Die NDW-Hits - und was aus den Musikern wurde - DER SPIEGEL
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Neue Deutsche Welle Die NDW-Hits - und was aus den Musikern wurde

Mit der Astronautenhymne "Major Tom" gelang Peter Schilling 1983 ein Welthit, der ihn völlig aus der Bahn warf. Einestages erzählt seine außergewöhnliche Geschichte - und verrät, was aus anderen NDW-Musikern wurde.
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Spätzündung: Die NDW war schon fast vorbei, als Peter Schilling im Januar 1983 mit "Major Tom" auf Platz eins schoss und mit "Die Wüste lebt" kurz danach einen weiteren Hit nachlegte. Sich selbst zählt er nicht so gern zur NDW, schließlich waren seine Lieder - anders als die vieler NDW-Kollegen - auch im Ausland erfolgreich. "Ohne ganz viel Biss", das ist ihm wichtig, "hätte ich den Durchbruch nie geschafft." - Nach sieben Jahren...

Foto: imago/teutopress
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...des Erfolgs brach Schilling 1990 mit einem Burnout zusammen. Danach brauchte er zwölf lange Jahre, um den Absturz und seine Kindheit aufzuarbeiten - seinen Vater hatte er nie kennengelernt, seine oft alkoholisierte Mutter hatte 1970 das Sorgerecht verloren. Auch deshalb engagiert sich Schilling bis heute als Botschafter des Kinderschutzbundes.

Foto: J. Rolff/ picture alliance / dpa
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Ideale Frontfrau: Annette Humpe gründete die Band Ideal 1980 mit drei Männern - und schuf eine der musikalisch anspruchsvollsten Bands der Neuen Deutschen Welle. "Deine blauen Augen machen mich so sentimental" ist die wohl bis heute bekannteste Songzeile. Sie stammt aber noch aus Humpes Zeit mit der Gruppe Neonbabies, in der sie mit ihrer jüngeren Schwester Inga auftrat. Als Annette Humpe Ideal gründete, nahm sie das Lied "Blaue Augen" aus ihrer alten Band mit und landete gleich einen Hit. - Heute...

Foto: imago
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...ist Humpe immer noch tief in der deutschen Musikszene verankert und eine der Wenigen, die es dauerhaft geschafft haben, sich erfolgreich von der NDW zu lösen. Sie komponierte und produzierte unter anderem für Nena, Rio Reiser, Die Prinzen und Udo Lindenberg. 2004 gründete Humpe zusammen mit Adel Tawil die Erfolgsband "Ich + Ich". Das Foto zeigt sie 2011, nachdem sie mit "Ich + Ich" einen Echo-Preis gewonnen hat. Die Schwestern Annette und Inga Humpe arbeiteten immer wieder zusammen; Inga hatte große Erfolge mit dem Duo 2raumwohnung.

Foto: © Tobias Schwarz / Reuters/ REUTERS
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Die ewigen Provokateure: DAF (Deutsch Amerikanische Freundschaft) waren die bösen Buben und Tabubrecher der Szene. Während große Teile der Neuen Deutschen Welle unpolitisch und einfach nur gaga waren, schmissen Gabi Delgado-Lopez und Robert Görl sich nicht in quietschbunte Klamotten, sondern trugen Lederjacken und kurz geschorene Haare. Sie sangen Zeilen wie "Tanz den Mussolini, tanz den Adolf Hitler" und fabulierten von ein "bisschen Krieg". Bewusst ließen sie offen, wo sie politisch standen. Faschisten? Linksradikale? Sie selbst sollen sich einmal angeblich zwischen "Anarcho-Skin" und "Disco-Nazi" verortet haben. - Heute...

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...provozieren die Pioniere der Elektro-Musik immer noch gern. DAF wurde nach dem Ende der NDW mehrmals reaktiviert - das Foto zeigt einen PR-Auftritt von 2003 für das Album "Fünfzehn neue DAF-Lieder" (l. Delgado-Lopez, r. Görl). Dazwischen versuchten sich die beiden als Solokünstler mit englischen Liedern. Görl suchte als Buddhist zudem auch religiös neue Ufer. In die Medien schaffen sie es immer noch mit der alten Masche. Zielsicher textete Lopez 2015: "Zerstört die Disco, zerstört die Bank, zerstört das Bundeskanzleramt."

Foto: imago/Sven Lambert
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...wurde weiter viel in die Hände gespuckt und komponiert, darunter der zweite Hit: "Besuchen Sie Europa (solange es noch steht)". Das Leben glich einer einzigen Party, Sturzflug-Sänger Friedel Geratsch (l.) sagte später, das Ende der NDW habe er gar nicht mitbekommen, da sei er wohl wieder betrunken gewesen. Irgendwann merkte er trotzdem, dass die Band an alte Erfolge nicht mehr herankam. Es folgte eine Pause von einem Jahrzehnt, seit 1996 tritt Geier Sturzflug wieder auf und veröffentlichte 2015 das Album "Könige der Welt".

Foto: imago/Waldemar Boegel
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Der Kasper aus Reutlingen: Hubert Kah liebte es knallbunt und schrill, trat in Nachthemden und Hochwasserhosen auf, schreckte auch nicht vor Engelsflügeln, Spielzeugtrompeten und Mickey Mäusen zurück. In seinen Hits besang er den "Sternenhimmel" und "Rosemarie". - Danach...

Foto: imago/United Archives
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...holte Hubert Kah nicht mehr so viele Sterne vom Himmel und ging, wie auch andere NDW-Stars, in eine lange Pause. Seine Musik wurde ruhiger und ist sogar von Klassik inspiriert - schon als Kind hatte Kah Bach und Mozart gespielt. 2007 ging Kah als Eiskönig Kini mit dem Musical "Prinzessin Lillifee" auf Deutschlandtournee, 2014 nahm er an "Promi Big Brother" teil (siehe Bild). Dort zumindest wurde er Zuschauerliebling.

Foto: Andreas Rentz/ Getty Images
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Die Kuss-Attacke: Ixi alias Gaby Tiedemann (l.) küsste sich mit dem Lied "Knutschfleck" in die deutschen Charts und erreichte Platz acht. Noch forscher hatte sie in ihrem ersten Lied getextet: "Detlev, ich bitte dich, geh für mich auf den Strich." Das war selbst in den Achtzigern noch ein kleiner Skandal, sodass der Song nicht im Radio gespielt werden durfte. - Nach dem Knutsch-Erfolg...

Foto: imago/Frinke
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...blieb sie im alten Muster, doch ihr Lied "Handkuss" floppte. Also knutschte sie mit Tommy Ohrner im Film "Plem, plem - die Schule brennt", der aber auch floppte. Inhaltlich blieb Tiedemann der NDW-Zeit weiter treu, als sie ab 1985 als Moderatorin für "Bravo TV" Musiker wie Nena interviewte. Kurz danach heiratete sie und knutschte vermutlich weiter (hier eine Aufnahme von 2005), denn heute ist sie Mutter dreier Kinder.

Foto: imago/HRSchulz
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Die Sängermaschine: Wie ein Roboter tanzte Joachim Witt im Herbst '81 in der ARD-Sendung "Musikladen" zu den dunklen, monotonen Rhythmen von "Der Goldene Reiter", das er schon Jahre zuvor komponiert hatte, das sich bis dahin aber kaum verkaufte. Vielleicht half ihm seine Schauspielausbildung bei der Performance - Witt hatte zuvor am Hamburger Thalia Theater gearbeitet. Plötzlich kauften die Deutschen wie verrückt seinen alten Song. Witt, der gern auch über wenig massentaugliche Themen wie Schönheitswahn und Polizeistaat sang, kommentierte das kulturpessimistisch: Wenn seine Musik so viele anspreche, dann sei sie wohl schlecht. - Danach...

Foto: imago/United Archives
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...wurde die NDW, der er sich nie richtig zugehörig gefühlt hatte, zu seinem "Fluch", wie er selbst sagte, weil er sich in den Augen der Medien nicht von ihr lösen konnte - selbst nicht, als er auf Englisch sang. Erst ab den Neunzigern nahm man ihn wieder als eigenständigen Künstler wahr, obwohl sich eigentlich nur ein Buchstabe änderte: Musikalisch fühlte Witt sich nun der NDH verbunden, der Neuen Deutschen Härte - einer Spielart der Rockmusik. 2012 machte er mit einem bewussten Tabubruch wieder von sich reden, als er in einem Musikvideo zu seinem Lied "Gloria" deutsche Soldaten als Vergewaltiger darstellte.

Foto: Hendrik Schmidt/ picture alliance / dpa
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Drei Männer, dreimal "Da": Entdeckt und produziert wurde Trio von einem, der sich eigentlich mit guter Musik auskennen sollte. Klaus Voormann war eng befreundet mit den Beatles, für die er Plattencover entwarf und bei deren Soloprojekten er als Bassist auftrat. Musikalisch trennten Trio und die Beatles Welten. Trio gab sich minimalistisch, zeigte sehr trockenen norddeutschen Humor und gab sich bei Auftritten verhaltensauffällig. Schlagzeuger Peter Behrens, der zuvor in einem Wanderzirkus gearbeitet hatte, galt anfangs als miserabler Drummer. Den Trio-Hit "Da, da, da" empfanden viele als Beweis, wie bekloppt erfolgreiche NDW-Musik sein konnte. Selbst in Brasilien und Kanada stürmte das Lied die Charts. - Danach waren...

Foto: Horst Ossinger/ dpa
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...die drei Jungs aus dem Kaff Großenkneten weiter mit dadaistischen Liedern wie "Bum Bum" und "Turaluraluralu ¿ ich mach Bubu was machst du?" erfolgreich, bis sich Trio 1986 auflöste. Sänger Stephan Remmler (hier 2015 mit dem Synthesizer, der auf "Da, da, da" zu hören ist) startete eine Solokarriere und wurde mit dem Schlager "Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei" schon 1987 Nummer drei in Deutschland. Drummer Behrens hingegen versoff sein Geld, war lange arbeitslos. 2013 veröffentlichte er, inzwischen der Drogensucht entkommen, seine Autobiografie: "Der Clown mit der Trommel". Gitarrist Kralle Krawinkel schaffte es 1998 ins "Guinness-Buch der Rekorde", als er auf einem Pferd von Sevilla bis nach Hamburg ritt. 2014 starb er an Krebs.

Foto: imago/Future Image
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...fasste UKW-Sänger Peter Hubert (hier eine Aufnahme von 2008) in einem Interview mit der "Max" einmal so zusammen: "Viel Alkohol, Bankkonto entleeren, Partys und wieder Alkohol." Musikalisch wurde es recht still um ihn - und ganz still um seine anderen ehemaligen Bandmitglieder. Hubert beriet als Musikverleger andere Bands, um sie vor seinen eigenen Fehlern zu bewahren. Bis heute betreut er als Musikverleger das erfolgreiche Dancefloor-Projekt SASH!. An die NDW erinnere er sich gern, sagte er 2002 der Max" - schließlich sei er immer noch mit Tina aus dem Sommersprossen-Song zusammen.

Foto: imago/T-F-Foto
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Fazit eines Jahrzehnts: Markus Mörl zählte zur Nonsens-Fraktion der musikalisch und textlich recht vielfältigen NDW. "Mein Maserati fährt 210, schwupp, die Polizei hat's nicht geseh'n", textete er 1982 und reimte dann unvergessen: "Ich geb' Gas, ich geb' Gas! Ich will Spaß, ich will Spaß!" Musikkritiker verrissen ihn, aber das Lied war ein Riesenerfolg. Es wurde zum Inbegriff des unpolitischen Lebensgefühls der Achtziger, stand wochenlang auf Platz eins und wurde Vorlage für einen ebenfalls verrissenen Kinofilm. Da spielte auch Nena mit, in die sich Markus unsterblich verknallte. - Zwar..

Foto: OHNE
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....hatte Markus mit "Kleine Taschenlampe brenn" einen weiteren Hit, bald aber war es vorbei. "In der Verzweiflung hat unsere Band alles gemacht so wie früher", sagte er einmal in einem Interview mit der "Max, "aber keiner wollte mich mehr hören. Damals habe ich das sehr persönlich genommen." Er wurde Chefredakteur von Sesselwechsel.de, einer Art Personalien-Datenbank, die über Positionen von Wirtschaftsgrößen informierte und heute Boardreport.de heißt. Seine Leidenschaft blieb aber die NDW, sodass Markus 2008 mit einer "Ich will Spaß - die ultimative NDW-Show" durch ganz Deutschland tourte (hier eine PR-Aufnahme von 2008).

Foto: Horst Ossinger/ dpa
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...1984 löste sich die Band auf, startete aber wenige Jahre später ein Comeback. Auf ihrem Band-Jubiläumsalbum "26 ½" von 2006 (hier ein Foto vom Festival Bochum total) traten zahlreiche prominente Gastmusiker wie Campino, Herbert Grönemeyer und Sven Regener auf. Die Kritiken waren zwar immer noch sehr wohlwollend, der kommerzielle Erfolg aber blieb aus. Zuletzt erschien 2015 das Fehlfarben-Album "Über...Menschen".

Foto: Bernd Thissen/ picture-alliance/ dpa
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Die bösen Buben: Die NDW riss auch Extrabreit mit und machte die Band zum Hitgaranten mit Mitgrölfaktor. Dabei wollten sie eigentlich Punk machen und begeisterten die Fans Ende der Siebzigerjahre, indem sie auf Konzerten ihre Instrumente zerhackten. In "Hurra, hurra die Schule brennt" blieben die Musiker aus Hagen aber zumindest textlich immer noch ein wenig die bösen Buben. - Nach der NDW-Zeit...

Foto: imago/United Archives
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...spielten und spielten und spielten sie - blieben aber mäßig erfolgreich. 2005 gaben sie ihr 1000. Konzert. Bis heute sind sie noch immer live zu erleben.

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Österreichs NDW-Star: "Der Kommissar" machte Falco 1982 quasi über Nacht zum Star, dem man alles verzieh - seine übermäßig gegelten Haare, seine offensiv zur Schau getragene Versnobtheit, seinen Drogenkonsum. Johann Hölzel, wie Falco bürgerlich hieß, blieb...

Foto: Martin Athenst‰dt/ picture alliance / dpa
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...auch nach der NDW populär, konnte mit dem immensen Erfolg aber kaum umgehen und blieb Alkohol und anderen Drogen treu. 1985 sprang er mit "Rock me Amadeus" auf Platz eins in Deutschland und Österreich, ein Jahr später kletterte das Lied sogar in den USA auf Platz eins. "Jeanny" und "Coming Home (Jeanny Part II)" wurden zwei weitere Nummer-eins-Hits. 1998 starb Falco bei einem Autounfall.

Foto: imago/teutopress
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NDW aus NRW: Nena, als Gabriele Susanne Kerner 1960 in Hagen geboren, war das hübsche Gesicht der Neuen Deutschen Welle und ihr größtes Zugpferd. Mit "99 Luftballons", unzählige Male gecovert, gelang ein internationaler Erfolg, der es auch im fernen Japan, in Kanada und Mexiko auf Platz eins der Charts schaffte. - Anders als...

Foto: Gerecht/ dpa
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¿viele weitere NDW-Künstler meisterte sie die Zeit danach recht problemlos und arbeitete ab 1989 erfolgreich als Solosängerin. 2002 recycelte sie auf dem Album "20 Jahre - Nena feat. Nena" recht einfallslos ihre alten Erfolge. Aber schon drei Jahre später legte sie mit "Liebe ist" einen echten, neuen Nummer-eins-Hit nach. Von 2011 bis 2014 war sie Jurymitglied in der TV-Show "The Voice of Germany".

Foto: Miguel Villagran/ Getty Images
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