Surfen Lebensgefühl einer Generation
Geschwader in Formation: Diese Aufnahme aus dem Jahr 1968 zeigt fünf Männer, die nebeneinander surfen. Einen sechsten Surfer hat es schon vom Brett gewischt. In den Anfängen des Surfsports waren solche Manöver nicht selten - die Bretter hatten noch keine Finne, daher war die Verletzungsgefahr durch fremde Bretter noch geringer. Die ersten Surfer tummelten sich vor Hawaii, in Kalifornien wurde aus der Subkultur ein Lebensgefühl.
Kopfüber hinab: Ein Surfer wird auf einer Welle vor Makaha auf der hawaiianischen Insel Oahu von seinem Board gerissen. Die Aufnahme aus dem Jahr 1966 zeigt die Wucht, mit der die Wellen vor der Küste Hawaiis brechen. In Makaha fanden 1952 die Makaha International Surf Championships statt, der erste internationale Wettbewerb des Inselstaats.
Drinnen ist's schöner: Diese Anzeige des Neoprenanzug-Herstellers O'Neill löste 1970 einen kleinen Skandal aus und steigerte den Absatz deutlich. Während die Wassertemperaturen auf Hawaii stundenlanges Surfen bei gleichbleibender Wärme ermöglichen, greifen Surfer in Kalifornien bei längeren Ausflügen ins Meer auf wärmende Neoprenanzüge zurück.
Flotter Dreier: Drei Surfer begeben sich auf dieser Aufnahme von 1966 gleichzeitig auf eine Welle in der Waimea-Bucht auf Hawaii. Auf der Inselkette war das Surfen über Jahrhunderte ein Freizeitvergnügen, das Geschlechter- und Klassengrenzen überwand. Erst mit der Missionierung der Inseln wurde das tägliche Surfen von den religiösen Besatzern als "Zeitverschwendung" erschwert.
Höhlenmenschen: An der Küste vor San Onofre, Kalifornien, haben sich Surfer in den Schatten der Sandsteinformationen geflüchtet, die den Strand umzäunen (Foto von 1950). Bevor in den Fünfzigerjahren öffentliche Toiletten am Strand installiert wurden, nutzten Surfer einen der Canyons für ihre Geschäfte. Der erhielt prompt den Namen "Kukae Canyon". Das hawaiianische Word für Scheiße wurde daraufhin später zum Begriff für einen unerfahrenen Surfer.
Platz an der Sonne: Aufnahme des Strands bei San "Sano" Onofre von 1963. Der kalifornische Küstenort war schon Jahrzehnte vorher eine der wichtigsten Anlaufstellen der damals noch kleinen Surfgemeinde. Ab den Zwanzigerjahren trafen immer mehr Surfbegeisterte in dem Ort ein. 1968 wurde in der Nähe der erste Reaktor eines Atomkraftwerkes kommerziell in Betrieb genommen, was in der Folge zu großen Protesten in der Bevölkerung führte.
König der Könige: Diese Aufnahme von 1929 zeigt den Hawaiianer Duke Kahanamoku beim Wellenreiten am Waikiki Beach in Honolulu. Nachdem Surflegende George Freeth die Inseln Richtung Kalifornien verlassen hatte, bildeten sich auf Hawaii kleine Klubs junger Männer, die ihre Tage am Strand verbrachten. Einer dieser Beach Boys war der Schwimmer Duke Kahanamoku, der durch seine Passion für den Sport schnell ikonischen Charakter erlangte. Seinen Spitznamen "Big Kahuna" baute Regisseur Quentin Tarantino als Bezeichnung eines Fastfood-Restaurants ein.
Touristenattraktion: David Kahanamoku, Bruder des legendären Surfers Duke Kahanmoku, plaudert auf dieser Aufnahme von 1918 mit zwei Besucherinnen am Strand von Waikiki auf Hawaii. Zusammen mit seinen Brüdern Duke und Sam war auch David als Surfer auf den Inseln bekannt. Alle drei waren zudem herausragende Schwimmer und als Teil des US-Teams für die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Paris 1924 qualifiziert.
Galionsfigur: Die 1941 geborene Kathy Kohner-Zuckerman gehörte zu den Teenagern, die nach dem Zweiten Weltkrieg an den Stränden Malibus mit dem Surfen begannen. Die Geschichten, die sie ihrem Vater Frederick Kohner erzählte, verarbeitete der Autor in den Jugendromanen um das fiktive Surferin "Gidget", die er nach dem Vorbild seiner Tochter schuf. Der Film "Gidget" von 1959 löste landesweite Surf-Begeisterung aus.
Locker aus der Hüfte: Am 5. Januar 1965 tanzen Schauspieler am Strand von Malibu auf einem Surfbrett bei Dreharbeiten einen Twist. Begonnen hatte der große Surf-Hype an der Küste Kaliforniens mit dem Film "Gidget" von 1959. Nach dessen Erfolg witterten die Produzenten Hollywoods ein neues Geschäft - und schwemmten den Markt mit zahlreichen seichten Surf-Filmchen.
Volkssport: Hawaiianer mit Surfbrett am Strand von Waikiki. Die Aufnahme entstand um 1890. Die ersten schriftlichen Erwähnungen des Surfens entstammen den Logbüchern von Captain James Cook, dessen Schiffsarzt William Anderson 1777 von dem "erhabenen Glücksgefühl" berichtete, mit dem die Einheimischen über die Wellen glitten. Bei der Erschließung der Inseln wurde die ursprüngliche Bevölkerung durch Krankheiten dezimiert. Hundert Jahre nach Cooks Entdeckung war die Einwohnerzahl von 400.000 auf 30.000 gesunken.
Surfen mit Stil: Auf diesem Werbefoto, das 1961 am Hermosa Beach in Kalifornien entstand, surft Ricky Hatch im Anzug. Die Aufnahme war Teil einer Kampagne des Surfbrett-Herstellers Jacobs, der Mitte der Fünfzigerjahre in Hermosa Beach gegründet wurde und sich schnell als Institution auf dem Markt für Bretter etablierte.
Auf der Werbewelle: Die Surfer Rusty Miller (links) und Miki Dora (rechts) auf einer Aufnahme von 1963 am Sunset Beach in Hawaii. Die Aufnahme verwendete die Brauerei Miller für Werbung und platzierte über Miki Dora ein Glas Bier. Rusty Miller stieg in den Sechzigerjahren zu einer Ikone des Sports auf und arbeitete - nach Reisen nach Tahiti, Japan, Australien und den Mittleren Osten - ab 1971 als Surflehrer vor der Küste von New South Wales.
Haarige Aussage: Wenn Subkultur im Mainstream aufgeht, zersplittert sie weiter. Nachdem die Beach Boys und der Film "Gidget" das Surfen populär gemacht hatten, rebellierten einige Surfer als "Surf Nazis" gegen die Vereinnahmung: Sie malen Hakenkreuze auf ihre Bretter und trugen Wehrmachtshelme.
Nazi-Käfer: Die beiden Surfer John Elwell und Tom Carlin in Waianae, Hawaii, auf einem Foto von 1962. "Wir machten einfach solche Sachen, um Leute zu empören", erklärte Longboard-Surflegende Greg Noll. "Du hast ein Hakenkreuz auf dein Auto gemalt, und das hat die Leute aufgeregt. Was machst du also? Du malst zwei Hakenkreuze drauf."
Der King beim Königssport: Mit "Blue Hawaii" aus dem Jahr 1961 hatte Elvis Presley sein Kinodebüt auf den Pazifikinseln. Als ehemaliger Soldat Chadwick Gates verschlägt es Presley darin zurück in seine Heimat Hawaii, wo er seine neu gewonnene Freiheit mit Surfen und seiner Freundin Maile verbringt, statt sich um die Obstfirma seines Vaters zu kümmern. "Blue Hawaii" gilt heute als erfolgreichster Elvis-Film.
Wie Hühner auf der Stange: Auf dieser Unterwasseraufnahme aus dem Dezember 1962 warten drei Surfer auf ihren Brettern vor dem Strand von Makaha auf Hawaii. Im Line-up sammeln sich die Surfer hinter den brechenden Wellen, um dort aufgereiht in Startposition zu gehen. Zum Line-up zu gelangen, ist der anstrengendste Teil des Surfens. Das Anpaddeln gegen die Wellen raubt viel Kraft.
Surfing Down Under: Eine Szene aus dem Surffilm "The Endless Summer II" von 1994. Bereits im ersten Teil von 1966 hatte der Dokumentarfilmer Bruce Brown die beiden Surfer Mike Hynson und Robert August auf einem Surftrip rund um die Welt begleitet. Station machte die Reisegruppe aus Kalifornien in Hawaii, Afrika, Neuseeland, Tahiti und auch Australien, wo sich parallel zu Kalifornien eine eigene Surfkultur entwickelt hatte.
Lebensretter: Am Bondi Beach in Sydney treten 1938 Rettungsschwimmer zum Training an. In Australien hatte sich das Surfen hauptsächlich als Zeitvertreib dieser Rettungsschwimmer etabliert, nachdem der Hawaiianer Duke Kahanamoku den Sport 1915 aus seiner Heimat hierher exportiert hatte. Das Surfbrett des "Big Kahuna" ist heute im Freshwater Surf Lifesaving Club in Sydney ausgestellt.
Gefahrensucher: Eine Gruppe Jugendlicher am Banzai Beach an Oahus Nordküste auf Hawaii. Auf der Aufnahme von 1965 ist auch ein Surfer zu sehen, der die Trümmer seines Bretts zusammenklaubt. Der Surfbreak, ein natürliches Riff, sorgt an dieser Stelle für regelmäßig auftretende Wellen. Dabei gilt die an der "Banzai Pipeline" entstehende als eine der gefährlichsten Wellen der Welt. Zahlreiche Surfer sind hier gestorben.
Surferparadies: Aufnahme eines Surfers im Outer Reef vor der Nordküste Hawaiis (um 2008). Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Hawaii zum Paradies für ausländische Gäste, die mit dem Surfsport in Kontakt kommen wollten. Besonders die Erzählungen des Roman-Autors Jack London, der 1907 nach Oahu segelte, machten den hawaiianischen Nationalsport einem breiten Publikum bekannt.
Batik-Boards: Die Surfer David Nuuhiwa und John Gale 1971 bei der Arbeit an Brettern mit psychedelischen Motiven im Laguna Canyon in Kalifornien. Gemeinsam mit Jimi Hendrix spielten sie im Film "Rainbow Bridge", der einen positiven Gegenentwurf zum Abgesang auf die Hippie-Bewegung in "Easy Rider" darstellen sollte. Der Mix aus Dokumentation und Konzertfilm präsentierte Surfen, Yoga, außersinnliche Erfahrungen und Hare Krishnas - und floppte an den Kinokassen.
Plastik für die Massen: Gordon Clark in seinem Betrieb "Clark Foam" in Laguna Niguel um 1975. Gemeinsam mit Hobart "Hobie" Alter hatte Clark 1958 in einer Garage das Verfahren verfeinert, um Hartschaum-Rohlinge zu gießen. Mit diesen Rohlingen konnte die riesige Nachfrage nach günstigen und leichteren Surfbrettern einer neuen Generation von Surfbegeisterten bedient werden.
Im Schatten der Welle: Am 17. August gleitet ein Surfer unter dem Wellenkamm vor der Küste Oahus, der Hauptinsel Hawaiis, dahin. Beinahe 200 Jahre zuvor hatte William Anderson, der Chirurg auf James Cooks Schiff Resolution, 1777 über die Surfgewohnheiten der Inselbewohner geschrieben: "Ich musste feststellen, dass dieser Mann höchste Freude empfand, während er so schnell und dabei so sanft von der See getrieben wurde."
In die Röhre ducken: Das Surfen einer "Tube" (Rohr) ist die Königsdisziplin des Wellenreitens. Dabei macht der Surfer am Fuß der Welle eine Wendung in die Richtung, in die die Welle bricht. Dann fährt er zusammengekauert im hohlen Bereich die Welle entlang, bis er am Ende aus ihr hervorschießt. Kommt es zum Sturz, spricht man von einem Wipe-out.
Nachwuchs am Brett: Beim Wettbewerb "Water Baby Champion Of Sydney" tritt 1968 auch der dreijährige Storm Carter an. Der Sohn des ehemaligen Surf-Champions Johan Carter fuhr auf einem speziell angefertigten Brett, das gerade einmal 1,20 Meter lang war. Auf das Signal seines berühmten Vaters hin richtete sich der Junge auf und fuhr Richtung Strand.
Gedenkveranstaltung: Der Hawaiianer Jeff Hakman auf etwa fünf Meter hohen Welle in der Waimea Bay an der Nordküste Hawaiis. Die Aufnahme entstand am 4. Dezember 1973 beim jährlichen Duke Kahanomku Surfing Classic, einem Wettbewerb zum Gedenken an den ikonischen Surfer Duke Kahanamoku. Der dreimalige Schwimm-Olympiasieger machte das moderne Wellenreiten populär und wird auf Hawaii wie ein Nationalheiliger verehrt.
Plankenwahn: Am 22. Dezember 1954 posiert die Schauspielerin Patsy Lou Blake mit einem Surfbrett für die Kamera. Eine ganze Generation junger Surfer hatte im Zweiten Weltkrieg in Europa gekämpft. Nach ihrer Rückkehr war der Siegeszug des Surfsports in den USA, befeuert von Hollywood und der Plattenindustrie, nicht mehr aufzuhalten.
Generation Surf: Die drei hawaiianischen Surf-Koryphäen Gerry Lopez (links), Dick Brewer (Mitte) und Reno Abellira (rechts) bei einem Fotoshooting 1969 in Honolulu. In den Siebzigerjahren sorgten die drei durch kurze Boards und waghalsige Wellenritte für Furore. Lopez, der bereits mit 14 Jahren hawaiianischer Meister geworden war, wurde als Mr. Pipeline bekannt. Neben Arnold Schwarzenegger spielte Lopez im Film "Conan - Der Barbar" die Rolle des Diebes Subotai.
Tödliche Mission: Die Wellen vor der Bucht von Nazaré in Portugal gehören zu den Größten der Welt. Auf diesem Bild surft der Hawaiianer Garrett McNamara im Januar 2013 die Monsterwelle, die nur mit einem Helfer auf einem Jetski zugänglich ist. Zwei Jahre zuvor hatte McNamara für seinen ersten erfolgreichen Surfversuch in Nazaré einen Eintrag ins Guinness-Buch erhalten. 2013 brach er seinen eigenen Rekord - auf einer Welle, die angeblich 30 Meter hoch war.