DFB-Elf in der Einzelkritik Stindl, der Serienretter
Kevin Trapp, Tor Als PSG-(Ersatz)-Torhüter gegen die Franzosen entsprechend motiviert. Der ehemalige Frankfurter griff mehrfach beherzt ein und verhinderte ein früheres 0:1. Beim Tor konnte er praktisch nur zusehen, wie sich die Franzosen den Ball direkt vor ihm hin- und herschoben. Auch in der zweiten Hälfte war er auf dem Posten, beim zweiten Tor war er wieder ohne Chance, ein gutes Länderspiel.
Emre Can, Abwehr (bis 83. Minute) Man ahnte, warum der Liverpooler keine Liebesbeziehung zum Rechtsverteidiger-Posten pflegt. Er hängte sich in die ungeliebte Aufgabe herein, war aber wiederholt überfordert, wenn die Franzosen bevorzugt über seine Seite nach vorn stürmten. Auf diesem Posten verschenkt.
Lars Stindl, Angriff (ab 83. Minute) Ersetzte für die Schlussminuten Can, um den Ausgleich zu erzwingen. Das gelang ihm mit der einzigen Chance.
Mats Hummels, Abwehr (bis 46. Minute) Der Bayern-Innenverteidiger gab sich über weite Strecken so souverän, wie man es von ihm seit Monaten gewohnt ist. Wenn sich derzeit einer im Team vor der WM nicht verletzen sollte, dann ist es Hummels. Geradezu kunstvoll, wie er in der Anfangsphase einmal das lange Bein ausfuhr, um eine sichere französische Einschusschance zu blocken. Die Mutter einer Grätsche. Nach 45 Minuten durfte er sich ausruhen.
Antonio Rüdiger, Abwehr (ab 46. Minute) Kam zur zweiten Hälfte für Hummels und rückte neben Süle in die Abwehrzentrale. Er fügte sich gleich mit einem Körpertrick ein, den man ihm gar nicht zugetraut hätte. Dann hatte er sogar den Ausgleich auf dem Fuß. Robustheit bringt er ohnehin stets mit. Rüdiger hatte Lust.
Niklas Süle, Abwehr Hummels' Bayern-Kollege zeigte sich stark im Zweikampf, bekam im Duell mit den schnellen Stürmern aber auch mehrfach seine Grenzen aufgezeigt. Gegen Anthony Martial, Kylian Mbappé und Konsorten wirkt Süle dann doch leicht hüftsteif. Und für die Offensive könnte er noch erheblich mehr beitragen.
Marvin Plattenhardt, Abwehr Der Hertha-Verteidiger war bemüht auf seiner linken Abwehrseite, auch etwas für die Offensive zu tun. Das gelang ihm ganz leidlich, von ihm kamen auch zwei, drei gelungene Hereingaben in den Strafraum. Dass er nur der Platzhalter für den verletzten Jonas Hector ist, dürfte er selbst wissen.
Sami Khedira, Mittelfeld (bis 75. Minute) Der Routinier musste mehr als ihm lieb war den Ausputzer spielen. Bei den schnellen Gegenangriffen der Franzosen in der ersten Hälfte kam er manchmal nicht mehr so richtig mit. Khedira ist eben keine 20 mehr. Nach 75 Minuten ging er vom Feld, für ihn kam Rudy.
Sebastian Rudy, Mittelfeld (ab 75. Minute) Durfte eine Viertelstunde mittun. Es war keine Viertelstunde fürs Poesiealbum. Kaum zu sehen.
Toni Kroos, Mittelfeld Im Überangebot im Mittelfeld tauchte Toni Kroos überraschend unter. Ein paar schöne Pässe, ein paar elegante Spielverlagerungen, ein Fast-Tor nach einem Freistoß. Immerhin. Aber er kann mehr.
Ilkay Gündogan, Mittelfeld (bis 65. Minute) Der ManCity-Profi konnte diesmal nicht so glänzen wie noch in Wembley. Gündogan war sehr fleißig, lief viel, das ging aber auf Kosten seiner Qualitäten im Spielaufbau. Manchmal suchte er sichtlich die Orientierung auf dem Platz, auf der klaren Sechserposition ist er vermutlich besser aufgehoben. Für ihn war nach einer guten Stunde Schluss.
Mario Götze, Mittelfeld (ab 65. Minute) Ersetzte nach 65 Minuten Gündogan, sein erster Auftritt in der DFB-Elf seit über einem Jahr. Das Spiel lief an ihm vorbei - bereitete dann aber kurz vor Schluss sehenswert das Tor zum 2:2 vor.
Mesut Özil, Mittelfeld Der Arsenal-Spielmacher zeigte seine beiden Seiten: Beeindruckendes Spielverständnis, Tricks und schnurgerade Pässe wie in der Vorbereitung zum 1:1 gepaart mit teilweise erschreckendem Zweikampfverhalten und deutlichen Schwächen in der Defensive. So ist er eben.
Julian Draxler, Mittelfeld Ein vor allem in der ersten Hälfte sehr diskretes Spiel des PSG-Profis. Draxler blieb ohne große Durchschlagskraft, wenig zwingend in seinen Offensivaktionen. Solche passiven Spiele hat man im DFB bei ihm länger nicht gesehen. Das schien er selbst gemerkt zu haben, nach dem Wechsel wurde er deutlich initiativer. Schön anzusehen sind seine Übersteiger ohnehin jedes Mal.
Timo Werner, Angriff (bis 85. Minute) Der Leipziger begann schwach. Konnte sich selten im Strafraum durchsetzen, und als er Ende der ersten Hälfte den Torschuss auf dem Silbertablett serviert bekam, machte er eine Drehung zu viel, und die Gelegenheit war vorbei. Das 1:1 machte er dann allerdings mit der Kälte eines Klassestürmers.
Sandro Wagner, Angriff (ab 85. Minute) Kam noch für Werner. Für fünf Minuten, sah Gelb. Ein Länderspiel mehr.