Die alte Schutzhülle: Sarg mit Löchern - DER SPIEGEL
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Die alte Schutzhülle Sarg mit Löchern

Rund 500.000 Männer setzte die Sowjetregierung 1986 in Marsch, um die Katastrophe von Tschernobyl zu bekämpfen. Auf umgerechnet 18 Milliarden Dollar bezifferte Staatschef Michail Gorbatschow einmal die Kosten der Rettungsaktion. In nur 200 Tagen bauten Moskaus Liquidatoren eine Schutzhülle um den Reaktor. Wo ferngesteuerte Roboter versagten, mussten Soldaten selbst ran. Liquidatoren wurden so etwa auf das Dach des Reaktors geschickt, um radioaktive Trümmer zurück in den Krater zu schippen. „Bio-Roboter“, nannten sich die Männer selbst, menschliche Maschinen.
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Der von den Sowjets eilig gebaute Sarkophag hat unzählige Löcher und Risse. Das liegt auch daran, dass die hohe Strahlung längere Arbeiten an der Baustelle unmöglich machte. Viele Komponenten des Sarkophages wurden ferngesteuert montiert. Als die Steuerung von Robotern aufgrund der Radioaktivität versagte, wurden Männer auf das Dach des Reaktors geschickt. Die Liquidatoren streiften sich 30 Kilogramm schwere Rüstungen aus Bleiplatten über und schippten radioaktive Trümmer zurück in den Explosionskrater. Sie selbst nannten sich "Bio-Roboter", menschliche Maschinen.

Foto: Konstantin Melnitskij
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Eigentlich nur für eine Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren konzipiert, drohte der Sarkophag immer wieder zusammenzubrechen. Mithilfe westlicher Geldgeber wurde die Konstruktion inzwischen stabilisiert, 80 Prozent der Dachlast ruhen nun auf externen Gerüsten. Das Risiko lokaler Abbrüche ist jedoch noch immer nicht gebannt. In einem solchen Fall könnte eine radioaktive Staubwolke erneut weite Landstriche verseuchen.

Foto: Bernhard Blank
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Baustelle des neuen Sarkophags: Für 1,6 Milliarden Euro lässt die internationale Gemeischaft eine neue Hülle um die Reaktorruine bauen. Unter dem Schutz des neuen Mantels könnte dann die instabile Dachkonstruktion demontiert werden, später sogar der gesamte Reaktor. Doch dafür gibt es derzeit weder ein Konzept noch Geld. Experten schätzen, eine Bergung des Brennstoffs könnte 40 bis 50 Jahre dauern.

Foto: Bernhard Blank
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