Die Amischen Geschichte eines nächtlichen Bartraubs
Hinter den bizarren Attacken der als pazifistisch bekannten Amisch steht ein Konflikt, der sich an diesem Mann entzündet: Samuel Mullet ist Kopf einer rund 120 Mitglieder umfassenden Sekte innerhalb der Amish-Gemeinde. Mullet soll extrem autoritär sein. Er wurde von einem Geschworenengericht in Ohio schuldig gesprochen, die Bartattacken angeordnet zu haben, und zu einer Haftstrafe von 15 Jahren verurteilt.
Levi Miller, Johnny und Lester Mullet: Ihre Fotos gingen um die Welt, nachdem sie im Oktober 2011 als Beteiligte einer Reihe mysteriöser nächtlicher Überfälle identifiziert wurden. In mehreren Fällen sollen sie andere Amische überfallen und unter körperlichem Zwang die Bärte abrasiert haben.
Mitglieder der Amisch-Sekte: Die Staatsanwaltschaft sagte, die Angeklagten seien auf Mullets Geheiß in die Häuser der Opfer eingedrungen, hätten sie körperlich angegriffen und "fast wie Tiere geschoren".
Im Gerichtsgebäude in Cleveland: Um eine Verurteilung wegen Hassverbrechen zu erreichen, musste die Staatsanwaltschaft beweisen, dass die Bartattacken religiös motiviert waren und damit mehr als nur eine einfache Körperverletzung darstellen. Die Geschworenen folgten dieser Argumentation.
Ein Farmer und seine Kinder in Middlefield, Ohio: Die zutiefst religiöse Minderheit in den USA, die bis heute einen urtümlich klingenden süddeutschen Dialekt pflegt, gilt als Glaubensgemeinschaft, die regelrecht aus der Zeit gefallen ist.
Die Amisch-Sekten lehnen die meisten modernen Errungenschaften ab und pflegen einen Lebensstil, der stark an das frühe 19. Jahrhundert erinnert. Der Fall der Bartattacken sorgte für Schlagzeilen, weil er so gar nicht in das Image der Amish passen will.
Als religiöse Fundamentalisten sind sie einem bescheidenen Lebenstil verpflichtet, der nicht zuletzt archaisch anmutende Geschlechterrollen einschließt.
So erkennt man am Bart eines Amisch ob der noch unverheiratet ist (gestutzter Bart) oder verheiratet (wild wachsend). Die Gesichtsbehaarung hat religiöse und soziale Relevanz, und die Zwangsrasurattacken entpuppen sich als zutiefst verletzende Angriffe auf das Selbstverständnis.
Mit dem Gesetz kommen die Amischen vor allem dann in Konflikt, wenn ihre religiösen Regeln mit neuzeitlichen Gesetzen kollidieren. So gab es im September 2011 eine regelrechte Verhaftungswelle gegen Amish, weil diese sich weigerten, Warndreiecke in leuchtendem Orange am Heck ihrer Kutschen anzubringen. Form und Farbe der Warnzeichen, argumentieren besonders fromme Amish, vertrügen sich nicht mit ihren religiösen Regeln: Leuchtstreifen seien okay, Dreiecke aber nicht.