Die Erfindung der Stromlinie - DER SPIEGEL
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Überall Stromlinien Windschnittig gebügelt, gebohrt und gepresst

Windschnittig, dynamisch und manchmal völlig sinnfrei: In den zwanziger Jahren begannen Ingenieure und Designer, mit der Stromlinienform zu experimentieren. Im Geschwindigkeitsrausch trimmten sie Fahrzeuge auf Tempo - und tunten schließlich sogar Bügeleisen und Schreibtischlampen.
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»Teardrop Car«: Ein stromlinienförmiges Automobil, wie es sich der US-Designer Norman Bel Geddes in einer Konzeptstudie aus den dreißiger Jahren vorstellte – seinen Namen erhielt das Gefährt aufgrund seiner Tropfenform (Zum Artikel »Haushalt auf Highspeed«)

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Wie ein abschussbereites Projektil: Ein von Raymond Loewy entworfener und 1934 patentierter Bleistiftanspitzer

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Fruchtsaftrakete: Die Zitronenpresse »Juicy Salif«, Ende der achtziger Jahre von dem französischen Produktgestalter Philippe Starck entworfen, begeisterte wegen ihres Designs – wegen ihrer Funktionalität allerdings kaum

Foto: CC BY-SA 3.0 Niklas Morberg
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Schnelle Hülle: 1923 baute Audi den Versuchswagen Typ K mit einer stromlinienförmigen Karosse nach einem Entwurf des Ingenieurs Paul Jaray. Der Flitzer schaffte eine Spitzengeschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde. Die bis dahin von Audi – mit dem gleichen Motor – gebauten Wagen erreichten nur 95 Kilometer pro Stunde.

Foto: Audi
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Windschnittig durch die Wand: Diese Bohrmaschine wurde in den dreißiger Jahren von einem heute unbekannten Designer gestylt. Als Sammlerstück ist sie noch immer begehrt.

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Pfeilschnell: Der 1914 von Marco Ricotti entworfenen A.L.F.A 40/60 HP Aerodinamica ging als einer der ersten aerodynamischen Personenwagen in die Geschichte ein. Während das übliche Modell Alfa 40/60 – mit gleichem Motor, aber ohne windschlüpfige Karosserie – bis zu 110 km/h erreichte, schaffte diese Version eine Höchstgeschwindigkeit von 139 km/h. Sie ging allerdings nie in Serie. Immerhin blieb der Prototyp erhalten.

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Nur Handgepäck: Der von den Rumpler-Werken ab 1921 produzierte Tropfenwagen zeichnete sich durch verminderte Staubaufwirbelung aus. Zudem sollte er - bei gleicher Motorleistung - schneller als die zu dieser Zeit üblichen kastenförmigen Automobile fahren und weniger Kraftstoff verbrauchen. Hergestellt wurden davon allerdings nur 100 Stück, 1925 wurde die Produktion eingestellt.
Als problematisch hatten sich nicht nur Konstruktionsfehler an Motor und Lenkung erwiesen, sondern auch die Tatsache, dass es keinen Kofferaum gab. Die wenigen gebauten Modelle kamen hauptsächlich als Taxis in Berlin auf die Straße.
Für Überraschung...

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...sorgte hingegen ein Windkanaltest im Jahre 1979. Ingenieure des VW-Werks Wolfsburg hatten das längst museumsreife Stück auf seine aerodynamischen Qualitäten geprüft und festgestellt: Mit einem Luftwiderstandswert von nur 0,28 schnitt Rumplers Tropfenwagen deutlich besser ab als die meisten aktuellen Wagen.

Foto: Volkswagen Aktiengesellschaft
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Streamliner: Die Bahn macht sich flott. Um gegen die Konkurrenz von Luftfahrt und Automobil bestehen zu können, bemühten sich amerikanische Eisenbahngesellschaften in den dreißiger Jahren nicht nur um schnellere Verbindungen - mit neuem Design, wie bei diesem Zug 1938 in Chicago, möbelten sie auch ihr Image auf.

Foto: AP
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Unter Dampf: Das von Henry Dreyfuss 1948 für die General Electric Co. entworfene Bügeleisen sollte dem Käufer vermutlich suggerieren, dass er bei der Hausarbeit mindestens so viel Spaß haben würde wie bei der Fahrt in einem Cadillac

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Eiskalt geföhnt: Der Designer dieses zwischen 1935 und 1940 entworfenen Haarföhns nannte ihn wenig passend "Eskimo"

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Spritsparer: Dieses stromlinienförmige Taxi benötigte überhaupt kein Benzin mehr - dafür musste der Fahrer in die Pedale treten. In Dänemark war dieses Gefährt aufgrund der Benzinrationierungen während des Zweiten Weltkriegs populär.

Foto: AP
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Windkanalgetestet war dieser Londoner Kinderwagen aus dem Jahre 1935 vermutlich nicht - stromlinienförmig und mit Schiebefenster ausgestattet stand er in Sachen Komfort den Automobilen aber wohl kaum nach

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Windschnittig: Der Industriedesigner Sir Misha Black stellte 1935 bei der "Britain Can Make It"-Ausstellung sein aerodynamisches elektrisches Fahrrad vor

Foto: Getty Images
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Im Schlagloch geendet: Mit seinem O 3750 stellte Mercedes Benz zwischen 1933 und 1941 den ersten Omnibus in Stromlinienform her – hier ein Modell von 1939. Hauptabnehmer war die Deutsche Reichspost. Sie stellte mehr als 4000 dieser Busse für den Transport von Arbeitern bereit, die für Hitler den »Westwall« an der Grenze des »Deutschen Reichs« bauen sollten.
Auf Dauer erwies sich das Modell allerdings als ungeeignet: Die Busse waren zwar schnell, hatten aber – noch mehr als die sonst genutzten Lkws – aufgrund ihrer langen Radstände große Probleme auf den schlechten Straßen im Osten.

Das Foto wurde von www.omnibusarchiv.de  zur Verfügung gestellt.

Foto: www.omnibusarchiv.de
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Das Jahrzehnt der Streamliner: Der »Reading Crusader«, ein Schnellzug, verband in den dreißiger Jahren Philadelphia mit Jersey City

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Ein Luftzug: Der »Schienenzeppelin«, ein Triebwagen aus Aluminium mit Luftschraubenantrieb am Heck, wurde von dem Eisenbahnkonstrukteur Franz Kruckenberg entworfen. Der Vorläufer der Hochgeschwindigkeitszüge erreichte bereits 1931 auf der Strecke Hannover-Celle eine Rekordgeschwindigkeit von 230 Stundenkilometern.

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Hebt gleich ab: Der Tischventilator »Airflow«, 1937 entworfen von Robert Heller

Foto: AP
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»City of Salina«: Der stromlinienförmige Zug der Union Pacific Railroad mit dem klangvollen Namen stammte aus einer Fabrik in Chicago und wurde am 31. Januar 1935 für die tägliche Fahrt zwischen Salina und Kansas City eingesetzt

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Guter Dreh: Als könnte er sich aus eigenem Antrieb bewegen – der »Mixall jr.«. Das Küchengerät kam nach Ende des Zweiten Weltkriegs auf den Markt

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Streamlined im Büro: Eine Schreibtischlampe von 1939. Walter Dowin Teague entwarf das Modell 114 »Executive« für Polaroid.

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Unter Strom: Der Industriedesigner Raymond Loewy, hier am 16. November 1953 in seinem Büro in New York, hat so ziemlich alles gestreamlined, was ihm im Alltag begegnete – von der Krawattennadel bis zum Bahnhof. Natürlich auch Rasierer.

Foto: AP
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Überflieger: Sich am Frontgeländer der Lok festklammernd hatte Designer Raymond Loewy zu Beginn seiner Karriere eine Freiluftfahrt mit der Bahn unternommen. Die aufsehenerregende Aktion deklarierte er als empirisches Experiment. Danach fühlte er sich berufen, selbst stromlinienförmige Verkleidungen für Lokomotiven zu entwerfen.

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Schnittiger Küchenhelfer: Eine 1942 von Egmonth H. Arens entworfene Schneidemaschine im Stromliniendesign

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Im Fahrtwind: Der Electrolux-Staubsauger "Model 30" von 1937, entworfen von Lurelle Van Arsdale Guild, sollte der modernen Hausfrau das Gefühl vermitteln, Staubsaugen ginge mit diesem Gerät in Windeseile

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Einer der letzten Versuche, Fahrgäste für einen Stromlinienbus zu begeistern, fand 1956 in Turin statt. Die Firma Viberti präsentierte ihren Golden Dolphin, mit Kunststoffkarosse und Gasturbinenantrieb. Angeblich sollte das Gefährt eine Spitzengeschwindigkeit von 200 km/h erreichen. Den Beweis blieb das Unternehmen allerdings schuldig. Abnehmer fanden sich offenbar keine.

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Abgefahren: Ein Cadillac Coupe DeVille von 1959. Die damals moderne monströse Heckflosse machte auch dieses Modell eines Straßenkreuzers zumindest rein äußerlich deutlich schneller als konventionelle Wagen.

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