Die Prognosen von "Global 2000" und was daraus wurde - DER SPIEGEL
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Prognose versus Wirklichkeit Wo die Ökopropheten recht behielten

Klimakollaps oder Waldsterben, Atomkrieg oder Rohstoff-Kollaps - Das Ende der Welt schien Ende der Siebziger vielen gewiss: Nur darüber, welche finale Katastrophe unser Leben schon bald beenden würde, gab es Uneinigkeit. War das alles nur Paranoia?
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Welt in Flammen: In den Siebzigerjahren wuchs das Bewusstsein, dass es mit dem Raubbau an Ressourcen nicht einfach weitergehen konnte. Studien wie "Die Grenzen des Wachstums", vor allem aber "Global 2000" malten ein düsteres Bild der unmittelbaren Zukunft. Doch wie präzise waren die Prognosen?

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Thema Waldsterben: Folgen massiver Umweltverschmutzung schienen dem Wald den Garaus zu machen. Besonders in Deutschland wurde das Thema zu einer der Wurzeln der rapide wachsenden ökologischen Bewegung. Drei Jahrzehnte später ist der deutsche Wald noch immer nicht tot - aber auch nicht gesünder als 1979. Fazit: Die Situation ist nicht so schlimm wie vorhergesagt - allerdings wurde auch eine Menge unternommen, um die Katastrophe zu abzuwenden.

Foto: Jörg Schmitt/ picture alliance / dpa
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Thema Überbevölkerung: 1979 gab es 4,3 Milliarden Menschen auf der Welt. Bis 2000, prognostizierten die Wissenschaftler, sollten es 6,3 Milliarden werden. Die Uno zählte im Jahr 2000 nur 200 Millionen weniger als vorhergesagt - die Prognose erwies sich als ziemlich präzise. Wo sie ebenfalls recht behielt: Beim Geburtenrückgang und steigendem Durchschnittsalter in den Industrienationen.

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Für die damals sogenannte Dritte Welt sagte "Global 2000" ungebremstes Wachstum voraus - zumindest, was die Zahl der Menschen angeht. Afrika sollte auf 814 Millionen Menschen anwachsen (Zählung im Jahr 2000: 796), Lateinamerika auf 637 Millionen (real: 520), Asien auf 3,63 Milliarden (real: 3,68). Unter dem Strich verschätzte sich "Global 2000" um gerade einmal 85 Millionen Menschen - also um 1,7 Prozent.

Foto: Manish Swarup/ AP
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Thema Nahrungsmittelproduktion und Hunger: Bei rapide wachsender Bevölkerung sollte die landwirtschaftliche Produktion um lediglich 90 Prozent steigen - zu wenig. Deshalb sollten zur Jahrtausendwende 1,3 Milliarden Menschen hungern. Die Realität sieht besser aus: Neue Methoden und Sorten steigerten die Produktion weit stärker als 1979 gedacht.

Foto: epa Hrusa/ picture alliance / dpa
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Katastrophale Hungersnöte (im Bild: Niger, 2010) sind heute zum Glück seltener als in den Siebzigern. Im Jahr 2000 hungerten rund 400 Millionen Menschen weniger als prognostiziert. Die Zahl fiel weiter deutlich. 2015 gelten rund 795 Millionen Menschen als hungernd - viel zu viele, aber nur rund 60 Prozent von dem, was man einst für das Jahr 2000 befürchtete. Die Chancen, den Hunger weiter einzudämmen, werden als gut bewertet.

Foto: SIA KAMBOU/ AFP
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Wasser ist das weit größere Problem. Dass Trinkwasser zur Mangelressource werden würde, sagte "Global 2000" voraus - die Forscher gingen von einer Minderdeckung des Bedarfs von 35 Prozent aus. Die Weltwasserkrise begann etwas später als prognostiziert, gilt heute aber als akutes humanitäres Risiko - und als wahrscheinlicher Auslöser kommender Kriege. 800 Millionen Menschen fehlt heute Trinkwasser - und 3,2 Milliarden leben ohne ausrechende Abwasserentsorgung. Allein das kostet jährlich fünf Millionen Leben.

Foto: Frank Rumpenhorst/ picture alliance / dpa
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Wüsten: Als Resultat von Ressourcen-Raubbau, Klimawandel und Erosion sagte "Global 2000" ein massives Anwachsen von Wüsten voraus. Auch das war eine treffsichere Prognose: Zwar schrumpfen manche Wüstengebiete (wie die Sahara) durch intelligente Nutzung und Bepflanzung ihrer Randzonen. Dafür versteppen und verwüsten einst fruchtbare Landstriche - ein Trend, den man von Kalifornien bis Spanien kennt.

Foto: Justin Sullivan / AFP
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Fischerei: "Global 2000" mahnte zwar den sorgfältigen Umgang mit den Ozeanen an, setzte aber auf Fisch als Nahrungsquelle. Den Fang von rund 70 Millionen Tonnen glaubte man nur durch Fischzucht maßgeblich steigern zu können. Doch laut Welternährungsbehörde FAO holten Fischer 2012 schon 91 Millionen Tonnen Fisch aus dem Meer. Dazu kamen 66 Millionen Tonnen aus Aquazucht. Inzwischen gelten rund 75 Prozent aller Bestände als überfischt - ein katastrophaler Ressourcen-Raubbau, den man 1979 noch nicht absah.

Foto: DB Gavin Newman/ picture alliance / dpa
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Klimawandel: "Unter den auftretenden Umweltbelastungen sind auch einige, die die chemische und physikalische Struktur der Erdatmosphäre in Mitleidenschaft ziehen", hieß es 1979 in der "Global 2000"-Studie. Vieles von dem, was dann folgte, war zu dieser Zeit blanke Theorie - und erwies sich als beängstigend prophetisch.

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So erkannte die Studie den zunehmenden CO2-Gehalt der Atmosphäre als Problem und prognostizierte einen Temperaturanstieg um zwei bis drei Grad bis 2050. Es drohten Polkappenschmelze und Steigen des Meeresspiegels, warnten die Forscher.

Foto: A9999 DB NASA/ dpa
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Besonders in den Schwellenländern sei zu erwarten, dass Smog durch massive Luftverschmutzung zu einem echten Problem würde (hier im Bild: der Straßenverkehr im indischen Ahmadabad, 2014). Schwefel und CO2 würden bis 2000 zu mehr saurem Regen führen und zu einem Problem für die Wälder, die Böden und offenen Trinkwasser-Reservoire werden.

Foto: Ajit Solanki/ AP
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Auf rein theoretischer Basis warnte "Global 2000" vor dem Ozonloch - zwei Jahre, bevor es erstmals gemessen wurde. Klimagase aus Sprühdosen und Kühlaggregaten drohten, den Schutzschild der Erde anzufressen. Neben Problemen für die Landwirtschaft drohe eine Steigerung der Hautkrebsraten. Auch das eine Prognose, die eintraf.

Foto: DPA / NASA / Goddard Space Flight Center
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Thema Energie: Die Nutzung der Atomkraft, warnten die Forscher, sei mit erheblichen Risiken verbunden. Neben des Unfallrisikos (im Bild: Explosion von Fukushima, 2011) steige auch die Gefahr, dass Kernwaffen immer weiter verbreitet würden.

Foto: REUTERS TV/ REUTERS
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Vor allem ein Aspekt mache die Kernkraft zu einem unkalkulierbaren Risiko: das Müllproblem. Die Forscher schrieben 1979: "Bisher hat keine Nation ein Modellprogramm für die zufriedenstellende Lagerung radioaktiver Abfälle entwickelt." Daran hat sich bis heute nichts geändert. Inzwischen lagern weltweit rund 360.000 Tonnen radioaktiven Mülls in mehr oder minder provisorischen Lösungen (im Bild: Endlager Morsleben).

Foto: Jens Wolf/ picture alliance / dpa
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Thema Öl: Im Laufe der Neunzigerjahre, hieß es in der "Global-2000"-Studie, werde die Förderung des Öls den sogenannten Peak-Point erreichen - und danach gehe es nur noch abwärts. Die Entwicklung lief zuletzt anders: Die Entdeckung neuer Vorkommen im Verbund mit neuen Fördertechniken, die auch bisher unrentable Vorkommen nutzbar machen, schuf ein Überangebot.

Foto: HO / REUTERS
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Die Preise für Rohöl und Erdgas sind darum derzeit im Sinkflug. Mittelfristig ist die Prognose der Öl- und Gas-Dämmerung natürlich trotzdem richtig: Die Vorkommen werden zur Neige gehen, wenn auch später, als gedacht. Und die neuen Fördermethoden ("Fracking") sind umstritten, da mit Risiken behaftet.

Foto: SPIEGEL ONLINE
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Thema Wald: Um 40 Prozent, so die Prognose von 1979, werde die Waldfläche bis 2000 abnehmen. Der Vergleich mit der Realität ist schwer: Die Zählweisen haben sich seitdem geändert. Einer fortlaufenden Vernichtung von Regenwald steht eine Aufforstung - zu Nutz- und Umweltzwecken - an anderen Orten gegenüber. Das Grundproblem ist trotzdem richtig benannt: Unter dem Strich schrumpfen die Waldflächen. Laut Berechnungen der Uno-Organisation FAO sind weltweit seit 1990 rund 130 Millionen Hektar verschwunden, was etwa dem Staatsgebiet Südafrikas entspricht.

Foto: Ralf Hirschberger/ dpa
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Artensterben: Bis zum Jahr 2000, vermuteten die Verfasser der Studie, könnten 15 bis 20 Prozent aller lebenden Arten ausgestorben sein. Ganz so schlimm kam es bisher noch nicht, aber tendenziell stimmte auch das - der Mensch ist Ursache eines Massensterbens. Neben Ressourcen-Raub, Abholzung und Umweltbelastung bezeichnete "Global 2000" vor allem Monokulturen und Chemikalien in der Landwirtschaft als Killer.

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