Die Flaschenpost Fernweh zum Anfassen
Angeschwemmte Flaschenpost: Anstatt romantische Sehnsüchte zu erfüllen sind die Boten des Meeres heute entscheidend für die Messung des Klimawandels. Sogar Langzeitwetterprognosen sind durch das Treibgut möglich.
Post aus dem Ersten Weltkrieg: 1999 erreichte eine Flaschenpost die Küste im englischen Durham, die die letzte Nachricht des Soldaten Thomas Hughes aus dem Ersten Weltkrieg an seine Frau enthielt. Hughes 87-jährige Tochter Emily reiste aus Neuseeland an und nahm die Bierflasche und den Brief in Empfang.
Zufallsbekanntschaft: Die Holländerin Mia Lelivelt (R) warf im Urlaub in Brasilien eine Flaschenpost ins Meer, die Maria Luz Cazalla (L) vier Monate später im spanischen Barbate am Strand fand.
Die größte Flaschenpostbriefsammlung weltweit: Ab 1887 gab das Bundesamt für Seeschifffahrt Kapitänen großer Handelsschiffe vorgefertigte Flaschen mit auf den Weg. James McDonald, Kapitän auf großer Fahrt, präsentiert eine Flaschenpost, die den Weg zurück in die Sammlung gefunden hat.
Moderner Nachfolger: Gut anderthalb Meter hoch und aus gelb lackiertem Aluminium sind die "Floating Drifters". Ausgerüstet mit Mess- und Sendeinstrumenten treiben sie durch die Weltmeere und unterstützen die Klimaforschung.
Eine nicht tauchfähige moderne Flaschenpost: Die Ozeanographin Birgit Klein von Bundesamt für Schifffahrt und Hydrogrtaphie mit dem Exemplar eines nicht tauchfähigen, auf den Meeren treibenden Strömungsmessgeräts. Normalerweise habe sie zusätzlich ein Segel das sich unter der Wasseroberfläche befindet. Es soll die Strömung des Wassers verstärken und Einflüsse des Windes auf die Messkugel minimieren.
Flaschenkunst: 365 verschiedene Flaschenpost-Exemplare hat der 1941 geborene Objektkünstler Frank Popp (nicht auf dem Foto) als Lehrender der Freien Kunst an der Fachhochschule Hannover zu einem Kunstwerk zusammengestellt. "Nachrichten und Botschaften aus dem Leben" heißt sein von 1988 bis 1996 entstandenes Werk.
Flaschenforscher: Seit den Siebziger Jahren setzt der amerikanische Forscher Robert Morgan in Florida Flaschen aus, um anhand ihrer Reise den Golfstrom zu studieren. Dieses Exemplar war rund drei Jahre unterwegs, bis es an der französischen Insel Ile de Ré gestrandet ist.
Flaschenpost kommt unter den Hammer: Das Londoner Auktionshaus Christie's versteigerte 2004 einen exklusiven Flaschenpost-Fund. Flasche und Brief wurden von dem schottischen Missionar und Afrikaforscher Dr. David Livingstone 1859 in Afrika an der Mündung des Sambesi ausgesetzt. Livingston schreibt in dem Brief, dass er dringend Proviant benötigt.
Aus dem Automaten: Gegen Einwurf von zwei Euro spuckt dieser Automat die nötigen Utensilien aus: Flasche, Briefpapier, Stift und Korken. Der "Flaschenpostautomat" der Münsteraner Künstlerin Kirsten Kaiser steht im Hamburger Museum für Kommunikation.
Setzkasten: "Post-Art-Museum" hat der Berliner Künstler Rolf Sturm seine Vitrine mit allerhand skurrilen Fundstücken rund um die Flaschenpost genannt. Verschlüsse, Dichtungsmaterialien und auch eine sogenannte "Doppelflasche" stellt er darin aus.
Doppelflaschenpost: Wenn es mal mehr zu erzählen gab, bot diese Flasche aus dem Jahr 1921 für einen Doppelbrief Platz. Heute liegt sie in Rolf Sturms "Post-Art-Museum".
Post von den Malediven: Die Flaschenpost hat den langen Weg von Hamburg bis auf die Malediven zurückgelegt.
Fest verschlossen: Jahrelang bleiben manche Briefe in solchen Flaschen unversehrt, vorausgesetzt sie sind ordentlich verkorkt.
Das Prinzip Flaschenpost: Forscher des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie bereiten ein Gerät zur Strömungsmessung für den Einsatz vor. Wie eine herkömmliche Flaschenpost soll es mit der Meeresströmung treiben.
Leinen los: Der "Floating Drifter" verfügt über keinen eigenen Antrieb. Er sinkt auf 2000 Meter unter den Meeresspiegel und treibt dann bis zu fünf Jahre lang mit den Meeresströmungen.
Historischer Flaschenbrief: Die erste Flaschenpost setzte das Amt für Seeschifffahrt, damals hieß es noch Deutsche Seewarte, 1864 bei Australien aus. Drei Jahre später kam die Flasche mit dem vorgedruckten Zettel in London an.
Flaschenpost von KZ-Häftlingen entdeckt: Ein Bauarbeiter stieß 2003 beim Abriss einer Wand in der Gedenkstätte des KZ Sachsenhausen auf eine eingemauerte Flasche, die einen Zettel mit Notizen zweier Häftlinge enthielt. "Mein Geist ist trotzdem ungebrochen", schrieb Anton E. am 19. April 1944.
Kein S.O.S.: In Neuseeland, wo diese Flaschenpost der Deutschen Seewarte gefunden wurde, ging man davon aus, es handle sich um den Notruf eines deutschen Handelsschiffes. Tatsächlich war sie Teil eines frühen Forschungsprojekts.