Die Deutschen und der Holocaust "Alle in der Etappe wussten es"
Soldatenheim in Zwiahel: In den Soldatenheimen der Wehrmacht, im Propagandajargon der Nationalsozialisten als "Inseln der Heimat" für die Truppe gefeiert, sollten sich die Landser vom Einsatz erholen. Manche Soldatenheime versorgten bis zu 10.000 Männer täglich. Die Aufnahme machte die damals 21-jährige Annette Schücking, die als DRK-Helferin 1941 zeitweilig das Soldatenheim in Zwiahel (Nowograd-Wolynski) leitete.
DRK-Helferin Schücking: 1941 meldete sich Annette Schücking, die aus einem pazifistisch eingestellten Elternhaus stammt, zum Dienst beim Deutschen Roten Kreuz. Im ukrainischen Zwiahel (heute Nowograd-Wolynski) übernahm die damals 21-Jährige zunächst die Leitung eines Soldatenheims. Schon auf der Bahnfahrt dorthin erzählten ihr Soldaten offen von Gräueltaten.
Zeitzeugin Annette Schücking-Homeyer: Die pensionierte Richterin und Mitbegründerin des Deutschen Juristinnenbundes arbeitete im Zweiten Weltkrieg als Krankenschwester des Deutschen Roten Kreuzes in den besetzten Gebieten hinter der Ostfront. Dort wurde in ihrer Gegenwart ganz offen über Mordaktionen gegen Juden gesprochen. "Das wurde abends bei Tisch erzählt", erinnert sie sich.
Tatort Zwiahel: Diese Aufnahme der Hauptstraße des ukrainischen Städtchens Zwiahel (Nowograd-Wolinsky) machte Annette Schücking-Homeyer 1941 als DRK-Krankenschwester. Kurz vor ihrer Ankunft dort waren in Zwiahel mehrere Tausend Juden von SS-Angehörigen und Polizisten unter Mithilfe von Wehrmachtsangehörigen ermordet worden.
Diese Aufnahme aus dem Fotoalbum der damals 21-jährigen Rotkreuz-Helferin Annette Schücking entstand 1941 in der ukrainischen Kleinstadt Zwiahel (heute Nowograd-Wolynski), 200 Kilometer westlich von Kiew. Das Bild zeigt die Brücke über den Fluss Slutsch.
Das Foto, entstanden um 1941, zeigt das Ghetto in der ukrainischen Stadt Rowno. Die DRK-Helferin Annette Schücking fuhr 1942 jede Woche vom 100 Kilometer westlich gelegenen Zwiahel nach Rowno, um Lebensmittel für ihr Soldatenheim zu holen. Bei einem Besuch im Juli 1942 bemerkte sie, dass das Ghetto geräumt worden war und beobachtete, wie deutsche Uniformierte in der Stadt Frauen und Kinder zusammentrieben, die sich versteckt hatten.
Signatur im Bundesarchiv: B 162 Bild-04226
Diese Aufnahme aus dem Nachlass des Wehrmachtssoldaten Fritz Heinze, der 1941 in Zwiahel war, trägt auf der Rückseite die Aufschrift: "Swiahel August 41. Sie warten auf ihren Tod. Jüdische, polnische und ukrainische Frauen und Kinder (vom Säugling bis zur Greisin) sind in einem Gewächshaus eingesperrt, weil die ausgeworfenen Gruben für die vielen Erschießungen nicht ausreichten. Sie kamen am anderen Tag dran. Fritz Heinze, Siegmar Schönau P-Mitterhoferstr. 7" Möglicherweise hat Heinze die Aufnahme nicht selbst gemacht, sondern sie von einem Kameraden bekommen, da er offenbar erst im November 1941 nach Zwiahel kam. In russischen Archiven finden sich Belege, dass dort Ende August 1941 neben dem "Haus der Roten Armee" 700 Juden - darunter Frauen und Kinder - erschossen wurden.
Von den deutschen Besatzern zusammengetriebene jüdische Männer, Frauen und Kinder müssen am 4. Juli 1941 im ukrainischen Storow ihr eigenes Grab ausheben, bevor sie erschossen werden.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-A0706-0018-029
Ein Soldat in deutscher Uniform zielt auf eine Mutter, die ein Kind in den Armen hält. Links im Bild sind noch zwei weitere Gewehrläufe zu erkennen, direkt dabei liegt eine tote Person. Von Kugeln getroffen, sacken rechts mehrere Menschen zusammen. Offenbar mussten sie vorher ihre eigenen Gräber ausheben; zwei Schaufeln und aufgeworfene Erde sind deutlich zu erkennen. Die Aufnahme wurde von einem Landser per Post in die Heimat verschickt, aber in einem Warschauer Postamt vom polnischen Widerstand abgefangen. Auf der Rückseite steht lapidar "Ukraine 1942, Judenaktion, Ivangorod".
Ein deutscher Polizist zielt mit seiner Maschinenpistole auf eine Frau, die die vorangegangene Massenexekution von Juden aus dem Ghetto Misotsch (Westukraine) offenbar überlebt hat. Ein anderer bewaffneter Uniformierter schaut zu. Dem Massaker am 14. Oktober 1942 fielen rund 1700 Menschen zum Opfer.