DFB-Team in der Einzelkritik Heute ein König
Marc-André ter Stegen, Tor: Der Torwart des FC Barcelona hatte gleich zu Beginn eine Schrecksekunde zu überwinden, als Jamie Vardy über ihn fiel und mancher Schiedsrichter da Elfmeter gepfiffen hätte. Ansonsten blieb ihm der klassische ter-Stegen-Bock im Nationaldress erspart. Im Gegenteil: Blieb kurz vor der Pause cool m Duell mit Dele Alli und verhinderte damit den sicheren Rückstand. Der Beste im deutschen Team.
Joshua Kimmich, Abwehr: Bei den Bayern derzeit nur Ersatz, und das fehlende Selbstvertrauen merkte man dem jungen Außenverteidiger an. Spielte in der ersten Hälfte einen schlimmen Fehlpass, der fast zum 0:1 geführt hätte. Ohne Akzente nach vorne, unsicher nach hinten. Das soll der Kimmich aus dem Vorjahr sein? Die Form von 2016 hat er verloren, aber man weiß ja, was er kann.
Antonio Rüdiger, Abwehr: Nach seiner langen Verletzungspause kehrte der Römer in die DFB-Abwehr zurück, verlieh ihr aber keine Sicherheit. Seine Robustheit brachte er als Trumpf im Zweikampf ein, aber beim Stellungsspiel hatte er Schwächen. Ein filigraner Passspieler wird er wahrscheinlich eh nicht mehr werden.
Mats Hummels, Abwehr: War in der deutschen Wackelabwehr noch derjenige, der sich am meisten um Stabilität mühte. Schloss zwar auch nicht jedes Loch, brachte aber an alter Wirkungsstätte zumindest etwas Ruhe ins Defensivspiel.
Jonas Hector, Abwehr: Er hat schon bessere Länderspiele abgeliefert, genauer gesagt, waren fast alle seiner bisherigen Länderspiele besser. Überraschend nervös, überraschend fehlerhaft. Ließ sich am Flügel mehrfach leicht ausspielen. In der zweiten Halbzeit wurde es zumindest besser.
Julian Weigl, Mittelfeld (bis 66. Minute): Der einzige Dortmunder in der Startelf ist im Verein normalerweise Garant für Pässe, die auch ihre Empfänger finden. Auch Weigl ließ sich jedoch von der Nervosität anstecken und leistete sich ungewöhnliche Schnitzer. War fleißig, aber viel mehr auch nicht.
Emre Can (ab 66., Archivbild): Der Liverpooler kennt die meisten Spieler des Gegners, so richtig profitieren konnte er davon nicht. Sein erster Pass ging gleich ins Seitenaus, anschließend zeigte er sich laufstark, mehr aber auch nicht.
Toni Kroos, Mittelfeld: Der Madrider versuchte als einer der wenigen Weltmeister im Team, das Spiel an sich zu reiße. Allein - es blieb bei dem Versuch. Kroos verteilte die Bälle, wie man es von ihm kennt, aber ein echter Chef war auch er nicht. Immerhin: Wenn was gelang, war meist er beteiligt, so auch am 1:0, das er per Steilpass einleitete.
Julian Brandt, Mittelfeld (bis 59.): Der junge Leverkusener ist jemand, auf den Joachim Löw in der Zukunft bauen will. Brandt war eifrig, er lief jedem Ball hinterher, aber das, wofür er auch aufgestellt wurde, fehlte ihm: Es ging keine Torgefahr von ihm aus. Kurz nach der Pause hatte er allerdings einmal Pech mit einem Distanzschuss.
André Schürrle (ab 59.): Der Dortmunder machte gleich mit einem strammen Schuss auf sich aufmerksam. Anschließend war nicht mehr allzu viel von ihm zu sehen. Schürrle muss ein bisschen aufpassen, dass er sportlich in der DFB-Elf nicht zum neuen Podolski wird, der nur noch Kurzeinsätze bekommt.
Lukas Podolski, Mittelfeld (bis 84.): Der Spieler, um den sich an diesem Abend alles drehte. Erst wurde er mit viel Pomp verabschiedet, anschließend versuchte er alles, um in seinem letzten Spiel noch das 49. Länderspieltor seiner Karriere zu erzielen. In der 69. Minute war es dann tatsächlich so weit, und besser kann man sich das natürlich nicht ausdenken. Mit seinem satten Schuss erinnerte er noch einmal daran, was dieser linke Fuß einst anrichten konnte. Er wird den Abend in vollen Zügen genossen haben. Nach 82 Minuten erhielt er seine Standing Ovations.
Sebastian Rudy (l., ab 84.):Kam für die letzten sieben Minuten aufs Feld und wird sich später daran erinnern. Weil er für Podolski eingewechselt wurde.
Leroy Sané, Mittelfeld (l.): Der einzige England-Profi in der deutschen Startelf hat bei Manchester City momentan eine gute Zeit, den Lauf von dort hat er aber nicht aufs Festland mitnehmen können. Auch er leistete sich einige schlampige Pässe, fahrige Laufwege und blieb lange ohne jede Torgefahr. Bis zur Schlussphase. Da verpasste er zweimal das mögliche 2:0. Er wird bessere Partien abliefern.
Timo Werner, Angriff (bis 77.): Die Premiere des Leipzigers kann man nur sehr bedingt als geglückt bezeichnen. Wie seine Nebenleute lief er sich fest, passte mehrfach ins Leere und lief dahin, wo der Ball gerade nicht war. Aber auch das sollte man noch nicht zu hoch werten. Werner hat mit seinen 21 Jahren ebenso wie Brandt und Sané noch genug Gelegenheiten, seine Qualität zu beweisen. An diesem Abend war das noch nicht der Fall.
Thomas Müller (ab 77.): Der Münchner kam für die Schlussviertelstunde in die Partie. Wie es ist, von der Ersatzbank zu kommen, hat er ja bei den Bayern zuletzt mehrfach lernen müssen. Aber Müller ist und bleibt einer für die Startelf. Das weiß der Bundestrainer auch.