DFB-Einzelkritik Lahm ungewohnt, Özil unverzichtbar
Manuel Neuer (Torwart, Schalke 04): Vielleicht sollte der Schalker Manuel Neuer nur noch in Dortmund spielen. Nach seiner Gala in der Vorwoche beim Revierderby gelang dem Torwart auch gegen die Italiener alles, was er zu erledigen hatte. Mittlerweile befördert er sogar schon Rückpässe eigener Mitspieler per Volleyschuss ins Feld zurück. Man mag nicht glauben, dass Neuer vor einem Jahr mal nur die Nummer zwei im deutschen Tor war. Am Gegentor schuldlos.
Philipp Lahm (Abwehr, FC Bayern, bis zur 64. Minute gegen Boateng): Die Bayern-Krise - sie lastet offenbar auch auf dem Kapitän. Lahm war besonders in der ersten Hälfte ungewohnt unsicher auf seiner Abwehrseite und ließ sich zwei, drei Mal überlaufen. Er hatte zwar auch seine starken Szenen, aber die hat Lahm ja ohnehin immer. Wurde nach einer Stunde durch Jérôme Boateng ersetzt.
Per Mertesacker (Abwehr, Werder Bremen): Die Werder-Krise - dem Innenverteidiger war sie nicht wirklich anzumerken. In einer nicht immer sicheren Abwehr war er wieder einmal der Beste. Der Bremer musste mehrfach Fehler seiner Vorderleute im letzten Moment ausbügeln.
Holger Badstuber (Abwehr, FC Bayern, bis zur 64. Minute gegen Hummels): Alle hatten den Dortmunder Mats Hummels bei seinem Heimspiel auf dieser Position erwartet. Aber der Bundestrainer ist keiner, der dafür bekannt ist, die Erwartungen der Öffentlichkeit zufrieden zu stellen. Also spielte der junge Münchner, und er tat das nicht schlecht. Er wirkte sicherer als zuletzt im Verein. Dazu gehörte allerdings nicht viel. Nach etwa einer Stunde kam Hummels dann doch für ihn.
Dennis Aogo (Abwehr, Hamburger SV): Noch einer, der überraschend anstelle eines Dortmund-Profis in der Anfangself stand. So unerwartet war es dann aber doch nicht, dass Aogo statt Marcel Schmelzer spielte. Schließlich gilt das Löw-Prinzip: Ein HSV-Spieler muss immer dabei sein. Der Hamburger, der ein halbes Jahr wegen Verletzung ausgesetzt hat, war nicht schlecht, die Ideallösung auf der linken Abwehrseite dürfte er aber auch nicht sein. Schöne rote Schuhe hatte er an.
Bastian Schweinsteiger (Mittelfeld defensiv, FC Bayern): Es muss auch Länderspiele geben, in denen Bastian Schweinsteiger nicht der überragende Mann auf dem Platz ist. Dieses war so eines. Trotzdem ist auch ein mäßiges Schweinsteiger-Länderspiel immer noch tendenziell überdurchschnittlich.
Sami Khedira (Mittelfeld defensiv, Real Madrid): Real-Trainer José Mourinho hat Sami Khedira bei Madrid mehr oder weniger untersagt, offensiv zu werden. Das hat man gemerkt, irgendwie schien Khedira den Zug nach vorne verlernt zu haben. Wenn er in die Spitze sollte, wirkte der frühere Stuttgarter besonders in der Anfangsphase ungewohnt nervös. Ihm unterliefen mehrfach leichte Abspielfehler. Kurz vor Schluss vergab er die Führungschance gegen Buffon.
Mesut Özil (Mittelfeld offensiv, Real Madrid): Der Bundestrainer hat noch vor dem Spiel angemerkt, Özil habe im vergangenen halben Jahr bei Real Madrid noch einmal richtig bei seinen Stärken zugelegt. Löw hat Recht. Über Özil geht mittlerweile fast alles, was nicht über Schweinsteiger läuft. Unverzichtbar für die kreativen Momente. Nur den Eckball hat er nicht erfunden.
Lukas Podolski (Mittelfeld offensiv, 1. FC Köln): Wie viele unauffällige Länderspiele hat Lukas Podolski schon absolviert? Man kann sie vermutlich nicht mehr zählen. Seit dem Mittwoch in Dortmund ist noch eines dazugekommen. Ein satter Linksschuss nach einer halben Stunde, sehr viel mehr war von ihm nicht zu sehen. Aber was solls? Podolski gehört zur Nationalelf dazu wie Mannschaftsarzt Dr. Müller-Wohlfahrt.
Thomas Müller (Mittelfeld offensiv, FC Bayern, bis zur 46. Minute gegen Götze): Vor einem Jahr im Februar hatte Thomas Müller noch kein einziges Länderspiel. Mittlerweile ist es kaum vorstellbar, dass die DFB-Elf einmal ohne ihn antritt. Selbst an Tagen wie dem Mittwoch, an denen ihm von fünf Pässen vier misslingen, bleibt einer übrig, der zum Tor führt, so wie beim 1:0. Nach 45 Minuten war für ihn Schluss. Dann durfte der erste Dortmunder ran.
Miroslav Klose (Angriff, FC Bayern, bis zur 75. Minute gegen Großkreutz): Was soll man noch sagen? Natürlich war er der Torschütze zum 1:0, wer auch sonst? Wahrscheinlich müsste er im Verein keine Minute spielen, und er würde dennoch in der Nationalelf treffen. Noch neun Tore fehlen ihm zum Gerd-Müller-Rekord, die werden auch noch fallen.
Mario Götze (Mittelfeld offensiv, Borussia Dortmund, ab der 46. Minute für Müller): Mario Götze gilt als DAS Supertalent im deutschen Fußball. Es wird Länderspiele geben, wo er das unter Beweis stellen wird. Die zweite Halbzeit gegen Italien gehörte noch nicht dazu. Götze ist erst 18 Jahre alt, er hat noch so viel Zeit.
Mats Hummels (Abwehr, Borussia Dortmund, ab der 64. Minute für Badstuber): Eigentlich sagen im Moment fast alle Experten im Fußball, dass an Mats Hummels auf der Innenverteidiger-Position im Moment kein Vorbeikommen ist. Weder für die Gegenspieler noch für den Bundestrainer. Merkte aber gleich, dass die italienischen Stürmer ein anderes Kaliber sind als die von Borussia Mönchengladbach oder dem 1. FC Kaiserslautern.
Jérôme Boateng (Abwehr, Manchester City, ab der 64. Minute für Lahm): Kam noch eine halbe Stunde als Außenverteidiger zum Einsatz. Der Mann von Manchester City versuchte sich in zwei, drei Flankenläufen. Seine Stärken liegen woanders.
Kevin Großkreutz (Mittelfeld offensiv, Borussia Dortmund, ab der 75. Minute für Klose): Der Dortmunder ersetzte nach 75 Minuten Miroslav Klose und wird ungefähr 15 Jahre Nationalspieler sein müssen, um die Marke seines Vorgängers annähernd zu erreichen. Näherte sich eine Minute vor dem Abpfiff per Schrägschuss dem Tor.