DFB-Elf in der Einzelkritik Lahm fehlerlos, Schürrle blass
Manuel Neuer (Tor, FC Bayern): Spiele von Italien produzieren selten viele italienische Torchancen. Entsprechend wenig war der Münchner Torwart wirklich gefordert. Aber: Torchancen von Italien produzieren relativ oft Tore. So wie diesmal bei der ersten ernsthaften Torannäherung. Neuer war schuldlos. Ärgerlich ist es trotzdem immer, wenn der erste Ball sofort im Netz liegt. Starke Parade kurz nach dem Seitenwechsel gegen Criscito.
Benedikt Höwedes (Abwehr, Schalke 04) : Philipp Lahm als rechten Außenverteidiger zu ersetzen - das nennt man wohl eine undankbare Aufgabe. Die versuchte Höwedes mit seinem ihm eigenen Fleiß und seiner Kampfbereitschaft anzunehmen. Er wird aber nie ein Lahm werden, und deswegen sollte man vielleicht diese Position bei der WM auch mit dem stärksten Mann besetzen, den man zur Verfügung hat. Höwedes ist als Backup aber immer zu gebrauchen.
Mats Hummels (Abwehr, Borussia Dortmund): Der einzige Dortmunder in der Startelf wird bekanntlich seit Monaten in der Nationalmannschaft äußerst misstrauisch beäugt. Was dazu führt, dass ihm zuweilen auch die Schuld an Gegentoren zugeschoben wird, für die andere weit mehr Verantwortung tragen. Dennoch: Hummels muss seine Stockfehler abstellen. Gegen Italien waren wieder zwei, drei schlampige Pässe in der Vorwärtsbewegung dabei. Das 1:0-Führungstor war ihm in jedem Fall zuzurechnen. Hrubesch-Gedächtnis-Kopfball. In der zweiten Halbzeit souverän.
Jérôme Boateng (Abwehr, FC Bayern): Unauffälliger als sein Nebenmann Hummels. Für einen Innenverteidiger ist das nicht das schlechteste Prädikat. Nach vorn kann er noch erheblich mehr tun, aber da stehen ihm zuweilen auch die technischen Fähigkeiten nicht zur Verfügung. Grundsätzlich hat er derzeit einfach eine bessere Presse als Hummels. Aber die hat er sich auch verdient, denn das war auch mal anders.
Marcell Jansen (Abwehr, Hamburger SV) : Der Hamburger mühte sich auf seiner Seite, aber er ist nun mal keiner, der auf Top-Niveau den Matchwinner geben kann. Der Gegentreffer fiel über seine Seite, aber Jansens Anteil daran war gering. Er hatte die Szene an sich schon bereinigt, nur Kollege Toni Kroos war anschließend nicht geistesgegenwärtig genug. Insgesamt solide, für ihn ist das eine gute Partie gewesen.
Philipp Lahm (Mittelfeld, FC Bayern): Heute also mal wieder auf der Sechser-Position wie zuletzt häufig bei Bayern, wie vor Jahren schon einmal in der Nationalmannschaft. Lahm erledigt auch das wie so häufig fehlerlos, sauber, solide, routiniert. Aber er weiß, dass er beim DFB im Mittelfeld nur aus der Not geboren spielt, weil mit Bastian Schweinsteiger und Ilkay Gündogan die etatmäßige Zentrale derzeit fehlt. Und das ist vielleicht auch ganz gut so.
Sami Khedira (Mittelfeld, Real Madrid, bis zur 65. Minute): Das VfB-Stuttgart-ähnliche neue DFB-Trikot schien ihn anfänglich zu beflügeln. Hätte nach einer guten Viertelstunde mit einem satten Distanzschuss das 2:0 erzielen können. Der Ball landete aber am Pfosten. Konzentrierte sich ansonsten weitgehend auf die Defensive und hatte damit auch genug zu tun. Nicht in jeder Szene souverän, aber eine Arbeitsbiene. Nach 65 Minuten musste er den Platz verlassen, nachdem er sich bei einem Foul an Pirlo selbst verletzt hatte.
Thomas Müller (Mittelfeld, FC Bayern, bis zur 87. Minute): Wenn der Münchner im Mittelfeld anfängt, mit dem Ball Richtung Tor zu laufen, schaut man immer etwas beklommen drein. Der Allerschnellste ist Müller schließlich nicht. Aber er schafft es auf seiner Angriffsseite immer wieder, sich durchzusetzen, Bälle zu behaupten, Bälle zu schleppen. Müller ist einfach wichtig fürs Team, auch wenn er in Sachen Torgefahr mal wieder ein bisschen zulegen könnte.
André Schürrle (Mittelfeld, FC Chelsea, bis zur 59. Minute): Der Stürmer vom FC Chelsea war zuletzt der überzeugendste Offensivmann bei Joachim Löw gewesen. Davon war gegen die Italiener wenig zu sehen. Einmal traf er die Oberkante der Latte, als er einen Fehler der Azzurri-Deckung fast ausgenutzt hätte. Ansonsten bot er sich viel an, aber es ging eher wenig über ihn. Nach einer Stunde war Schluss für ihn, dann kam Marco Reus.
Toni Kroos (Mittelfeld, FC Bayern): Vielgelobt in den vergangenen Wochen, aber derzeit nicht mehr ganz so auf der Höhe wie zuletzt. Beim 1:1-Gegentreffer hatte er zu früh abgeschaltet, auch sonst ging relativ wenig Initiative von ihm aus. Er lief viel, presste extrem stark, aber setzte diesmal weniger Akzente als in den vorherigen Länderspielen. Am auffälligsten noch kurz vor Ende, als er nach einem Foul eine Rudelbildung auf dem Platz provozierte.
Mario Götze (Sturm, FC Bayern, bis zur 59. Minute): Mitte der ersten Hälfte wurde der Jungstar vom alten Herrn Andrea Pirlo mit einer Pirouette ausgetanzt, als wolle der Routinier dem Nachwuchs noch einmal zeigen, was technische Brillanz bedeutet. Götze ist in dem beneidenswerten Alter, eben immer noch sich bei anderen etwas abgucken zu dürfen. Angesichts seiner Saison-Vorgeschichte hat niemand erwartet, dass der Neu-Münchner schon wieder brilliert wie vor der Verletzungsserie. Trotzdem eine ansprechende Partie von Götze mit einigen schön anzusehenden Passkombinationen und Laufwegen. Nach einer Stunde wurde er für Mesut Öuzil ausgewechselt.
Marco Reus (Mittelfeld, Borussia Dortmund, ab 59. Minute): Hatte nach seiner Einwechslung noch eine halbe Stunde Zeit, sein Ausnahmekönnen zu zeigen. Es ergaben sich nur wenig Gelegenheiten dazu. Eher ein Spiel für die Statistik als für die Erinnerung
Mesut Özil (Sturm, FC Arsenal, ab 59. Minute, Archivbild): Der Arsenal-Spieler ging nach einer Grippe noch leicht angeschlagen in die Partie. Man merkte es ihm an, könnte man zu seinen Gunsten attestieren. Özil blieb in den 30 Minuten, die er hatte, sehr unauffällig.
Sven Bender (Mittelfeld, Borussia Dortmund, ab 67. Minute, Archivbild): Ersetzte den angeschlagenen Sami Khedira nach 65 Minuten. Machte seine Sache ordentlich. Mehr aber auch nicht
Lars Bender (Mittelfeld, Bayer Leverkusen, ab 87. Minute, Archivbild): Unterstützte seinen Zwillingsbruder noch für vier Minuten.