Einzelkritik Deutschland Da geht noch was
Manuel Neuer, Tor: Ein typisches Neuer-Spiel. Wenig Arbeit, aber dann, wenn er plötzlich eingreifen muss, dann ist er da. Fing einmal eine gefährliche Hereingabe der Ungarn ab und blockte einen scharfen Distanzschuss. In dieser Szene hatte er allerdings auch Glück, dass Ungarns Stürmer Adam Szalai den Abpraller nicht richtig erwischte und zudem im Abseits stand. Das hätte auch schiefgehen können.
Benedikt Höwedes, Abwehr: Fing auf der rechten Abwehrseite an, es ist bekanntermaßen nicht die Lieblingsposition des Schalkers. Er füllt diese Aufgabe zwar zur Zufriedenheit aus, aber nicht zur vollsten Zufriedenheit. Mit ein paar Schwächen im Stellungsspiel und relativ wenig Impulsen nach vorne.
Jérôme Boateng, Abwehr: Mit besorgtem Blick wird derzeit jede seiner Bewegungen beäugt. Bloß keine Verletzung beim Abwehrchef, jetzt wo schon Mats Hummels zunächst nicht zur Verfügung steht. Boatengs Laufen wirkte zuweilen unrund, so ganz fit sah das alles nicht aus. Dadurch auch nicht ganz so souverän in der Abwehrarbeit wie gewohnt.
Antonio Rüdiger, Abwehr: Dem ehemaligen Stuttgarter merkt man das gewachsene Selbstbewusstsein an. Erheblich verbessert gegenüber seinen früheren DFB-Auftritten. Rüdiger traut sich mittlerweile viel mehr, unter anderem den Gang nach vorne. Er empfahl sich für die Startelf gegen die Ukraine.
Jonas Hector, Abwehr (bis 46. Minute): Der Kölner ist derzeit mehr oder weniger alternativlos auf der linken Abwehrseite. Was für Joachim Löw durchaus zum Risiko werden könnte. Viele Angriffe der Ungarn liefen über seine Seite. Er musste langen Bällen auf den Flügel mehrfach hinterherlaufen und hatte auch bei den Flanken in der Offensive eine ziemliche Streuung. Nach einer Halbzeit war Schluss für ihn.
Emre Can, Abwehr (ab 46. Minute; Archivbild): Kam als Linksverteidiger, für den flexiblen Liverpooler wieder mal eine neue Herausforderung. Sicherlich keine Dauerlösung, aber er machte das leidlich. Hatte in der Abwehr aber auch nur wenig zu tun.
Sami Khedira, Mittelfeld (bis 46. Minute): Der Turiner blieb Mitte der ersten Halbzeit kurz liegen und fasste sich an den Kopf. Das sind die Schreckmomente in einem letzten Testspiel vor dem Turnierstart. Khedira konnte weitermachen, war aber auch vorher schon kein großer Impulsgeber gewesen. In jedem Fall fleißig, aber das ist er ja immer. Zur Pause wurde er ausgewechselt.
Mario Gomez, Angriff (ab 46. Minute): Kam für Khedira, ein klares Signal, wie unzufrieden der Bundestrainer mit der Offensivleistung der ersten Hälfte war. Fand aber auch nur schwer in den Rhythmus. War dann aber zur Stelle, als es die Vorarbeit zum 2:0 zu leisten galt. Dafür braucht man einen Mittelstürmer.
Toni Kroos, Mittelfeld (bis 68. Minute): Vor einer Woche hat er die Champions League gewonnen, diesmal war eher Pflichterfüllung angesagt. Verrichtete viel Alltagsarbeit, schleppte Bälle, hatte dadurch wenig Spielraum, etwas nach vorne zu tun. Dennoch einer der Besten im deutschen Team. Nach etwas weniger als 70 Minuten machte er Platz für das Comeback von Bastian Schweinsteiger.
Bastian Schweinsteiger, Mittelfeld (ab 68. Minute): Nach monatelanger Pause meldete sich der Kapitän für gut 20 Minuten zurück. Agierte noch spürbar vorsichtig, aber wer will ihm das verdenken? Für ihn geht es erst einmal nur um die berühmte Spielpraxis. Es ist noch ein langer Weg zur Startelf.
Thomas Müller, Mittelfeld (bis 68. Minute): auch merkwürdig unbeteiligt. Der Münchner tauchte in einzelnen Szenen auf, überraschte einmal mit einem starken Distanzschuss, sehr untypisch für ihn. In der Offensive war sonst nicht viel von ihm zu bemerken. Im Abstauben macht ihm natürlich dennoch keiner was vor. Direkt nach seinem Treffer durfte er gehen.
Leroy Sané, Mittelfeld (ab 68. Minute; Archivbild): Kam für Müller in seinem heimischen Stadion für rund 20 Minuten aufs Feld. Frisurentechnisch ist er bei vielen Kindern und Jugendlichen, die in der Arena waren, schon Trendsetter. Leistungsmäßig konnte er dagegen nur wenig zeigen.
Mesut Özil, Mittelfeld: Schwache Partie des Arsenal-Taktgebers. Özil war kaum zu sehen, von ihm kamen nur wenige Ideen, er versteckte sich geradezu. Hatte in der zweiten Hälfte allerdings auch ungewohnt defensiv zu spielen. Da muss bei der EM erheblich mehr kommen. Dass er das kann, weiß jeder.
Julian Draxler, Mittelfeld (bis 60. Minute): Der Ex-Schalker wollte an alter Wirkungsstätte besonders zeigen, dass er in eine Startelf gehört. Machte zu Beginn viel Tempo, zeigte sogar einmal einen Fallrückzieher ¿ und hatte zwischendurch ziemlich viele Pausen. Bestenfalls ein durchwachsener Auftritt, der nach einer Stunde beendet war.
André Schürrle, Mittelfeld (ab 60. Minute; Archivbild): Hatte eine halbe Stunde Zeit in der ihm bekannten Jokerrolle. Machte aber wenig draus.
Mario Götze, Angriff (bis 78. Minute): Der Münchner war eifrig bemüht, bewegte sich allerdings wie einst der Italiener Pippo Inzaghi weitgehend an und jenseits der Abseitslinie, nur mit etwas weniger Geschick. Einmal war er allerdings richtig postiert und bedrängte den ungarischen Abwehrspieler so, dass das Eigentor zum 1:0 fiel. Noch lange nicht der alte Mario Götze, aber schon wieder recht ansehnlich. Ging in der 78. Minute.
Lukas Podolski, Angriff (ab 78. Minute; Archivbild): Zum Geburtstag gab es vom Bundestrainer zwölf Einsatzminuten. Der Galatasaray-Spieler, der so viel mehr als ein Maskottchen sein will, kennt das mit den Einwechslungen in der Schlussphase. Zwölf Minuten sind sehr wenig, um zu beweisen, dass man topfit ist.