Die Fünfziger Das Kreuz mit dem Nierentisch
Wohnzimmer mit Nierentisch: Er gehörte in den fünfziger Jahren in jedes moderne deutsche Wohnzimmer. Wer erst einmal über eines der drei Beine eines Nierentisches gestolpert war, wusste, dass das Möbelstück wohl schön, nicht aber praktisch war. Kerstin von Freytag Löringhoff machte als Kind selbst diese Erfahrung. In ihrem Museum der 50er Jahre hat sie typische Einrichtungen aus dieser Zeit nachgestellt.
Redaktion SPIEGEL ONLINE, einestages.de/S. Grothe
Die neue Leichtigkeit: Transparente, filigrane, beinahe schwebend leichte Möbelstücke sollten in den fünfziger Jahre die schwere Vergangenheit vergessen lassen. Bei der modernen Wohnungseinrichtung ließen sich die Deutschen gern von den Amerikanern inspirieren. Der "Chickenwire-Chair", also der Hühnerdraht-Sessel war von Harry Bertoia 1953 für die New Yorker Firma Knoll International entworfen worden. Heute ist er im "Museum der 50er Jahre" in Bremerhaven zu sehen.
Schlafzimmer in den Fünfzigern: Ein Doppelbett aus hellem, poliertem Holz mit angerüschter Überdecke, umrahmt von drei Teppichläufern, zwei Nachttischen, Frisierkommode und Wäschetruhe - so ähnlich sahen in den fünfziger Jahren viele deutsche Schlafzimmer aus. Dieses hier kann man besichtigen: Im Museum der 50er Jahre in Bremerhaven.
Was darf's denn sein?: Statt mit dem Einkaufswagen durch den Supermarkt zu schieben kaufte man in den fünfziger Jahren noch an der Ladentheke. Heute gibt es kleine "Tante-Emma-Läden" nur noch in wenigen Orten - oder aber im Museum, wie dem der 50er Jahre in Bremerhaven.
Frohes Jugendleben: In vielen Familien hatten bis in die fünziger Jahre hinein die Eltern die Hoheit über Radio und Plattenspieler. Doch der Nachwuchs wollte seine eigene Musik: Rock 'n Roll. Das "Museum der 50er Jahre" in Bremerhaven erlaubt einen Blick in ein Jugendzimmer aus dieser Zeit.
Die gute Stube: Das Buffet, ein altes Erbstück in dunklem Holz, zierte das Wohnzimmer in der neuen Wohnung, in die Rolf Hackenberg als Dreijähriger 1956 mit seinen Eltern und seiner Schwester gezogen war.
Familienidyll: Im Frühjahr 1956 konnte Familie Hackenberg ihre neue Wohnung im Düsseldorfer Stadtteil Pempelfort beziehen.
Christmas Spirit: Anfang der fünfziger Jahre organisierte der US-Frauenclub im schwäbischen Vaihingen weihnachtlichen Spendenaktionen - Waisenkinder erhalten mit Geschenken gefüllte Strümpfe.
Amerikanische Selbstdarstellung: Santa Claus spricht mit einem kleinen afroamerikanischen Jungen. Die USA propagandierten Anfang der fünfziger Jahre weltweit ein positives Image ihres Landes - mit großem Erfolg auch in Deutschland.
In die 50er brausen: Vom Auto bis zum Outfit stilecht präsentieren sich Fünfziger-Jahre-Fans beim großen Oldtimer-Treffen im Rahmen der Veranstaltungen zur 1250-Jahrfeier der Stadt Kitzingen. Bei den beiden Automobil-Veteranen handelt es sich um einen NSU-Sportprinz (r.) und ein 700er BMW-Coupe.
Die Verführerin: Die Gesellschaft der Fünfziger galt als prüde. Eine Ausnahmeerscheinung war die Frankfurter Prostituierte Rosemarie Nitribitt. Auf dem Foto präsentierte sie sich in Dessous - ein Schnappschuss, den wahrscheinlich einer ihrer Kunden von ihr machte. Das Foto dokumentiert, wie sich die Nitribitt sich am liebsten inszenierte: sexy und doch damenhaft, teuer gekleidet, in edlem, geschmackvollen Ambiente.
Wo gehts zum Wasser?: Zum kleinen Glück in den fünfziger Jahren gehörte der Italienurlaub. Das Foto zeigt eine kleine Urlauberin am Strand von Capri.
James Dean: Der US-amerikanische Schauspieler war in den fünfziger Jahren ein Jugendidol.
Michael Ochs Archives/ Getty Images
Elvis Presley: Er war der berühmteste Soldat der fünfziger Jahre. Journalisten und rund eintausend Fans begrüßten den "King of Rock 'n' Roll" bei der Ankunft in seiner US-Kaserne im hessischen Friedberg am 2. Oktober 1958.
Glück im Spiel: Berliner Jugendliche versuchen sich 1959 in Berlin an einem Flipperautomaten.
Bewegte Zeiten: Jugendliche beim Rock 'n' Roll.
Überwurf: Jugendlichen tobten sich in den Fünfzigern beim Rock 'n' Roll aus, wie hier im Berliner Tanzlokal "Badewanne".
Rock 'n' Roll im Wohnzimmer: Werbung für einen Plattenspieler in den fünfziger Jahren. Der Original-Werbetext des Herstellers lautet: "Ein 'Philips-Zweigeschwindigkeiten-Plattenspieler' in einer Schatulle eingebaut. Der Plattenspieler ist zum Abspielen der Normalplatten mit 78 Umdrehungen in der Minute und der neuen Langspielplatten mit 33 1/3 Umdrehungen in der Minute eingerichtet. Er wird durch seine außerordentlich einfache Bedienung und durch seine Preisgünstigkeit erheblich zur Einführung der neuen deutschen Langspielplatten beitragen."
Buick Electra 225: Was passt besser zu den Fünfzigern als Heckflossen - in Deutschland damals allerdings recht rar, außer dort, wo Amis stationiert waren. Allerdings war dieser Bucick von 1959 die Luxus-Ausführung und auch nicht für jeden Amerikaner erschwinglich. Er hatte alles an Technik, was damals machbar war: Elektrische Fensterheber, Klimaanlage, elektrisch verstellbare Sitzbank (vorne, durchgehend), Autoradio usw. Der Wagen hat die Ausmaße eines LKWs: 2.05 Meter breit x 5,72. Läßt sich aber bestens einparken, die Flossen sind eine gute Orientierung.