Ex-DFB-Präsident Braun Der Soziale in einer Riege voller Skandale
Die Geschichte der DFB-Präsidenten ist geprägt von etlichen Skandalen. Viele ehemalige Verbandschefs blieben durch Machtkämpfe, angenommene Luxusuhren oder andere Affären in Erinnerung. Der nun verstorbene Egidius Braun steht hingegen vor allem für sein soziales Engagement.
Seit März 2022 ist Bernd Neuendorf, 60, neuer DFB-Präsident.
Die Amtszeit von Fritz Keller (2019-2021) war geprägt von Machtkämpfen zwischen Keller und verbandsinternen Gegenspielern wie Vizepräsident Rainer Koch. Nachdem Koch von Keller mit dem Nazirichter Roland Freisler verglichen worden war, entzogen die Amateurvertreter dem DFB-Präsidenten das Vertrauen. Keller trat zurück.
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Rainer Koch (links) und Reinhard Rauball leiteten das DFB-Präsidium nach dem Rücktritt von Reinhard Grindel kommissarisch.
Reinhard Grindel (2016-2019) gab im April seinen Rücktritt bekannt, nachdem der SPIEGEL über verdeckte Zahlungen an Grindel berichtet hatte und zudem bekannt wurde, dass Grindel eine Luxusuhr eines ukrainischen Oligarchen und Fußballfunktionärs annahm.
Gegen Wolfgang Niersbach (2012-2015) wurden 2015 Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung eingeleitet. Im Skandal um dubiose Geldflüsse vor der Weltmeisterschaft 2006 war er schwer unter Druck geraten. Wenige Tage später gab er seinen Rücktritt bekannt. »Ich habe für mich erkannt, dass der Zeitpunkt gekommen ist, die politische Verantwortung zu übernehmen«, sagte Niersbach.
Um eine Zwangsabstimmung zwischen Theo Zwanziger (2006-2012) und Gerhard Mayer-Vorfelder zu verhindern, einigte man sich 2004 auf eine Doppelspitze. Ab 2006 war Zwanziger alleiniger DFB-Präsident. Wie gegen Niersbach ermittelte auch gegen Zwanziger die Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Auslöser der Ermittlungen waren die Recherchen des SPIEGEL um die WM-Vergabe 2006 und die Enthüllung, dass es eine schwarze Kasse in Höhe von 6,7 Millionen Euro gab. Im August 2019 wurde bekannt, dass die Schweizer Bundesanwaltschaft Anklage unter anderen gegen Zwanziger erhoben hat. Ihm wird demnach »Betrug in Mittäterschaft« vorgeworfen.
Gerhard Mayer-Vorfelder (2001-2006) saß bis 2001 im Landtag von Baden-Württemberg und wurde der Nachfolger von Egidius Braun, dessen Geschäfte er bereits nach einer Operation ein Jahr zuvor übernommen hatte. Der ehemalige Präsident des VfB Stuttgart und Kultus- und Finanzminister Baden-Württembergs hatte 1988 einen Artikel in der rechtsextremen Zeitschrift »Nation Europa« veröffentlicht.
Egidius Braun (1992-2001) arbeitete sich vom Vorsitz des Aachener Dorfklubs SV Breinig über die Präsidentschaft des Fußball-Verbands Mittelrhein bis zum DFB-Präsidenten hoch. Die »Egidius-Braun-Stiftung« kümmert sich bis heute um notleidende Jugendliche. Vom WDR wird der »Egidius-Braun-Preis« für soziales Engagement verliehen.
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Hermann Neuberger gilt als einer der Väter der Fußball-Bundesliga und war der siebte DFB-Präsident (1975-1992). Neben seiner nationalen Tätigkeit war er zwischen 1974 und 1992 auch Vizepräsident der Fifa. In seine DFB-Amtszeit fallen die Europameisterschaft 1980 sowie der Weltmeistertitel 1990. Für Kritik sorgte er mit Äußerungen als DFB-Präsident, als er beispielsweise Nationalspieler der Niederlande kritisierte, die bei der WM 1978 dem argentinischen Dikator Jorge Videla den Handschlag verweigerten.
Hermann Gösmann (1962-1975) war sechster DFB-Präsident und an der Gründung der Fußball-Bundesliga beteiligt. In seine Amtszeit fiel der Bundesliga-Skandal 1970. Rot-Weiß Oberhausen und Arminia Bielefeld sicherten durch manipulierte Spiele die Klasse.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beschloss die Fifa, jegliche Sportbeziehungen zu Deutschland zu verbieten. Die offizielle Wiederbegründung des DFB erfolgte erst 1950, als Präsident wurde Peco Bauwens (1950-1962) gewählt. Aber seine Vergangenheit warf Kritik auf. Ab 1933 war Bauwens ein Jahr Mitglied in der NSDAP, dazu war seine Firma in einer Alliierten-Liste von »Sklavenhaltern im NS-Regime« vertreten. Neben einer kontrovers diskutierten Rede nach dem WM-Titel 1954 fiel das Verbot des Frauenfußballs in seine Präsidentschaft. »Fußball ist kein Frauensport. Wir werden uns mit dieser Angelegenheit nie ernsthaft beschäftigen«, sagte er Monate vor dem Verbot.
Felix Linnemann (1925-1945) war der DFB-Präsident des Zweiten Weltkriegs. Ab 1937 war er Mitglied der NSDAP, ab 1940 der SS. Er war als Polizist an der Ausgrenzung von später in Vernichtungslager deportierten Sinti und Roma beteiligt. 1940 beschloss eine Mitgliederversammlung die Auflösung des DFB und bestimmte drei Liquidatoren, darunter Linnemann. Nach Linnemanns Verhaftung 1945 drängte die Fifa darauf, dass er keine Ämter mehr in Fußballgremien ausüben durfte. Er gilt als Entdecker von Sepp Herberger, Weltmeistertrainer von 1954.
Gottfried Hinze (1905-1925) war Kaufmann, Torhüter und Schiedsrichter. Neben seiner Tätigkeit im DFB war er mit kurzer Unterbrechung fast drei Jahrzehnte Vorsitzender des Duisburger Spielvereins, der 1913 Deutscher Vizemeister und 1964 aufgelöst wurde. Laut DFB legte Hinze sein Amt nieder, weil »er dem verstärkten Druck, die zentrale Verwaltung des DFB in die Hauptstadt zu verlegen, nicht nachgeben mochte.«
Friedrich Wilhelm Nohe (1904-1905) übernahm als Vorsitzender des Verbands Süddeutscher Fußball-Vereine den DFB-Vorsitz. Weil er beide Posten nicht gleichzeitig bekleiden konnte, lehnte er seine Wiederwahl ab.
Ferdinand Hueppe (1900-1904) war als Vertreter des DFC Prag und des Deutschen FC Germania 1898 Prag am 28. Januar 1900 Teil der Gründerversammlung des Deutschen Fußball-Bunds in Leipzig. Im Oktober 1900 wurde er zum ersten Vorsitzenden gewählt. Hueppe blieb bis 1904 DFB-Chef, als die Prager Vereine aus dem Verband ausschieden. Zuvor war Hueppe bereits Mitbegründer des Deutschen Leichtathletik-Verbands. 2005 wurde das Professor-Hueppe-Stadion in Neuwied aufgrund von Hueppes Betrachtungen und Äußerungen umbenannt. So sah Hueppe den Sport als flankierende Maßnahme für den »Überlebenskampf der germanischen Herrenrasse.«