Die Pioniertage des Techno - DER SPIEGEL
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Techno-DJ Mijk van Dijk "Es war eine unvergleichliche Zeit"

Harte Beats in herrenlosen Bunkern: Die erste Partys waren improvisiert und streng geheim, hier kreierte ein kleiner Kreis den Sound der Neunziger - Techno. Mijk van Dijk, DJ und Techno-Pionier, war von Anfang an dabei - und erinnert sich an Smileys, Erdbeernebel und durchtanzte Nächte im UFO.
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Im Erdbeernebel: Ende der Achtziger brachte Acid-House aus London die Berliner Club-Szene gehörig in Bewegung. DJs wie Dr. Motte (später einer der Köpfe der Loveparade), Jonzon oder MC Schäumer legten den pumpenden neuen Sound auf - zum Beispiel in der Turbine Rosenheim im Berliner Stadtteil Schöneberg. Auch damals schon auf vielen Partys dabei: die später obligatorische Trillerpfeife.

Aus der DVD "We call it Techno!" www.sensemusic.de 

Foto: Wolfgang Brückner, www.sensemusic.de
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Die Anfänge der Loveparade: Jedes Jahr lief die Loveparade unter einem neuen Motto. "My House Is Your House And Your House Is Mine" war der Leitspruch der Parade von 1991, der Sinngehalt der meist um Love und Music kreisenden Wortspiele nahm mit den Jahren kaum zu. 2002 jedoch, im Angesichte des drohenden Golfkrieges, wurde mit "Access Peace" eine fast schon politische Botschaft gewählt.

Screenshot von der DVD "We call it Techno!" www.sensemusic.de 

Foto: www.sensemusic.de
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Mijk van Dijk: Der DJ und Produzent ist seit den Anfangstagen einer der Protagonisten der Techno-Szene. Von den ersten Untergrundpartys im UFO über die erste Loveparade bis hin zu den Tagen, in denen Techno zu einem absoluten Massenphänomen wurde: Er war immer dabei.

Foto: Annette Wüsthoff
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Der Star und seine Jünger: Ebenfalls von Anfang an dabei war DJ Sven Väth, der damals in Frankfurt am Main auflegte. Lange Zeit beäugten sich die Berliner und die Frankfurter Techno-Szene skeptisch: Beide Lager sahen sich als Zentren der Bewegung und das waren sie auch - es gab eben zwei Zentren für Techno in Deutschland. Nach anfänglichen Berührungsängsten wurden aber schon bald Delegationen zu Partys in die jeweils andere Stadt geschickt.

Screenshot von der DVD "We call it Techno!" www.sensemusic.de 

Foto: www.sensemusic.de
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Rotlichtviertel: Zu Beginn brauchte man noch nicht viel, um zu feiern. Die Clubs waren oft Keller in Abrisshäusern, in denen zwischen zusammengefegten Schutthaufen ein provisorischer Tresen aufgebaut wurde. Spätestens wenn die peitschenden Beats und das flackernde Stroboskoplicht einsetzte, die Nebelmaschine den Erdbeernebel ausspuckte und alle Anwesenden die Arme in die Luft warfen, war das alles egal. Mit der Zeit wurden die Clubs größer und professioneller - das war gut für die Bewegung, aber nicht mehr ganz so charmant.

Von der DVD "We call it Techno!" www.sensemusic.de 

Foto: Ernst Stratmann, www.sensemusic.de
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Eintritt zu einer Vision: Der Ostberliner DJ Wolle Neugebauer tauchte gleich nach der Wende in der Techno-Szene auf. Er fuhr sofort nach dem Mauerfall in den Westen und ging ins UFO, den ersten Techno-Club in Westberlin. Er hatte seine eigene Vision von ekstatischem Tanz, die er ab April 1990 bei seinen Tekknozid-Partys wahr machte.

Screenshot von der DVD "We call it Techno!" www.sensemusic.de 

Foto: www.sensemusic.de
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Kein Dresscode: Anders als die meisten anderen Musikrichtungen mit einer ganzen Jugendkultur im Anhang kannte Techno kaum Regeln. Es gab keinen definierten Style, schrille Neon-Outfits waren ein Kann, kein Muss. Viele Fans, vor allem auch die Kids aus dem Osten, die nach Jahrelangen Vorschriften durch das SED-Regime endlich mal befreit Vollgas geben konnten, nutzen aber alle Freiheiten und liefen in irren Kostümierungen auf.

Von der DVD "We call it Techno!" www.sensemusic.de 

Foto: Wolfgang Brückner, www.sensemusic.de
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Kleines Universum riesige Visionen: Die erste Loveparade fand im Sommer 1989 in Berlin statt. Sie bestand eigentlich nur aus einem VW-Bus und einigen hundert Menschen, die durch die Straßen tanzten.

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Foto: www.sensemusic.de
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Ins Neuland tanzen: Während spätere Loveparades sich den Vorwurf der Kommerzialisierung gefallen lassen mussten, war die erste Loveparade 1989 vor allem eins - Neuland. Gut zu erkennen ist das auch an diesem Bild von Dr. Motte, einem der führenden Köpfe der Loveparade. Style egal, alles ist möglich, einfach nur abfeiern - das Motto der Techno-Frühphase wird von Motte gelebt.

Screenshot von der DVD "We call it Techno!" www.sensemusic.de 

Foto: www.sensemusic.de
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Einfaches Equipment: Ein guter Track braucht nicht viel: einen Synthesizer, einen Sampler, einen DAT-Recorder und einen Atari. Für wenige hundert Mark bekam man Anfang der Neunziger eine Studio-Grundausrüstung, mit der sich tanzflächenreife Techno-Tracks zusammenbasteln ließen. Ähnlich wie beim Punkrock, wo drei Akkorde genügen können, um das Chart-Establishment auf die hinteren Plätze zu verweisen, waren die Techno-Produzenten auch als Dilettanten sofort Avantgarde.

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Foto: www.sensemusic.de
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Sauberer Übergang: In der Frühphase des Techno gab es nur wenige DJs, die längere saubere Übergänge zwischen zwei Platten mischen konnten. Roland May, besser bekannt als Roland BPM, galt dagegen damals als Mix-Gott, der die unterschiedlichsten Beats rumpelfrei übereinanderlegen konnte.

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Foto: www.sensemusic.de
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Unter Aliens: Der Berliner Club UFO war zwei Jahre lang die Institution in Sachen Techno. Zuerst war er nur ein Kellerclub, ohne Schild über der Tür. Man kannte das Wohnhaus, in das man gehen musste, man kannte die Tür, an die man klopfen musste, man kannte die Person, die einen empfing und kletterte durch eine Luke eine schmale Leiter hinunter in einen dunklen, flachen, muffigen Keller. Hier trafen sich die Pioniere und definierten den Sound der nächsten Jahre. Später zog das Ufo dann in einen ehemaligen Penny-Markt um und wurde offiziell.

Screenshot von der DVD "We call it Techno!" www.sensemusic.de 

Foto: www.sensemusic.de
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Schön durchhalten: Dieser Flyer gibt den Takt vor für die Loveparade von 1991. Durchfeiern von Freitag bis Sonntag - für echte Techno-Aficionados ist das Ehrensache.

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Foto: www.sensemusic.de
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Feiern in Berlin, verkaufen in Frankfurt: Die deutschen Hochburgen der Techno-Szene waren Berlin und Frankfurt am Main. Doch während in Berlin vor allem gefeiert wurde, produzierte Frankfurt Tracks wie am Fließband: Bereits Anfang der neunziger Jahre gab es am Main mehr Labels als Clubs. Im Omen, Frankfurts Club-Institution in Sachen Techno, heizt DJ DAG den Tänzern richtig ein.

Von der DVD "We call it Techno!" www.sensemusic.de 

Foto: Ernst Stratmann, www.sensemusic.de
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"Omen Unser": Der Frankfurter Techno-Club Omen hatte ebenfalls treue Anhänger - wie dieses Gebet beweist.

Screenshot von der DVD "We call it Techno!" www.sensemusic.de 

Foto: www.sensemusic.de
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"Und vergib uns unsere Drogen": Der zweite Teil des "Omen Unser", dem offiziellen Gebet des Frankfurter Techno-Clubs Omen.

Screenshot von der DVD "We call it Techno!" www.sensemusic.de 

Foto: www.sensemusic.de
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Bunt und Lustig: Ende der Achtziger fand die berliner Techno-Szene im Acid-House Ihre Wurzeln. Doch bereits 1989 war der Spaß vorbei, Acid war vielen zu bunt, zu lustig und zu flach. Die Musik wurde schick und zu einem Mainstream-Sommertrend. Spätestens als die "Bravo" sich Acid widmete, war das Thema dann endgültig durch.

Von der DVD "We call it Techno!" www.sensemusic.de 

Foto: Ernst Stratmann, www.sensemusic.de
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Flyer Aciiid: Hier der Flyer von unserer/meiner Acid-Party in Hamburg, im damaligen Front, dem heutigen Shake. Der Club wurde im Juni 2008 durch den Brandstifter vernichtet, der etliche Feuer am Berliner Tor legte. Hamburg war Jahre vorraus mit Acid-Partys im Gegensatz zu Berlin! Ich/wir machten in den Achtzigern mehrere Acid-Partys, eine sogar mit DJ Boris Dlugosch. Ich bin ja nicht nur der Fotograf vom damaligen Starclub, sondern mit Partner weiterhin auch Partyveranstalter.

Zum Urheber dieses Berichtes: Lieber Mijk, auch du warst ja mal früher von mir gebucht (freu) ...

Foto: Robert Günther/www.partys-hamburg.eu
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Zukunftsmusik: Bild der feiernden Massen bei der Loveparde 1996 in Berlin, fotografiert vom "Zukunuftsmusik e.V."-Lovetruck aus.

Foto: Kai Kress
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