Die Kandidatenriege Wer wird Bundespräsident?
Rita Süssmuth (CDU): Die Unionspolitikerin wurde völlig überraschend aus Kreisen der rot-grünen Bundesregierung vorgeschlagen. Die ehemalige Bundestagspräsidentin hätte durchaus Chancen bei einer Wahl, da sie sowohl auf die Unterstützung von CDU und CSU als auch von der SPD hoffen könnte. Auch die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Bundestagsfraktion, Irmingard Schewe-Gerigk, nannte Süssmuth eine "hervorragende Kandidatin".
Theo Waigel (CSU): CSU-Politiker haben den früheren Parteichef und Bundesfinanzminister Theo Waigel ins Gespräch gebracht. Der frühere Bundespostminister Wolfgang Bötsch (CSU) sagte, Waigel sei wegen seiner Persönlichkeit und seiner politischen Lebensleistung sicherlich für das Amt des Bundespräsidenten geeignet.
Henning Scherf (SPD): Bürgermeister einer Großen Koalition in Bremen. Entscheidet sich die SPD doch dafür, einen Mann aufzustellen, könnte Scherf Chancen haben. Der 64-Jährige gilt als der SPD-Kandidat, der am ehesten noch Stimmen aus der FDP gewinnen könnte.
Joachim Gauck (parteilos): Der ehemalige Stasi-Unterlagenbeauftragte wurde als erster unabhängiger Kandidat ins Spiel gebracht. Zu einer möglichen Kandidatur hat sich der 63 Jahre alte freie Publizist noch nicht geäußert. Er hat aber wohl kaum eine Chance im großen Machtspiel um das Amt.
Dagmar Schipanski (CDU): Die 60 Jahre alte Wissenschaftsministerin von Thüringen, die 1999 gegen Rau unterlag, gilt mittlerweile als ungeeignet für das Bundespräsidenten-Amt. Sie selbst zeigt keinerlei Ambitionen und sagt: "Ich bin sicher, die Parteien werden zu gegebener Zeit Kandidaten, die Visionen für Deutschland haben, vorschlagen."
Annette Schavan (CDU): Die Kultusministerin in Baden-Württemberg gilt als Außenseiterin in der Präsidentenamt-Kandidatur. Für Schlagzeilen sorgte die 48-Jährige 1997 mit der Entscheidung, eine muslimische Lehrerin mit Kopftuch im Unterricht nicht in den Staatsdienst zu übernehmen.
Klaus Töpfer (CDU): Der frühere Bundesumweltminister, der als möglicher Unions-Kandidat ins Gespräch gebracht wurde, lehnte es bislang ab, sich an Spekulationen zur Bundespräsidentenkandidatur zu beteiligen. "Der Respekt vor diesem hohen Amt verbietet es mir absolut, dazu etwas zu sagen." Derzeit ist der 65-Jährige Direktor des Uno-Umweltprogramms Unep.
Bernhard Vogel (CDU): Dem ehemaligen thüringischen und rheinland-Pfälzischen Ministerpräsidenten werden in der Union nur verhaltene Chancen eingeräumt. Dabei wird vor allem auf sein Alter von 70 Jahren hingewiesen. Thüringens neuer Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) erklärte seinen Amtsvorgänger trotzdem zum Favoriten. Vogel sei "menschlich und persönlich hervorragend geeignet".
Klaus Kinkel (FDP): Der Ex-Außenminister wird oft genannt, wenn es um FDP-Kandidaten für das höchste Staatsamt geht. Da er aber auch als Außenminister nicht als besonders stark galt, werden dem 66-Jährigen kaum Chancen eingeräumt.
Wolfgang Gerhard (FDP): Der 59 Jahre alte Vorsitzende der FDP- Bundestagsfraktion gilt als einziger Freidemokrat mit denkbaren Erfolgschancen. Er würde aber wahrscheinlich nur dann antreten, wenn seine Wahl gesichert ist.
Jutta Limbach (SPD): Präsidentin des Goethe-Instituts, 69 Jahre alt. In der Diskussion um das Amt des Bundespräsidenten ist Jutta Limbach ein bekanntes Gesicht: Schon 1999 war die Sozialdemokratin, damals noch Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe, für das erste Amt im Staat im Gespräch. Sie gilt als Favoritin der SPD, hätte aber auch bei der FDP gute Chancen. Der SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend bezeichnete Limbach, als "sehr geeignete Kandidatin".
Renate Schmidt (SPD): Die aus Nürnberg stammende 59 Jahre alte Bundesfamilienministerin hat hohe Popularitätswerte. Sie käme aber wahrscheinlich nur dann als SPD-Kandidatin in Frage, wenn Jutta Limbach abwinkte. Zudem würde sie bei der Wahl vermutlich keine Stimmen der FDP bekommen. Schmidt sagte selbst wiederholt, sie wolle nicht kandidieren.
Petra Roth (CDU): Der angesehenen Frankfurter Oberbürgermeisterin werden in ihrer Partei nur Außenseiterchancen eingeräumt. Die 59-Jährige ist seit 1997 Präsidentin des Deutschen Städtetags. Von Mai 1999 bis Mai 2002 war sie in diesem Amt vorübergehend vom Saarbrücker Oberbürgermeister Hajo Hoffmann (SPD) abgelöst worden. Nachdem dieser jedoch wegen Untreue in zwei Fällen verurteilt worden und zurückgetreten war, wurde Roth erneut Städtetags-Präsidentin.
Wolfgang Schäuble (CDU): Der ehemalige Partei- und Fraktionschef wird in der Union bei der Kandidatenfrage am häufigsten genannt. Der Architekt des Einigungsvertrages ist 60 Jahre alt. Schäuble hat gute Chance, auch von der CSU unterstützt zu werden. In der Unionsführung wurde bekräftigt, dass Schäuble grundsätzlich für das Amt zur Verfügung stehe, wenn er gefragt werde. Doch Schäuble hat wegen seiner Rolle in der Spenden-Affäre manche Gegner in der Union, nicht zuletzt Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl.
Erwin Teufel (CDU): Der baden-württembergische Ministerpräsident, 63, wurde unionsintern ins Gespräch gebracht, ohne erkennbar eigenes Interesse zu haben. Bei der FDP ist von Teufel-Begeisterung auch wenig zu hören.
Edmund Stoiber (CSU): An dem bayerischen Ministerpräsidenten würde nur schwer ein Weg vorbei gehen, wenn er wollte. Der 61-Jährige will am 21. September die Landtagswahl in Bayern haushoch gewinnen. Eine Kandidatur für das Präsidentenamt hatte er unmittelbar nach Raus Verzichtserklärung abgelehnt.