Deutschlands erste Talkshow Urschwall im TV-Universum
Filmschönheit auf Abwegen: Am 30. Oktober 1974 hatte sich Dietmar Schönherr (rechts) die Schauspielerin Romy Schneider, den Ex-Bankräuber Burkhard Driest (links) und den Boxer Gustav "Bubi" Scholz (hinten) eingeladen. Der Diva gefiel dabei besonders gut der raue Gangstercharme Driests, dem sie hemmungslos schöne Augen machte. Später behauptete er dann, dass es gleich nach der Sendung noch hoch hergegangen sei zwischen den beiden, und die Nation hatte einen Skandal, über den jeder sprach.
Die stolpernde Gräfin: Im Januar 1975 moderierte Hans-Jürgen Rosenbauer zum ersten Mal "Je später der Abend" und hatte sich das Model Veruschka Gräfin von Lehndorff in die Sendung geholt. Die "Zeit" lobte später den Gastgeber als "zurückhaltend, kühl, gelassen und souverän", während sie für das Mannequin eine weniger schmeichelhafte Beschreibung fanden. Sie sei "sichtlich high, stotterte vor sich hin wie die kleine Vera, als sie noch über ihre eigenen Beine stolperte".
Ungebremster Redefluss: Der 2. Juli 1977 war weder für den Moderator Reinhard Münchenhagen noch das Publikum besonders einfach. Talkgast Klaus Kinski redete fast ohne Unterbrechung, beantwortete dabei allerdings kaum eine ihm gestellte Frage. Stattdessen beschimpfte er einen Zwischenrufer aus dem Publikum...
...und beschwerte sich in endlosen Litaneien darüber, wie unhöflich sein Publikum manchmal sei. Manfred Krug, der vorher interviewt worden war, legte sich unterdessen demonstrativ schlafen. Letzten Endes...
...amüsierte sich aber auch Krug über die immer wieder eingestreuten Witze Kinskis, der es nicht ausließ, den Gastgeber immer wieder mit Münchhausen anzureden.
Triumph der Überzeugung: Am 30. Oktober 1976 war die NS-Filmemacherin Leni Riefenstahl zu Gast bei "Je später der Abend". Sie betonte dabei wenig überraschend, dass ihre Filme "rein dokumentarisch" und keinesfalls politisch seien - und schon gar nicht von der Partei beeinflusst.
Talk-Queen: Als die Schauspielerin Inge Meysel 1974 in "Je später der Abend" auftrat, bekannte sie zwar, den Ausdruck Talkshow "schrecklich" zu finden, plauderte danach aber sogleich weiter über ihre Entjungferung und begeisterte damit Moderator Schönherr und das Publikum.
Pünktchenmuster statt Punk: Ungewohnt ruhig und skandalfrei gab sich Sängerin Nina Hagen am 11. Februar 1978. In der Sendung beschwerte sie sich lediglich darüber, dass im Westen einige Sänger schon recht arrogant seien und dass man sich doch auch hier ziemlich anstrengen müsste, um erfolgreich zu sein. Gunter Gabriel neben ihr outete sich dann auch noch als Punk-Fan.
Politik und Show: Eine kleine Sensation gelang Moderator Hans-Jürgen Rosenbauer (stehend) am 12. Februar 1975, als er nicht nur die damals sehr populären Geschwister Schell Immi, Maria und Maximilian (von links) in die Sendung kriegte, sondern auch noch den Ex-Bundeskanzler Willy Brandt.
Publikumsliebling: Ohne jeden Skandal trat am 11. März 1978 der Schlagerstar Roy Black in "Je später der Abend" auf. Er plauderte über die Herkunft seines Namens und darüber, wie gern er Fanpost und Romane von Gorki las. Zum Abschluss durfte er dann noch Tigerbaby Olaf streicheln.
Herrenrunde: SPIEGEL-Herausgeber Rudolf Augstein saß am 15. Mai 1976 gemeinsam mit Prof. Liebermann bei Moderator Reinhard Münchenhagen in "Je später der Abend".
Steiniger Anfang: Bereits in den vierziger Jahren begann Dietmar Schönherr seine Karriere als Schauspieler, hatte aber mit Filmen wie "Fegefeuer der Liebe" von 1951 vorerst nur in seiner Heimat Österreich Erfolg, bevor er 1955 schließlich mit dem Film "Rosenmontag" den Durchbruch schaffte.
Kampferprobt: Endgültig in die Herzen der deutschen Zuschauer spielte er sich schließlich 1966 als Commander Cliff Allister McLane in der Fernsehserie "Raumpatrouille Orion" (hier an der Seite von Eva Pflug).