DFB-Team in der Einzelkritik: - DER SPIEGEL
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EM-Qualifikation Das DFB-Team in der Einzelkritik

Niklas Süle zeigte sein Großer-Bruder-Format, Lukas Klostermann betrieb keine Eigenwerbung. Und Manuel Neuer war mal wieder Manuel Neuer. Deutschland in der Einzelkritik.
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Manuel Neuer, Tor: Als das weißrussische Team Mitte der ersten Hälfte kurz an die eigene Chance glaubte, sog Neuer alle Zuversicht aus ihm heraus: Er spazierte bei eigenen Ecken im Mittelkreis. Und dann tanzte er Yuri Kovalev in der Nähe der Eckfahne aus, als wäre er der Stürmer und Kovalev der Torwart. Auch ein zweiter Weißrusse konnte Neuer nicht vom Ball trennen. Danach fühlt sich jeder Gegner klein. "Wahrscheinlich hatte Manu etwas Langeweile", witzelte später DFB-Direktor Oliver Bierhoff. Und Joshua Kimmich übertrieb vielleicht ein bisschen, als er behauptete: „Manu könnte bei uns wohl auch auf der Sechs oder etwas weiter vorn spielen." Fakt aber ist, dass einer der großen Gewinner dieser ansonsten wenig schmucklosen Partie Manuel Neuer heißt. Als die Weißrussen doch einmal gefährlich wurden wie beim Kopfball von Ivan Maevski (30.), zeigte dieser eine "Weltklasseparade", wie Kimmich zu Recht fand. Schon im Pokalfinale gegen Leipzig erinnerte Manuel Neuer an eine frühere Version von sich selbst. In Borissow bestätigte er seine Form. Mit seinem 87. Länderspiel hat er Oliver Kahn in der Liste der deutschen Torhüter mit den meisten Einsätzen überholt. Nun übertrifft ihn nur noch Sepp Maier (95 Spiele). Bald wird Neuer auch Maier eingeholt haben. Denn es sieht nicht danach aus, als wolle er sich vom diesmal verletzt fehlenden Konkurrenten Marc-André ter Stegen zeitnah verdrängen lassen.

Foto: Maxim Malinovsky/epa
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Lukas Klostermann, Abwehr: Der Posten als Rechtsverteidiger ist einer der aktuell vakanten Jobs im Nationalteam. Klostermann durfte sich diesmal als Außenbahnbearbeiter vor einer Dreierkette anbieten. Gegen das bestenfalls zweitklassige Weißrussland konnte der Leipziger aber kaum Eigenwerbung betreiben. Zwar rettete er in Hälfte eins gegen Kolarev (29.), doch er zeigte auch einige Abspielfehler und ungenaue Flanken. Es könnte sein, dass Lukas Klostermann eher für die Viererkette, denn für die Fünfer- respektive Dreierkette geeignet ist.

Foto: Maksim Valadzko / AFP
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Matthias Ginter, Abwehr: Wie man das mit den genauen Hereingaben macht, zeigte Matthias Ginter: Der Innenverteidiger legte das 2:0 von Reus vor. Der Assist zum 3:0 blieb ihm nur deshalb verwehrt, weil Leroy Sané in den Schlussmomenten der Partie seine Flanke an den Innenpfosten köpfte (83.). Hinten war Ginter zwar nicht immer standfest, aber das war in Borissow auch nicht vonnöten.

Foto: Alexander Hassenstein / Getty Images
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Niklas Süle, Abwehr (ab 87. Minute): Weißrusslands Stürmer Maksim Skavysh läuft allein auf Neuer zu. Süle hat gute zehn Meter Rückstand. Im Strafraum holt er ihn dennoch ein, und Skavysh prallt am langen Bein des Münchners ab. Hatte man bei Süle immer den Verdacht, dass er einen starken Nebenmann als großen Bruder benötigt, um sich an diesem aufzurichten, so befindet er sich langsam auf dem Weg, selbst dieser starke Nebenmann für andere zu werden. Jene Rettungsgrätsche jedenfalls hatte Großer-Bruder-Format.

Foto: Sergei Gapon / AFP
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Jonathan Tah, Abwehr:): Der Leverkusener ist durchaus talentiert. Aber neben Süle spielend erkennt man schon deutlich, was zur internationalen Klasse noch fehlt: die Selbstgewissheit. Dass der große Bruder Süle zum Ausbügeln da war, half Tah, dem Skavysh entwischt war. Richtig sicher wirkte er nie. Tah pendelt zwischen A-Mannschaft und U21-Auswahl: Zum einen, weil er bei der am 16. Juni beginnenden U21-EM Kapitän sein wird, aber zum anderen auch in Bezug auf das Leistungsniveau.

Foto: Sergei Gapon / AFP
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Nico Schulz, Abwehr: Der 26-Jährige ist zum Linksverteidiger Nummer eins in zwei der wichtigsten deutschen Fußballmannschaften aufgestiegen: Beim BVB, wo man gerade 25 Millionen Euro für ihn an Hoffenheim überwiesen hat, und beim Nationalteam. Nach einer verhaltenen ersten Hälfte zeigte Schulz gegen Weißrussland, dass das Zusammenspiel mit Reus für Deutschland und Dortmund irgendwann durchaus gut funktionieren könnte. Dass aus einer seiner scharfen Rückgaben kein Tor resultierte, lag an der allgemeinen Urlaubsreife der Restoffensive.

Foto: Vasily Fedosenko / REUTERS
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Joshua Kimmich, Mittelfeld: Der Münchner wäre wohl auch dann noch motiviert, wenn man ihn von der Urlaubsstrandliege weg auf den Fußballplatz stellen würde. Gern brüllt Kimmich irgendwen an. Diesmal aus Freude Sané nach dessen Führungstor, das Kimmich mit einem schnittigen Zuspiel eingeleitet hatte. Im defensiven Mittelfeld zeigte er keine überragende, aber eine völlig befriedigende Leistung. Damit stand er - mit Ausnahme von Neuer - für das gesamte Team.

Foto: John Macdougall / AFP
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Ilkay Gündogan, Mittelfeld (bis 81. Minute): Besonders an Ilkay Gündogan ist seine Kunst der Vororientierung. Augenblicke, bevor ihm der Ball zugespielt wird, wirft der defensive Mittelfeldspieler den Blick über die Schulter wie beim Autofahren. Das verschafft ihm einen Wissens- und Zeitvorsprung, der im modernen Fußball entscheidend ist. Gegen Weißrussland brachte er so Ordnung ins deutsche Spiel. Dass Toni Kroos fehlte, fiel nicht weiter auf, was am Gegner lag, aber auch an Gündogan.

Foto: Marius Becker / DPA
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Serge Gnabry, Angriff (bis 71.): Der Münchner war einer der Gewinner der Saison. Aber nun wirkte Gnabry müde. Zwei, drei feine Dribblings, die präsentierte der Angreifer schon, aber auch eine von ihm sonst unbekannte Schludrigkeit im Abschluss.

Foto: Alexander Hassenstein/ Getty Images
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Marco Reus, Angriff (bis 76.): Der Dortmunder will die Mannschaft beim Wiederaufbau anleiten, hatte er kürzlich gesagt. Gegen Weißrussland musste sie aber eine Hälfte lang ohne ihn auskommen, obwohl Reus in der Startelf stand. Kaum zu sehen war der 30-Jährige in den ersten 45 Minuten. Als die Kräfte der Weißrussen in Hälfte zwei schwanden, tauchte Reus plötzlich auf und erzielte das 2:0 - sein elftes Tor im 40. Länderspiel. Ansonsten galt auch für ihn: Es war eine lange Saison.

Foto: Mindaugas Kulbis/AP/dpa
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Leroy Sané, Angriff: Der Angreifer entwickelt sich zu einer tragenden Säule des Wiederaufbaus im DFB-Team. In den vergangenen drei Pflichtspielen hat Sané immer getroffen. Sein Tor gegen Weißrussland, das vierte im 20. Länderspiel, war einer der wenigen hellen Momente dieser Partie: Ein schöner Pass von Kimmich, ein Hüftwackler von Sané. 1:0. In weniger ausgeprägter Urlaubsstimmung hätte Sané wohl auch zwei, drei Tore mehr erzielen können. Eines verhinderte der Innenpfosten. Es könnte dennoch sein, dass der Erfolg dieser Mannschaft in Zukunft noch stärker von Leroy Sané abhängen wird.

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Julian Draxler, Mittelfeld (ab 71. für Gnabry): Der Pariser durfte sein 50. Länderspiel bestreiten. Er brachte gegen Weißrussland nach seiner Einwechslung aber keinen frischen Wind mehr und muss sich fragen, warum er eigentlich im Zuge des Umbruchs kein Stammspieler geworden ist.

Foto: Maxim Malinovsky / epa
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Julian Brandt, Angriff (ab 76. für Reus): Der Neu-Dortmunder kam spät und trat nicht mehr groß in Erscheinung. Hat eigentlich das Potenzial für die Startelf, entwickelt sich aber zunehmend zum deutschen Joker.

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Leon Goretzka, Mittelfeld (ab 81.): Der Münchner fiel dem System mit der Dreierkette zum Opfer. Seine Lieblingsposition auf der Acht gab es darin nicht. Gegen Weißrussland mit einem Kurzeinsatz, den man kaum erwähnen muss. Aber Goretzka dürfte noch wichtig werden.

Foto: Alexander Hassenstein / Getty Images
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Marcus Sorg, Trainer: Erstes Länderspiel als Chef, erster Sieg. Der Ersatzmann des noch nicht ganz genesenen Bundestrainers Joachim Löw hatte dabei kaum Hindernisse zu überwinden. Einzig die in Borissow selbst vor der Trainerbank durchgezogene Werbebande musste er überspringen, um seine Mannschaft zu erreichen. Job erfüllt. Jetzt noch Estland am Dienstag schlagen, und dann könnte Sorg als Bundestrainer mit einer Hundertprozent-Siegquote in die Geschichte eingehen.

Foto: Alexander Hassenstein Getty Images
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