DFB-Einzelkritik Wer es Spanien schwer machte
Manuel Neuer (Tor, FC Schalke 04): Einmal lief David Villa in der ersten Halbzeit auf ihn zu, Neuer war draußen und konnte sich den Rest der Hälfte aus der Perspektive eines Zuschauers ansehen. Die zweite verlangte deutlich mehr Beteiligung des Torhüters, aber auch Pedros Schuss von der Strafraumgrenze parierte Neuer sicher. Beim Gegentor wohl machtlos.
Philipp Lahm (Abwehr, FC Bayern München): War in der ersten Hälfte defensiv zu gebunden, um selbst einen Beitrag zum Angriffsspiel der deutschen Mannschaft leisten zu können. Lahm gab die zweite Halbzeit in einer Tour Flanken, konnte aber keine einzige richtig platzieren.
Per Mertesacker (Abwehr, Werder Bremen): Hat eine bemerkenswerte Entwicklung bei dieser WM durchgemacht. Er wurde immer besser, und was niemand für möglich hielt: Der Verteidiger setzte diese Entwicklung gegen Spanien fort. Schien jeden Pass auf David Villa zu erahnen und stellte seine langen Beine dann in den Weg. Vielleicht der beste Deutsche an diesem Abend, und das sagt einiges. Ein Verteidiger.
Arne Friedrich (Abwehr, VfL Wolfsburg): Spielt ja vielleicht das Turnier seines Lebens und klärte auch gegen Spanien einige Male, indem er einen Steilpass auf David Villa abfing. Friedrich leistete sich aber im Spielaufbau drei unnötige Ballverluste und sah auch sonst - vor allem gegen den wendigen Pedro - nicht immer gut aus. Klärte in der Schlussphase immerhin bei zwei großen Konterchancen der Spanier.
Jérôme Boateng (Abwehr, Manchester City, bis 52. Minute): Bekam es mit Pedro, Sergio Ramos, Andrés Iniesta und auch mal David Villa zu tun - da kann man schon mal die Übersicht verlieren. Wirkte insgesamt nicht unsicher, sondern selbstbewusst, spielte sogar einen herrlichen Diagonalpass auf Miroslav Klose. Stand aber auch Spalier für Ramos und Pedro, als diese in der ersten Hälfte bis in den Strafraum tanzten.
Bastian Schweinsteiger (Mittelfeld, FC Bayern München): Begann als Manndecker von Xavi, emanzipierte sich von dieser Rolle aber zum Glück schon in der ersten Halbzeit. Sein bester Pass blieb zunächst einer auf Lukas Podolski, der leider im Abseits stand, aber Schweinsteigers Verteidigungsarbeit in Hälfte eins stand beispielhaft für das Engagement des gesamten Teams. Blieb insgesamt leider hinter dem von ihm verehrten Xavi zurück.
Sami Khedira (Mittelfeld, VfB Stuttgart, bis 80. Minute): Lief sehr viel, leistete sich aber einige Ballverluste im Spielaufbau und war wieder oft nicht rechtzeitig am Mann. Das fiel besonders auf und ins Gewicht, wenn sich Xavi in Khediras Nähe aufhielt - und beim Gegentor, als Carles Puyol zur Führung ins deutsche Tor köpfte. Spanien war eine Nummer zu groß für den Mann, der als Ballack-Ersatz in die WM ging.
Piotr Trochowski (Mittelfeld, Hamburger SV, bis 62. Minute): Sein Schuss in der ersten Halbzeit war ein Ausrufezeichen, aber er blieb leider der einzige zählbare Beitrag Trochowskis. Suchte im Duell mit Capdevila zu selten die Eins-gegen-Eins-Situationen. Der Spanier konnte so einen relativ ruhigen Abend verbringen.
Mesut Özil (Werder Bremen): Hätte, hätte, hätte. Hätte Özil in der ersten Halbzeit früher geschossen, hätte Deutschland führen können - aber er entschied sich, noch ein paar Meter zu gehen und kam zu Fall. Hatte ein paar kleine, schöne Szenen, aber viel Schatten. Schade.
Lukas Podolski (Mittelfeld, 1. FC Köln): Fand in der ersten Hälfte offensiv nicht statt, zu sehr wurde Podolski von Sergio Ramos in der Defensive gebunden - und einmal auch übel gefoult.
Miroslav Klose (Sturm, FC Bayern München): Lief sehr viel, arbeitete, er war das Laufwunder Klose, aber diesmal leider nicht der Torjäger. Ein paar Flanken kamen, die waren aber insgesamt zu ungenau. Ein Seitfallzieherversuch, dabei blieb es.
Marcell Jansen (Abwehr, Hamburger SV, ab 52. Minute für Boateng): Kam rein und war voller Tatendrang. Leider blieben seine zwei scharfen Hereingaben ohne Ergebnis, vielleicht, weil sie flach waren.
Toni Kroos (Mittelfeld, FC Bayern München, ab 62. Minute für Trochowski): War eine Belebung, und zwar eine richtige. Kam gleich nach seiner Einwechselung und auf Flanke von Lukas Podolski zu einer riesigen Torchance, zielte aber leider nicht genau genug. Der spanische Torwart Iker Casillas konnte so den Ball halten.
Mario Gomez (Sturm, FC Bayern München, ab 80. Minute für Khedira): Sollte als zweiter Stürmer neben Klose für Druck sorgen. Die Einwechselung brachte gar nichts.