Deutsche in New York "Glaub an dein Ziel"
Conrad Ostwald, 28: Während eines Praktikums bekam er ein Jobangebot in New York, beendete flugs sein Studium in Weimar und genießt seitdem das lockere Arbeitsklima in einem Animations- und Designstudio. Animation für Werbung und Fernsehen ist sein Job. mehr...
Kaffeepause macht Conrad Ostwald gern in Soho, um die Ecke von seinem Büro. Sonst düst er bevorzugt mit dem Fahrrad durch die Straßen.
Iris Ording, 38: Sie arbeitet seit 2003 in New York und kann dort als Musikerin überleben. "Man muss sich mit weniger Formalitäten als in Deutschland herumärgern, die meisten Dinge werden mündlich abgesprochen", sagt sie, "die Arbeit mit den Musikern hier ist großartig. Sie sind aufgeschlossen und viel entspannter als in Deutschland." mehr...
Iris Ornig genießt es, in New York Musik zu machen und von vielen kreativen Menschen umgeben zu sein. Sie kann sich gut vorstellen, auf Dauer in der Stadt zu leben.
Stefan Georgi und Sonja Mönkedieck, beide 35: Das Hamburger Paar hatte keinerlei Hochzeitspläne, dann aber gewann Stefan Georgi eine Greencard in der Lotterie. Es blieben nur wenige Tage Zeit zum Nachdenken. Sie entschieden sich fürs Heiraten, für New York und leben mittlerweile gemeinsam im East Village. mehr...
Art Director Stefan Georgi: 150 Bewerbungen, 20 Vorstellungsgespräche, zwei Jobs - so lautete seine Bilanz. Georgis Interview-Erfahrung: "Sei aalglatt, lass jegliche Kritik weg und performe!"
Sozialwissenschaftlerin Sonja Mönkedieck: Eigentlich strebt sie eine akademische Karriere an und hatte nie die Absicht, Sozialarbeiterin zu werden. Nun ist sie doch eine - so ergab es sich in New York. Mönkedieck sagt: "Nach außen strahlt New York Glamour aus, aber im Alltag muss man wirklich viel arbeiten, um sein Leben zu finanzieren."
Ole Ohlbrock, 24: In New York zu arbeiten, war für den Tübinger Studenten schon immer ein Traum. Bei der Bewerbung ging alles glatt, mit dem Visum ebenfalls.
Als Praktikant in einem New Yorker Ingenieurbüro berechnet er die Ideen der Architekten und erstellt Modelle zu den Plänen. Ohlbrock kann sich gut vorstellen, "für eine gewisse Zeit in den Staaten zu arbeiten".
Adelheid Helbich, 57: Sie betreibt ihre eigene Firma German Health Plans Worldwide Inc. in Hamburg und Cape May New Jersey, wo sie seit 2000 lebt. Helbich sagt: "Ich habe den Job und das Leben gewählt, das mich glücklich macht. Hier in den USA kann man sich auch trauen, etwas völlig anderes zu machen, weil das sehr unterstützt wird. Das einzig Schwierige ist die Unsicherheit des Visums."
Barbara-Susann Verona, 34: Sie kommt aus Rottweil und war nach der Schule für ein Jahr als Au-pair in Detroit. Ihre Erfahrung: "Wichtig ist eine gute Organisation, die einem das Visum besorgt und notfalls hilft, die Familie zu wechseln."
Christoph Tietze, 55: Er kommt aus Köln, ist seit 1976 US-Staatsbürger und arbeitet inzwischen als Domkapellmeister in San Francisco. Sein Tipp: "Bevor man in die USA auswandert, sollte man sich erst mal erkundigen, denn es läuft einiges anders hier - weniger freie Tage, andere Gesetze und Vorstellungen. Doch ich möchte hier bleiben, auch wenn ich manchmal die Jahreszeiten vermisse."
Daria Hufnagel, 23: Die Bonnerin machte dieses Frühjahr ein sechswöchiges Praktikum beim Auswärtigen Amt in New York. Sie erzählt: "Ich habe mich zentral online beworben und bekam spontan eine Zusage. Das Auswärtige Amt ist eine gute Möglichkeit für Deutsche, um Auslandserfahrungen zu sammeln, und in den USA bekommt man als Praktikant sogar ein Diplomatenvisum. Dafür aber kein Geld, weshalb es trotz meines Stipendiums finanziell sehr kritisch war."
Magdalena Betz, 24, aus München: Sie absolviert ein sechsmonatiges Praktikum bei BMW in New Jersey. Ihre Erfahrung: "Weil bei der Bewerbung der persönliche Kontakt fehlt, ist es schwieriger zu überzeugen. Doch es hat geklappt. Dass ich schon in Deutschland ein Praktikum bei BMW gemacht habe, war sicher hilfreich. Die Arbeitsbedingungen, Kollegen und Vergütung sind ausgezeichnet."
Niels Petersen, 40, hat vor kurzem eine Greencard gewonnen und will nächstes Jahr nach Los Angeles ziehen. Seine Pläne: "Das Schöne an der Greencard ist, dass ich damit alle Jobs annehmen kann. Und ich möchte gern für den amerikanischen Rettungsdienst arbeiten, den ich bereits durch Praktika kenne. Ich weiß aber noch nicht, wie lange ich in den USA bleiben werde."
Nima Etminan, 23: Der Hamburger ist seit diesem Jahr Marketing Manager bei Empire Distribution in San Francisco. Er sagt: "Die meisten Sachen bekommt man über Vitamin B, ich habe mich noch nie richtig irgendwo beworben. Wenn du weißt, wohin du willst, hast du gute Chancen in den USA und auch mehr Freiheit und Flexibilität. Du kannst schnell aufsteigen, aber genauso schnell auch wieder fallen."
Roman Riedel, 23: Der Stuttgarter ist derzeit für ein sechsmonatiges Praktikum bei Siemens in New York. Und erzählt: "Man darf sich nicht abschrecken lassen. Natürlichkeit ist wichtig. Außerdem sind US-Bewerbungen nicht so viel anders, man schickt nur kein Foto mit, dafür sind Referenzschreiben gern gesehen. Die nächste Hürde ist das Visum. Dann kommt die Wohnungssuche, und New York ist teuer. Aber zum Glück bekomme ich hier mehr Geld als in Deutschland - und noch viel wichtiger: verantwortungsvollere Aufgaben."