. Doch es blieb nicht bei der einen: "Alle Gäste dachten, ich sammle diesen Kitsch." Also fing der Finanzbeamte wirklich damit an. Heute hat er laut Guinness-Buch der Rekorde mit 7493 Schneekugeln die weltweit größte Schneekugelsammlung. Sein Hobby brachte ihm den Spitznamen "Herr Holle" ein.

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Subtile Wahlwerbung: CSU tief verschneit. Wer den Glitter wegschüttelt, kann den Wahlslogan entziffern. Im Wahlkampf 2005 verteilte die CDU-Schwesterpartei Traumkugeln.

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Miniaturausgabe: Die - zumindest bis dahin - kleinste Schneekugel der Welt produzierte 1997 die Firma Walter & Prediger im schwäbischen Kaufbeuren. Eine Schweizer Fremdenverkehrsregion hatte die Schüttelkugel mit dem Steinbock als Werbegeschenk in Auftrag gegeben. Mit rund 1,5 Zentimeter Höhe ist das Give-Away gerade mal so groß wie ein Einpfennigstück. Für das handbemalte Souvenir war eine Entwicklungszeit von sechs Monaten notwendig.

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Shake it, Elvis: Für Fans des "King of Rock'n'Roll" ist die Schüttel-Elvis-Kugel wohl ein Muss.

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Tod in der Traumkugel: Für den Film "Fargo" von den Coen-Brüdern warben die Produzenten mit einer Schneekugel. Die Ganovengeschichte mit zahlreichen blutigen Zwischenfällen spielt im verschneiten Mittleren Westen der USA. Passend lautete der deutsche Titel des Streifens "Blutiger Schnee".

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Froschkönig: Märchen inspirierten die Hersteller von Traumkugeln seit eh und je. Längst rieselt es nicht mehr nur im biederen Schneeweiß, sondern auch elegant-glitzernd Gold.

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Bärenballerina: Manchmal sind die Motive eher kitschig als kunstvoll. Der tanzende Bär im rosafarbenen Kostüm dürfte Mädchen dennoch gefallen.

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Auf Schnee gebettet: Der Designer dieser Schneekugel dachte offenbar, dass sich das Plastikrund mit dem verbundenen Bären als Mitbringsel für Kranke eignen könnte: Bei manchen Schmerzen hilft Kühlen - vielleicht aber auch kräftiges Schütteln.

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Traum in Schneeweiß: Die Botschaften, die unter der Plastikhaube vermittelt werden können, sind vielfältig. Schenkende nutzen gern freudige Anlässe wie etwa Hochzeiten - natürlich mit passendem Motiv. Diese Torte macht zumindest nicht dick.

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Bärenkitschig: Schneekugelhersteller Koziol legte gleich eine ganze Bärenserie auf. Da springen schon mal pelzige Knuddeltiere aus der Torte.

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Lässiger Bär: Auch das sonnigste Ambiente bringt den Schnee in der Kugel nicht zum Schmelzen.

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Traumschloss in Traumkugel: In den fünfziger und sechziger Jahren waren vor allem Touristenattraktionen beliebte Motive in Schneekugeln. Das ohnehin schon kitschige Märchenschloss Neuschwanstein eignet sich da besonders gut.

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Zauberhaftes Schiffsunglück: Eisberg, sternenklare Nacht und eine untergehende "Titanic" - das hübsche Motiv in der Traumkugel lässt fast vergessen, dass bei der Schiffskatastrophe Hunderte Menschen starben.

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Kochkunst: Was kredenzt der Koch denn da? Ist es Spargel? Schneekugeln sollen zum Träumen anregen - Hungrigen läuft beim Anblick dieses Exemplars vermutlich das Wasser im Mund zusammen.

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Geldregen: Eigentlich gibt es kein Motiv, das nicht schon in Traumkugeln verewigt wurde - so auch die Wall Street samt Geschäftsmann. Das Besondere: Statt Schnee rieselt es Dollar-Scheine.

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Traumpaar in Traumkugel: Die Vorfreude auf die Vermählung der schwedischen Kronprinzessin Victoria im Juni 2010 animierte Schneekugelhersteller, schon frühzeitig mit der Produktion von Souvenirs der Adligen-Hochzeit zu beginnen.

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