Verlustreiche Wirtschaftszeitung Die Chefs der "FTD"
Andrew Gowers war Gründungschefredakteur der "FTD". Der Brite wollte mit dem Blatt Leser erreichen, "die Wichtigeres zu tun haben, als Zeitung zu lesen".
Leider hatten die Leser tatsächlich Wichtigeres zu tun: Das Aus für die "Financial Times Deutschland" ist beschlossene Sache. Nach knapp 13 Jahren stellt die Zeitung ihr Erscheinen ein.
Damit zieht das Hamburger Verlags- und Druckhaus Gruner + Jahr die Konsequenzen aus den anhaltenden Verlusten des Blattes. Insgesamt soll die Zeitung ein Defizit von 250 Millionen Euro angehäuft haben.
Seit September führt Julia Jäkel den Vorstand von Gruner + Jahr. Auf einer Betriebsversammlung am 23. November versuchte sie, tröstende Worte für die "FTD"-Redaktion zu finden.
2001 wurde Andrew Gowers zum Editor der britischen "Financial Times" in London berufen. Einer seiner Nachfolger wurde Christoph Keese (l.). Er ist heute beim Springer-Verlag beschäftigt.
In Keeses Amtszeit fiel die umstrittene Wahlempfehlung für die Union. Zur Bundestagswahl 2002 setzte die Chefredaktion eine Empfehlung für Edmund Stoiber durch, obwohl sich viele Redakteure für SPD und Grüne ausgesprochen hatten.
Seit 2004 ist Steffen Klusmann Chefredakteur der "FTD". Auch unter seiner Ägide schaffte das Blatt nicht den Sprung in die Gewinnzone.
Gruner + Jahr beschloss nicht nur das Aus für die "Financial Times Deutschland". Auch von den Wirtschaftsmagazinen "Impulse" und "Börse Online" will sich der Verlag trennen.