Comebacks im Sport Play it again
Er will es noch einmal wissen. Michael Phelps steigt wieder ins Wasser und greift beim US-Meeting in Mesa in Arizona über 100 Meter Schmetterling an.
18 Goldmedaillen hat er bei Olympischen Sommerspielen gewonnen. Keiner war erfolgreicher als er, und an sich hatte er 2012 festgestellt: "Ich habe alles erreicht, was man erreichen kann."
Aber Phelps hat jene Momente, wie hier beim Freistilstaffel-Olympiasieg von Peking, offenbar so vermisst, dass er zurückkommt. Wie so viele andere Große im Sport.
Muhammad Ali ist quasi der Urvater der Comebacker. "The Greatest" war Ende der sechziger Jahre seinen Titel losgeworden, als Verweigerer des Wehrdienstes im Vietnam-Krieg hatten die USA ihn ihre Macht spüren lassen und ihm die WM-Krone aberkannt. Drei Jahre später war er wieder da und pulverisierte das alte Gesetz "They never come back".
Vor Ali, hier 1965 bei seinem berühmten Sieg über Sonny Liston, hatte es nur Floyd Patterson als einziger Boxchampion geschafft, sich den Titel zurückzuholen.
Nach seiner Niederlage gegen Leon Spinks 1978 trat Ali ab und versuchte 1980 noch einmal das Unmögliche. Aber Larry Holmes und Trevor Berbick zerstörten den Traum vom nächsten Comeback.
Die Boxkarriere hat tiefe Spuren hinterlassen. Der an Parkinson erkrankte Ali hatte danach nur noch einen ganz großen Auftritt: als Fackelträger bei den Spielen 1996 in Atlanta.
Einer von Alis großen Rivalen hat es ebenfalls nicht ruhen lassen. George Foreman (l.) war Alis Kontrahent im berühmtesten Boxkampf, den es je gab, dem "Rumble in the Jungle" von 1974.
dpa
Mehr als 20 Jahre später kämpfte ein tapsiger, übergewichtiger Foreman bei seiner Rückkehr gegen den jungen Axel Schulz und hatte Glück mit äußerst gnädigen Kampfrichtern.
Und noch ein US-Amerikaner, der in seinem Sport der Größte schien. Lance Armstrong gewann siebenmal die Tour de France. Seine Duelle mit Jan Ullrich sind legendär. Dass alles auf Lug, Trug und Doping aufgebaut war, haben einige geahnt, ausgesprochen haben es damals nur die wenigsten.
Erst als Armstrong nach seinem ersten Karriereende noch zweimal zur Tour de France zurückkam und seine große Dominanz ihr Ende fand, wurden die Vorwürfe lauter. Erst 2013 hat der Amerikaner jedoch alles zugegeben - auf der großen TV-Bühne bei Oprah Winfrey.
Katarina Witt galt in den achtziger Jahren als das "schönste Gesicht des Sozialismus". 1988 und nach zwei Olympiasiegen im Eiskunstlauf trat sie zurück und wollte es dann im Kapitalismus noch einmal wissen. 1994 war sie bei den Olympischen Spielen von Lillehammer noch einmal am Start und bezauberte das Publikum. Auch wenn es nur noch für Platz sieben reichte.
Ohne Fortune endete auch die Rückkehr des vielleicht größten Spielers in der Geschichte des Tennissports. Björn Borg, der stille Schwede, ein Idol der siebziger Jahre, der sich legendäre Duelle in Wimbledon mit Jimmy Connors und John McEnroe lieferte. 1981 war für ihn Schluss - zunächst.
Ein paar Turniere 1983 und 1984 folgten, dann war über Jahre Schluss. Bis zum Jahr 1991. Borg wagte sich zurück auf die Courts dieser Welt und verlor ein Spiel nach dem anderen. Die Entwicklung des Tennissports war über ihn hinweggegangen.
Besser erging es Kim Clijsters. Zusammen mit Justine Henin-Hardenne sorgte sie vor zehn Jahren für den belgischen Tennisboom. Nach drei Grand-Slam-Erfolgen war 2007 Schluss.
Die Pause währte zwei Jahre, dann war Clijsters zurück. Auch Henin-Hardenne war zwischenzeitlich abgetreten und feierte ebenfalls ihr Comeback. Wobei es Clijsters besser erging, sie konnte noch zwei US-Open-Titel und den Sieg bei den Australian Open erringen. 2012 folgte der zweite Rücktritt, diesmal soll es endgültig sein.
Michael Jordan hat reiche Erfahrung mit Comebacks. 1993 war das erste Mal Feierabend, als er vom Basketball zum Baseball umsattelte.
Dort wurde "Air" allerdings nicht glücklich, also ging es zurück zu den Chicago Bulls, dem Club seines Herzens. Mit zwei Worten - "I'm back" - meldete er sich in der Basketball-Welt zurück und legte drei Meistertitel nach. 1998 hörte er dann erneut auf, um drei Jahre später bei den Washington Wizards bis 2003 anzuheuern.
Michael Schumacher verabschiedete sich als siebenfacher Formel-1-Weltmeister 2006 aus dem Motorsport.
Mit Ferrari hatte er Triumph nach Triumph gefeiert, er war, was Erfolge anging, der Größte in seinem Fach.
Drei Jahre Abstinenz langten ihm, dann musste er zurück in den Boliden. Mercedes bekam zur Saison 2010 den Zuschlag, aber die früheren Erfolge blieben aus.
Schumacher fuhr drei Jahre lang hinterher, dann verabschiedete er sich vom Rennsport.
Dort, wo ein anderer immer noch mitmischt. Niki Lauda kann von der Formel 1 nicht lassen, obwohl sie ihn fast das Leben gekostet hat. Nach seinem furchtbaren Unfall auf dem Nürburgring 1976 saß er schon 42 Tage später wieder im Auto.
1979 stieg er endgültig aus - das "endgültig" dauerte drei Jahre. McLaren konnte ihn zum Rücktritt vom Rücktritt bewegen. Mit Erfolg: 1984 wurde Lauda noch einmal WM-Champion. Noch heute ist er in der Formel 1 als Aufsichtsratschef des Mercedes-F1-Teams und als gefragter TV-Experte aktiv.