Die Ermordung von Sergej Kirow - DER SPIEGEL
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Ermordung des Leningrader Parteichefs Stalins "Großer Terror"

Am 1. Dezember 1934 erschoss ein Attentäter Sergej Kirow. Nach dem Mord an dem Leningrader Parteichef entfachte der Sowjetdiktator Josef Stalin eine gnadenlose Säuberungswelle.
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Tod in Leningrad: Sergej Kirow eilte am 1. Dezember 1934 zu einer Besprechung in der Leningrader Zentrale der Kommunistischen Partei. Dort wartete bereits ein Attentäter auf den Politiker. Mit einem Schuss in den Hinterkopf ermordete Leonid Nikolajew Kirow gegen 16.30 Uhr.

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Belastete Freundschaft: 1926 demonstrierten Josef Stalin und Sergej Kirow ihre Zuneigung. In späteren Jahren traten Spannungen zwischen dem Diktator und seinem Statthalter in Leningrad auf. Bei den Wahlen zum Zentralkomitee 1934 erhielt der Kandidat Kirow nur drei ablehnende Stimmen, Stalin dagegen rund 290. Daheim in Leningrad wagte es Kirow sogar, Stalins Stimme zu parodieren.

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Feierliches Begräbnis: Kirows Begräbnis gestaltete Stalin zu einem Staatsakt. Hunderttausende Menschen strömten in Moskau zusammen. Der Tote wurde an der Mauer des Kreml bestattet.

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Gerüchteküche: Während Stalin öffentlich trauerte, gingen Gerüchte um. Angeblich hätte der Diktator selbst Kirow beseitigen lassen. Vor allem der mysteriöse Autounfall von Kirows Leibwächter kurz nach dem Attentat, der eigentlich seinen Chef hätte schützen sollen, schürt bis heute derartige Vermutungen.

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Dem Tod geweiht: Stalin präsentierte der Öffentlichkeit dagegen sofort einen Schuldigen. Grigori Sinowjew, der zweite von rechts, trage die Schuld an Kirows Tod. Sinowjew hatte versucht, Stalins Aufstieg zu verhindern. Sinowjew war zudem Kirows Vorgänger als Leningrader Parteichef.

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Ein zweiter Schuldiger: Zusammen mit Sinowjew verhaftete der NKWD Mitte Dezember auch Lew Kamenew. In einem Geheimprozess verurteilte man die beiden engen Kampfgefährten Lenins zunächst zu zehn Jahren Haft. 1936 saßen die beiden erneut auf der Anklagebank. Beim ersten großen Schauprozess in Moskau erhielten beide die Todesstrafe.

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Herr des Terrors: Vor dem Prozess gegen Sinowjew und Kamenew hatte Stalin den beiden ihr Leben garantiert. Trotzdem ließ er die beiden erschießen. Anschließend machte sich Stalin mit seinen Getreuen über die verzweifelten Versuche Sinowjews lustig, sein Leben zu retten.

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Vom Liebling zum Angeklagten: Revolutionsführer Lenin hatte Nikolai Bucharin zum "Liebling der ganzen Partei" erklärt. 1938 saß der kommunistische Theoretiker trotzdem beim dritten Schauprozess auf der Anklagebank. Auch Genrich Jagoda, der als NKWD-Chef bis zu seiner Entmachtung unzählige angebliche Verschwörer gejagt hatte, befand sich unter den Angeklagten. Das Urteil lautete auf Tod.

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Gegner im Ausland: Leo Trotzki betrachtete Stalin als seinen besonderen Intimfeind, echte und vermeintliche Trotzkisten ließ er gnadenlos verfolgen. Der einstige Kriegskommissar Trotzki selbst lebte im Exil. Sein Haus in Mexiko ließ er aus Angst vor Anschlägen zur Festung ausbauen.

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Der Feind im eigenen Haus: 1940 ereilte Trotzki trotzdem Stalins Rache. Ein sowjetischer Agent schleuste sich ins Haus ein und attackierte den Exilanten mit einem Eispickel. Kurz darauf starb der einst mächtige kommunistische Politiker.

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Roter Zar: Anfang 1938 begann Stalin den grenzenlosen Terror zu kritisieren, den er selbst entfacht hatte. Allerdings starben noch rund 70.000 Menschen, bis Stalin im November offiziell das Morden einstellte. Bis heute ist unklar, ob Stalin an Kirows Ermordung beteiligt war oder den Anlass nutzte, um seine Feinde zu liquidieren. Einige Forscher attestieren dem Gewaltherrscher eine mordlüsterne Paranoia.

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