DFB-Elf in der Einzelkritik Ein Rückkehrer als Genuss
Marc-André ter Stegen, Tor Hatte zunächst nicht wirklich viel zu tun. Als es drauf ankam, reagierte er stark bei einem Kopfball der Engländer. Manchmal fehlte ihm ein wenig die Souveränität im Strafraum, wenn die Gastgeber gefährlich vors Tor kamen. Aber ohne jeden Fehlgriff, mehr kann man nicht verlangen. Manuel Neuer wurde 2017 jedenfalls nicht vermisst, das war ter Stegens Verdienst.
Matthias Ginter, Abwehr Auf seiner Abwehrseite schlüpften die Engländer mehrfach durch. Der Gladbacher wirkte in wiederholten Szenen nicht besonders sicher, war die Schwachstelle in der Abwehr.
Mats Hummels, Abwehr Zu Beginn noch ein bisschen zu lässig, fand der Bayern-Verteidiger schnell zu seiner in der Nationalmannschaft mittlerweile gewohnten Form. Einer, der immer vorangeht und Stürmer einschüchtern kann. Unverzichtbar für Joachim Löw.
Antonio Rüdiger, Abwehr Der Chelsea-Verteidiger spielte in der Stadt, in der er unter Vertrag steht, selbstsicherer als in früheren Spielen und setzte seine Robustheit gewinnbringend ein. Trotzdem war er auch wieder in mehreren Szenen zu weit weg vom Stürmer, und wenn er die Bälle nach vorne schaufelt, ist das Spielaufbau aus früheren Zeiten.
Joshua Kimmich, Mittelfeld Der Bayernspieler hatte diesmal nicht so viele auffällige Szenen. Viele deutsche Offensivaktionen liefen über die andere Seite. Trotzdem hatte Kimmich wieder ein paar schöne Bälle in die Spitze dabei. Man vergisst bei ihm, wie jung er noch ist. Er wirkt wie ein Alter. Und das ist als Kompliment gemeint.
Ilkay Gündogan, Mittelfeld (bis 86. Minute) Löw wird drei Kreuze machen, dass der ManCity-Spieler wieder dabei und gesund ist. Er ist neben Toni Kroos der beste Ballverteiler, den Deutschland hat. Ungemein sicher am Ball, mit geübtem Auge für die Nebenleute in der Spitze. Pässe von ihm sind ein Genuss.
Sebastian Rudy, Mittelfeld (Mitte, ab 86. Minute) Durfte noch fünf Minuten auf den heiligen Rasen. Fügte ihm keine großen Schäden zu.
Mesut Özil, Mittelfeld Unauffälliger, gerade im Vergleich zu Gündogan. Dazu mit für ihn überraschend vielen Ballverlusten. Auch Özil verdient sein Geld in England, aber das schien ihn an diesem Abend nicht zu einem Glanzauftritt zu inspirieren. Der englische Kollege nebenan auf der Pressetribüne murmelte zwischendurch irgendwas von "The Invisible". Er wird das Image einfach nicht los.
Marc Halstenberg, Mittelfeld Der Debütant traute sich gerade zu Beginn einiges zu, war immer wieder auch offensiv zu finden und hatte auf seiner Abwehrseite auch wenig zugelassen. Kein Auftritt, der unbedingt im Gedächtnis bleibt, aber ein solides erstes Länderspiel des Leipzigers.
Julian Draxler, Mittelfeld (bis 67. Minute) Der PSG-Profi war vom Trio in der Spitze derjenige, der am wenigsten auf sich aufmerksam machte. Draxler spielte gut, er hätte auch einmal fast getroffen, seine Übersteiger sehen gefällig aus, aber richtig geglänzt hat er auch diesmal nicht. Man muss sagen: wie so oft. Nach 67 Minuten machte er Platz.
Emre Can, Mittelfeld (ab 67. Minute) Mit dem Liverpooler kam nach etwas mehr als einer Stunde der fünfte deutsche Englandprofi aufs Feld. Die Einwechselrolle ist ihm mittlerweile vertraut. Can spielt seinen Part ohne große Eingewöhnung herunter.
Leroy Sané, Mittelfeld (bis 87. Minute) Noch ein Englandprofi, und das war für den früheren Schalker wohl Auftrag und Motivation. Selbstbewusst, dribbelstark, temporeich stellte er die englischen Verteidiger immer wieder vor Probleme. Aber auch er hätte schon in der ersten Halbzeit treffen müssen, als ein englischer Verteidiger auf der Linie klärte. Sein Lattenschuss als Referenz ans Wembley-Tor zeigt, dass der junge Kerl auch über fußballhistorisches Bewusstsein verfügt.
Julian Brandt, Mittelfeld (ab 87. Minute) Hübschte für fünf Minuten eine Länderspielstatistik auf. War jetzt auch mal in Wembley.
Timo Werner, Angriff (bis 73. Minute) Zu flink für die englische Abwehr. Wenn er an diesem Abend so effektiv wie schnell gewesen wäre, hätte er gleich mehrfach getroffen. So fand er im englischen Keeper jedoch wiederholt seinen Meister, weil er nicht kaltblütig genug war. Trotzdem: Sein Antritt ist eine Waffe gegen jede Abwehr der Welt.
Sandro Wagner, Angriff (ab 73. Minute) Der Hoffenheimer hatte noch knapp 20 Minuten Zeit, seinen Körper in den Strafraum gegen die englische Abwehr hereinzuwerfen. Joker ist allerdings vielleicht nicht die ideale Rolle für ihn. Wagner blieb komplett unauffällig.