Die Erfindung des Spoilers Dicke Lippe
Käfer mit Tiefensteuer: Aufnahme des von Kamei-Gründer Karl Meier erfundenen Tiefensteuers. Bereits 1953 hatte er damit den ersten Spoiler an einem Serienfahrzeug montiert - der Markt war jedoch noch nicht reif dafür.
911 Carrera RS 2,7 Coupé: 1972 schuf Porsche dieses Sondermodell des 911 in einer Kleinserie, um dafür die Zulassung als Rennwagen zu erlangen. Charakteristisches Merkmal des in Leichtbauweise hergestellten 911 RS war der ausladende Spoiler, im Volksmund schnell "Entenbürzel" getauft.
911 Turbo 3.0 Coupé: Was unterschied die Turbo-Variante schon von weitem vom normalen 911? Der ausladende Heckspoiler. Porsche will bei eigenen Tests selbst bei niedrigen Geschwindigkeiten mit dem Heckleitwerk das Fahrverhalten deutlich verbessert haben.
190 E 2.5 16V Evo I: Hinter dieser kryptischen Buchstaben-Zahlenkombination verbirgt sich der Traum vieler Mercedes Fans - sie nennen ihn nur kurz, aber respektvoll "EVO I". Die auf 500 Stück limitierte Sonderserie des "Baby-Benz", dem 190 E, war im Vergleich zu ihrem Nachfolger, dem EVO II, schon beinahe zurückhaltend gestaltet.
BMW 2002 Turbo: Auf den ersten Pressefotos trug der BMW 2002 Turbo den Schriftzug auf dem Frontspoiler noch in Spiegelschrift. Doch das Echo war wenig ermutigend. So etwas verführe zum Verstoß gegen die Verkehrsvorschriften, so der Tenor der öffentlichen Diskussion um das Logo - am Ende erschien der Turbo ohne Spiegelschrift.
BMW 3.0 CSL - das "Batmobile": In einer Kleinserie wurde zu Homologationszwecken für den Tourenwagensport von BMW eine brutal verspoilerte Version des Leichtbau-Coupés 3.0 CSL produziert. Tiefe Frontschürze, Finnen an den Seitenkanten, ein ableitender kleiner Flügel auf der hinteren Dachkante und ein ausladender Heckspoiler, der dem Wagen umgehend den Spitznamen "Batmobile" beschert - Aerodynamikpaket am Anschlag. Der Heckspoiler allerdings wurde im Kofferraum des Autos ausgeliefert - er hatte vom TÜV keine Freigabe für die Straße bekommen.
190 E 2.5-16 Evolution II, 1990: Der TÜV, sonst bei Spoilerfans eher als Spaßbremse in Verruf, diktierte den Mercedes-Konstrukteuren diesen Monster-Flügel ins Pflichtenheft - menschliche Unfallgegner müssten zwischen Flügel und Kofferraum hindurchrutschen können, so die Forderung.
F40 Ferrari: Glasklar ein Kind der Achtziger - der Ferrari F 40 mit üppig dimensioniertem Heckspoiler.
Lamborghini Countach: Ohnehin nicht gerade ein Synonym für Understatement, wird der Lamborghini Countach mit diesem Heckspoiler im Stile eines Kampfjets zum geschmacklichen, äh, Überflieger.
Audi TT: Der Audi TT sollte ursprünglich ohne Spoiler auskommen. Dann verunglückten mehrere Kunden und sogar ein Audi-Testfahrer tödlich bei hohen Geschwindigkeiten mit dem TT - der Wagen hatte bei hohen Geschwindigkeiten zu wenig Haftung auf der Hinterachse. Abhilfe schaffte dieser kleine Spoiler auf der Heckklappe, der fortan zur Serienausstattung gehörte.
Kamei-Werbung: Viele Hersteller von Spoilern warben mit den Benzin sparenden Eigenschaften ihrer Produkte. Diese waren auch tatsächlich vorhanden, lagen allerdings im Promille-Bereich. Bei der Haushaltsbudgetplanung am Abendbrottisch wurden sie trotzdem zum unschlagbaren Argument.
Aerodynamik für Anfänger: Mit diesen kleinen Bändseln arbeiteten die Aerodynamiker im Windkanal die Verwirbelungen und Luftströme einzelner Spoilermodelle heraus. Spoilerhersteller Kamei warb offensiv damit und schenkte seinen Kunden ein paar Exemplare zum Aufkleben auf die Motorhaube.
Käfer-Spoiler: 1972 nahm Kamei erneut Anlauf mit einem Spoiler für den Käfer - diesmal mit Erfolg. Innerhalb kürzester Zeit folgten Spoiler und ganze Kits für Fahrzeuge verschiedenster Hersteller.
Das Tiefensteuer im Windkanal: 22 Jahre nach der Erfindung des Tiefensteuers belegte ein Besuch im Windkanal, dass der erste Spoiler an einem Serienfahrzeug bestens funktioniert hätte - der Auftrieb an der Vorderachse konnte um 16 Prozent verringert werden.
Dodge Daytona: 1970 fuhren der Dodge Daytona und sein eineiiger Konzernzwilling, der Plymouth Roadrunner Superbird dank eines riesigen Heckflügels in der amerikanischen Nascar-Serie einen Sieg nach dem anderen ein. Die Autos waren derartig überlegen, dass sie in der nächsten Saison laut Reglement verboten wurden.
Lotus 49: Als erstes Formel-1-Team setze Lotus auf die Vorteile eines Spoilers. Nach nur wenigen Rennen wurde das Leitwerk deutlich abgesenkt - zu oft waren die Streben des Flügels gebrochen.
Sierra RS Cosworth: Auch Ford wollte mitmischen im Reigen der großen Flügel - mit einer Sonderserie des Sierra RS Cosworth zur Homologation des Tourenwagens. Früher verschrien, heute als Sammlerobjekt extrem begehrt.
"Manta, Manta": Durch den 1991 in den deutschen Kinos laufenden Film bekamen Spoiler endgültig ihr Proleten-Image - und keiner wollte mehr einen haben. Für viele Tuning-Firmen bedeutete "Manta, Manta" daher das Aus.