Unwörter seit 1971 Aufmüpfige Wutbürger und Besserwessis
1971: Aufmüpfig
Durch "die Sprache der Linken" schrieb der Mainzer Professor Broder Carstensen in einem Fachaufsatz, habe sich das Wort "aufmüpfig" einer "großen Popularität" erfreut. Broder Carstensen hatte als Erster versucht, besonders populäre, aktuelle und originelle Begriffe zu "Wörtern des Jahres" zu wählen. Doch seine Idee geriet zunächst in Vergessenheit. Erst 1977 erinnerte sich die Gesellschaft für deutsche Sprache daran und kürt seitdem regelmäßig Ende des Jahres die deutschen Siegerwörter.
Demonstration in Frankfurt für die Freilassung des in den USA inhaftierten Bürgerrechtlers Bobby Seale von der Black Panther Party.
1977: Szene
Nach der Piefigkeit der Adenauer-Ära gewannen musikalische Subkulturen und politische Protestbewegungen Ende der sechziger und in den siebziger Jahren an Bedeutung - so wurde "Szene" zum Modebegriff.
1978: Konspirative Wohnung
Gegen die Geheimniskrämerei und den Terror der RAF konnten sich auch "die Schlümpfe" nicht durchsetzen - sie landeten im Ranking nur auf Platz fünf. Dabei hatte das "Lied der Schlümpfe" des niederländischen Sängers Vader Abraham 1977/78 monatelang die deutschen Charts beherrscht.
Wohnung in Mannheim, in der die RAF-Terroristen Christian Klar, Adelheid Schulz und Werner Lutze 1979 zeitweise Unterschlupf gefunden hatten.
1979: Holocaust
Erstmals inspirierte ein Fernsehereignis das "Wort des Jahres". 1979 wurde der Vierteiler "Holocaust - Die Geschichte der Familie Weiss" in Deutschland ausgestrahlt. Der Film des US-amerikanischen Regisseurs Marvin Chomsky erzählt die fiktive Geschichte der jüdischen Arztfamilie Weiss, die im Berlin der NS-Zeit lebt. Die Serie wurde in Deutschland mit bis zu 15 Millionen Zuschauern ein Riesenerfolg, löste aber auch eine Debatte darüber aus, ob eine fiktionale Darstellung den Massenmord an den Juden letztendlich nicht trivialisiere.
1980: Rasterfahndung
Als bekannt wurde, dass das Bundeskriminalamt systematisch personenbezogene Daten von öffentlichen Institutionen ausgewertet hatte, regte sich in der Bundesrepublik 1980 erstmals ein Bewusstsein für den Wert des Datenschutzes.
1981: Nulllösung
Friedensaktivisten prägten 1981 den Begriff "Nulllösung" - es war die Forderung, dass auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs keine neuen Waffensysteme aufgestellt werden dürften.
Kundgebung der Friedensbewegung für Frieden und Abrüstung in Bonn, 1981.
1982: Ellenbogengesellschaft
Anfang der achtziger Jahre wurden die wirtschaftlichen Zeiten rauer - und die Deutschen versuchten offenbar verstärkt, sich auf Kosten ihrer Mitbürger durchzuboxen.
Der baden-württembergische FDP-Landesvorsitzende Walter Döring, rechts, und der FDP-Parteivorsitzende Guido Westerwelle beim Dreikönigstreffen 2004
1983: Heißer Herbst
Die heftigen Proteste der Friedensbewegung gegen die Nachrüstung in Westeuropa (aufgrund des Nato-Doppelbeschlusses) bescherten Deutschland 1983 einige "heiße" Wochen.
Demonstration im Oktober 1983 in Frankfurt.
1984: Umweltauto
Mit dem politischen Erfolg der Grünen sollte sich auch das Lieblingsspielzeug der Deutschen verändern.
1985: Glykol
Heute ein fast vergessenes Wort - doch 1985 war "Glykol" in aller Munde. Leider im wahrsten Wortsinne, denn damals gelangte massenhaft mit dem süß schmeckenden, giftigen Diethylenglykol gepanschter Wein aus Österreich in die Supermärkte. Millionen Flaschen mussten wegen des Skandals wieder aus den Märkten genommen werden.
Entsorgung von gepanschtem Wein in Krefeld.
1986: Tschernobyl
Kein schönes Wort, aber der GAU in der Ukraine schockierte 1986 die ganze Welt - und machte Tschernobyl zum Sinnbild für die Gefahren der Kerntechnik.
Der zerstörte Reaktor - aufgenommen am Tag der Explosion, dem 26. April 1986.
1987: Aids / Kondom
Schon 1981 wurde Aids als Krankheit erkannt, doch das Bewusstsein für die Gefahr wuchs nur langsam - 1987 waren Aids und Verhütung ein Dauerthema in den deutschen Medien. Zum einzigen Mal in der Geschichte der "Wörter des Jahres" wurden zwei Begriffe gewählt.
1988: Gesundheitsreform
Zeitloser war wohl nie ein "Wort des Jahres" - das deutsche Gesundheitssystem reformiert sich gefühlt schon seit Jahrzehnten ohne große Erfolge.
1989: Reisefreiheit
Die friedliche Revolution prägte auch die Sprache im Jahr 1989. Neben "Reisefreiheit" gehörten auch noch "Montagsdemonstrationen", "Begrüßungsgeld", "Mauerspecht" und "Trabi" zu den Wörtern des Jahres.
Trabi-Stau bei Herleshausen am 11. November 1989, zwei Tage nach dem Mauerfall
1990: Die neuen Bundesländer
Auch das Jahr der Deutschen Einheit stand sprachlich ganz im Zeichen der umwälzenden Ereignisse. Auf Platz zwei des Rankings schaffte es "Vereintes Deutschland", auf Platz drei "Zwei-plus-Vier-Gespräche".
1991: Besserwessi
Nachdem sich der deutsch-deutsche Freudentaumel gelegt hatte, fanden sich auch weniger euphorische Begriffe in der Wörter-Hitliste wieder.
Zum ersten Mal wurde 1991 von der "Gesellschaft für deutsche Sprache" gleichzeitig das "Unwort des Jahres" gewählt. Es lautete...
...1991: Ausländerfrei
Ein Mob Neonazis bewarf 1991 im sächsischen Hoyerswerda Heime von Asylbewerbern mit Steinen und Molotow-Cocktails. Sie wollten die Gegend "ausländerfrei" machen, sagten die Täter - und prägten damit ein menschenverachtendes Wort, das bewusst an den NS-Terminus "judenfrei" angelehnt war.
1992: Politikverdrossenheit
Sinkende Wahlbeteiligungen, verwaiste Wahlkabinen - in den neunziger Jahren ließ in Deutschland die Begeisterung für die aktive Beteiligung an der Politik merklich nach.
Das Unwort des Jahres lautete...
...1992: Ethnische Säuberung
Absurderweise tauchte der Begriff "ethnische Säuberung" 1992 auch auf Platz neun des Ranking zum "Wort des Jahres" auf. Die Wahl zum "Unwort des Jahres" war sicherlich sinnvoller - ist die Formulierung doch ein zynischer Euphemismus für Vertreibung und Völkermord.
Flüchtlingskonvoi aus der belagerten Stadt Srebrenica nach Tuzla.
1993: Sozialabbau
Als in Deutschland die Wirtschaftskraft nachließ und die schwarz-gelbe Regierung begann, den langgehegten Wohlfahrtstaat nach und nach zusammenzukürzen, hatten die Gegner dieser Politik ein neues Schlagwort.
Eine vom DGB organisierte Demonstration in Dresden
Das Unwort des Jahres lautete...
...1993: Überfremdung
Auf Platz zwei des Negativ-Rankings landete damals Helmut Kohls Formulierung, Deutschland dürfe nicht zum "kollektiven Freizeitpark" verkommen. Die Politik fand diese Nominierung unangebracht, das Bundeskanzleramt beschwerte sich bei der Jury. Auch der Hauptvorstand der Gesellschaft für die deutschen Sprache (GfdS) war mit der Entscheidung unglücklich - schließlich wird die GfdS von Bund und Ländern gefördert. Die Jury brach daraufhin mit der GfdS - und so wird das "Unwort des Jahres" seitdem an der Universität Frankfurt gewählt.
1994: Superwahljahr
Europawahlen, Bundestagswahlen, etliche Landtags- und Kommunalwahlen - die Deutschen kamen 1994 aus dem Wählen nicht mehr raus.
Wahlurnen in Dresden zur Europawahl.
Das Unwort des Jahres lautete...
...1994: Peanuts
Als fast nichts, also "Peanuts", hatte der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Hilmar Kopper (Foto), 1994 die Summe von 50 Millionen Mark bezeichnet. Auf diesen Wert beliefen sich nach der Insolvenz des Immobilienunternehmers Jürgen Schneider die offenen Rechnungen für Handwerker. Kopper setzte diese Zahl in Relation zu den gesamten Forderungen in Höhe von fünf Milliarden Mark - rein rechnerisch lag er richtig, medial war seine Formulierung aber ein Eigentor.
1995: Multimedia
Vor anderthalb Jahrzehnten war "multimedial" noch ein Modewort, und "anklicken (mit der Computermaus)" landete auf Platz sechs des Ranking. Heute wäre die niedliche Jury-Erklärung in Klammern wohl überflüssig.
Games Convention 2007 in Leipzig.
Das Unwort des Jahres lautete...
...1995: Diätenanpassung
Es hört sich nach Abnehmen und Abspecken an - doch in Wahrheit entschied 1995 der Bundestag über die Erhöhung seiner Kostenpauschalen.
1996: Sparpaket
Einer jener Begriffe, die fast jedes Mal zum "Wort des Jahres" gewählt werden könnten - 1996 begann in Deutschland das Zeitalter des Kürzens und Streichens.
Das Unwort des Jahres lautete...
...1996: Rentnerschwemme
Deutschland wird älter und gebrechlicher - und die sozialen Probleme der demografischen Entwicklung spiegeln sich zunehmend auch in zynischen Begriffen wider.
Demonstration am 13. Oktober 2003 in Berlin gegen die Rentenpolitik der Bundesregierung.
1997: Reformstau
Können Reformen quasi Stoßstange an Stoßstange im Stau stehen? Die Jury der GfdS fand dieses Bild für die deutsche Politik offenbar so passend, dass sie es auf den Siegerplatz hievte.
Bundeskanzler Helmut Kohl und Fraktionssprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Joschka Fischer, 1996 im Bonner Bundestag.
Das Unwort des Jahres lautete...
...1997: Wohlstandsmüll
"Wir haben einen gewissen Prozentsatz an Wohlstandsmüll in unserer Gesellschaft. Leute, die entweder keinen Antrieb haben, halb krank oder müde sind, die das System einfach ausnutzen", sagte Helmut Maucher, damaliger Verwaltungsratspräsident von Nestlé, 1997 in einem Interview. Mit seiner Gleichsetzung von Arbeitsunwilligen und Arbeitsunfähigen mit "Müll" löste er einen Eklat aus.
1998: Rot-Grün
Der politische Farbenwechsel nach den von vielen Menschen als bleiern empfunden letzten Jahren der Kohl-Ära inspirierte auch die Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache.
Das Unwort des Jahres lautete...
...1998: sozialverträgliches Frühableben
Den zynischen Begriff prägte der damalige Ärztekammerpräsident Karsten Vilmar in einem NDR-Interview. Wer alt wird, schadet der Volkswirtschaft - und nur wer es damals gut mit Vilmar meinte, wollte in seiner Aussage eine absichtliche ironische Überzeichnung erkennen.
1999: Millennium
In naher Zukunft dürfte "Millennium" nicht noch einmal Wort des Jahres werden. So exzessiv der Begriff Ende 1999 verwendet wurde, so schnell verschwand er auch wieder.
Das Unwort des Jahres lautete...
...1999: Kollateralschaden
Als die Nato im völkerrechtlich sowieso umstrittenen Kosovo-Krieg getötete Zivilisten auch noch reichlich technisch als "Kollateralschaden" verniedlichte, wählte die Frankfurter Jury den Begriff zum Unwort des Jahres.
Angehörige tragen am 19. März 1998 den Sarg des Albaners Qerim Muriqi, der während einer friedlichen Demonstration in seiner Heimat von der serbischen Polizei erschossen worden war.
2000: Schwarzgeldaffäre
Knapp vor "BSE-Krise" und "Kampfhund" setzte sich die "Schwarzgeldaffäre" der hessischen CDU im Jahr 2000 als Siegerwort durch. Der damalige Ministerpräsident Roland Koch (Foto) landete mit seiner vielfach belächelten Ankündigung einer "brutalstmöglichen" Aufklärung der Affäre auf Rang sechs der Liste.
Das Unwort des Jahres lautete...
...2000: National befreite Zone
Kein Platz für Linke, Alternative, Ausländer oder Juden - das Unwort des Jahres ist gleichermaßen Traum und Kampfbegriff für Rechtsextreme.
Neonazi-Demo am 23. September 2000 im mecklenburgischen Gadebusch.
2001: Der 11. September
Erstmals wurde ein simples Datum zum Wort des Jahres gewählt - wie in der jüngeren Geschichte wohl nur mit dem 8. Mai 1945 läutete auch der 11. September eine Zeitenwende ein.
Das Unwort des Jahres lautete...
...2001: Gotteskrieger
"Kein Glaube an einen Gott, gleich welcher Religion, kann einen Krieg oder gar Terroranschläge rechtfertigen", erklärte die Jury ihre Entscheidung - und kritisierte weiter, dass die Bezeichnung in den Medien oftmals ohne kritische Distanz gebraucht werde.
Afghanische Kämpfer des Taliban-Gegners Massud am 13. August 2001 beim Gebet in Aihanon.
Das Unwort des Jahres lautete...
2002: Teuro
Selten hat ein einziger Buchstabe dem Image eines jahrzehntelang geplanten politischen Projekts so sehr geschadet wie dieses kleine "t". Denn, Statistiken hin oder her, die Deutschen trauten dem Euro einfach nicht.
Das Unwort des Jahres lautete...
...2002: Ich-AG
Eigentlich eine recht kreative Wortschöpfung, doch bei näherer Betrachtung entpuppt sich die "Ich-AG" als unlogisch. Oder kann ein Mensch wirklich eine Aktiengesellschaft sein? Und verniedlicht die Börsensprache nicht die Schicksale von Menschen, die sich aus purer Not selbständig machen?
2003: Das alte Europa
Was alt ist, hat seine beste Zeit womöglich hinter sich. Genau diese Verachtung wollte der damalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld (Foto) ausdrücken, als ihm einige Staaten des "alten" Europas nicht willfährig in den Irak-Krieg folgen wollten.
Das Unwort des Jahres lautete...
...2003: Tätervolk
In einer Rede am Tag der deutschen Einheit löste der damalige CDU-Politiker Martin Hohmann (Bild) einen Eklat aus, als er über die Beteiligung von Juden an der kommunistischen Revolution in Russland referierte und in diesem Zusammenhang auch vom "Tätervolk" sprach. Für die Jury, die das Unwort des Jahres kürt, war dies "ein Beleg für immer noch wirkenden Antisemitismus"; später wurde Hohmann aus der CDU ausgeschlossen.
2004: Hartz IV
Wohl kein Personalchef wurde auf einen Schlag berühmter als Peter Hartz - und auch verhasster, denn für viele Deutsche wurde Hartz IV zum Sinnbild für ein Politik des sozialen Kahlschlags.
Dazu passte auch die Wahl zum Unwort des Jahres...
...2004: Humankapital
Denn selten wurden Menschen prägnanter auf ihre rein wirtschaftlich gemessenen Fähigkeiten reduziert.
2005: Bundeskanzlerin
Ein kleines "-in" macht selten ein großes neues Wort, doch mit der Wahl von Angela Merkel (Bild) brach in den Schreibstuben der Redakteure dennoch eine Zeitenwende ein. Erstmals leitete eine Frau die deutsche Politik - und manch alteingesessener Journalist musste sich nach all den Kohl- und Schröder-Jahren erst einmal an die neue Bezeichnung gewöhnen.
Das Unwort des Jahres lautete...
...2005: Entlassungsproduktivität
Gemeint ist mit diesem Wortungeheuer eine gleichbleibende oder sogar gesteigerte Produktion, nachdem zuvor zahlreiche, für "überflüssig" gehaltene Mitarbeiter entlassen worden sind.
2006: Fanmeile
Die Begeisterung während des Sommermärchens 2006 spiegelt sich auch bei der Entscheidung zum Wort des Jahres wider - nach zahlreichen negativ besetzen Wörtern in den Jahren zuvor kürte die Jury diesmal einen harmlosen Begriff aus der Fußballwelt.
Das Unwort des Jahres lautete...
...2006: Freiwillige Ausreise
Ist die "freiwillige Ausreise" von abgelehnten Asylbewerbern, die nach Beratungsgesprächen dazu ermuntert wurden, Deutschland wieder zu verlassen, wirklich immer freiwillig? Die Jury bezweifelte das und empfand den Begriff daher als irreführend.
2007: Klimakatastrophe
Ein ausgetrockneter Streifen des Rheinufers, wie hier im April 2007 in Düsseldorf-Oberkassel aufgenommen, ist ein Indikator für den weltweiten Klimawandel - die Angst davor machte "Klimakatastrophe" 2007 zu einem der präsentesten Begriffe in den Medien.
Das Unwort des Jahres lautete...
...2007: Herdprämie
Ganz aus der Diskussion ist der Begriff bis heute nicht - aber schon vor vier Jahre wurde die diffamierende Umschreibung für das Betreuungsgeld für Mütter zum Unwort gewählt.
2008: Finanzkrise
Neben Allerweltswörtern wie "der" und "die" war "Finanzkrise" im Jahr 2008 sicher das am meisten gebrauchte Wort in den deutschen Medien - und nach der überraschenden Insolvenz der US-Investmentbank Lehmann Brothers wohl auch das angsteinflößendste.
Dazu passte das Unwort des Jahres...
...2008: Notleidende Banken
Irgendwie hatten viele Bürger das Gefühl, der Begriff verdrehe Ursache und Wirkung - und würde die Banken samt ihrer riskanten Finanzpolitik, durch die die Weltwirtschaft fast zum Einsturz gebracht worden war, plötzlich zu den alleinigen Opfern stilisieren.
Die Aufnahme vom 13. Februar 2008 zeigt einen verglasten Durchgang der Bayerischen Landesbank in München, die von Bund und dem Freistaat Bayern mit mehreren Milliarden Euro gestützt werden musste.
2009: Abwrackprämie
Ganz Deutschland ließ sich mitten in der Wirtschaftskrise vom Verschrottungsvirus befallen - und wollte für eine kleine Prämie auf einmal so schnell wie möglich die einst heißgeliebten Autos loswerden.
Das Unwort des Jahres lautete...
...2009: betriebsratsverseucht
In der ARD-Sendung "Monitor" hatte ein Mitarbeiter einer Baumarktkette berichtet, der Begriff "betriebsratsverseucht" werde von seinen Abteilungsleitern benutzt, um Filialen mit Arbeitnehmervertretung zu charakterisieren.
2010: Wutbürger
Das bisher letzte Wort des Jahres passte zum ersten von 1971, "aufmüpfig". Erfunden hat es der SPIEGEL-Journalist Dirk Kurbjuweit in einem Essay über Angehörige des Bürgertums, die sich von ihrem traditionellen Milieu und der Politik entfremden - und plötzlich mit Verve gegen Projekte wie Stuttgart 21 auf die Straße gehen.
Das Unwort des Jahres lautete...
...2010: Alternativlos
Geprägt hat es Angela Merkel, besonders bei ihrer Begründung für die Griechenland-Hilfe (hier im Bild mit dem griechischen Premierminister Georgios Papandreou). Kritiker befürchten, dass so eine Formulierung der politischen Diskussionskultur schade, weil sie jegliche Debatte im Keim ersticke.