Die Quandts Deutschlands reichste Familie
Johanna Quandt (Mitte) mit ihrem Sohn Stefan Quandt und ihrer Tochter Susanne Klatten (August 2009): Selten sind die Quandts bei öffentlichen Anlässen zu sehen - wie hier bei der Verleihung des großen Bundesverdienstkreuzes an Johanna.
Johanna Quandt und ihr Ehemann Herbert am 20. April 1971: Mitte der Fünfzigerjahre fing eine gewisse Johanna Bruhn als Sekretärin im Büro von Herbert Quandt an. Schnell wurde sie zu seiner persönlichen Assistentin, zudem wurde daraus auch eine private Beziehung. 1960 heirateten sie.
Stammwerk der AFA-Batteriefabrik in Hagen (1927): Ausgangspunkt für die immense Expansion der Quandts - und ihrem Aufstieg von Textilfabrikanten zum Industriellenclan - war der Einstieg bei der AFA durch Herberts Vater Günther im Jahr 1922. Der Batterienkonzern blieb für Jahrzehnte der Kern des Familienimperiums, später wurde er nach der bekanntesten Marke benannt: Varta.
Entscheidend für den Aufstieg in den Kreis der vermögendsten deutschen Familien war die Hauptversammlung von BMW im Dezember 1959: Auf der Versammlung sollte der damals taumelnde Auto- und Motorenhersteller an die damalige Daimler-Benz AG verkauft werden - an beiden Unternehmen waren auch die Quandts beteiligt. Doch Kleinaktionäre konnten verhindern, dass die Entscheidung auf jener Versammlung fiel - und beeindruckten Herbert Quandt mit ihrem Engagement. Er entschied sich, seinen Anteil auf knapp unter 50 Prozent aufzustocken.
Herbert Quandt (r.) im Gespräch mit dem BMW-Betriebsratsvorsitzenden Kurt Golda: Auch Golda soll entscheidend dazu beigetragen haben, Quandt vom Einstieg bei BMW im großen Stil zu überzeugen und die Sanierung in Eigenregie zu versuchen. Bereits 1962, zwei Jahre danach, schrieb das Unternehmen wieder schwarze Zahlen.
Herbert Quandt im Jahr 1973: Über ein Thema schwieg die Familie in der Nachkriegszeit allerdings lange und beharrlich - die Rolle der Quandts während der NS-Diktatur.
Magda Goebbels (l.) im Jahr 1938: Magda war bis 1929 mit Günther Quandt verheiratet, dem Vater von Johanna Quandts Ehemann Herbert. 1931 heiratete Magda dann Joseph Goebbels. So entstand eine familiäre Verbindung zwischen dem NS-Propagandaminister und Quandt - sie sollen sich allerdings nicht sonderlich sympathisch gewesen sein.
Aus der Ehe von Magda und Günther Quandt ging ein Sohn hervor: Harald Quandt, Halbbruder von Johannas Ehemann Herbert, hier zu sehen mit Adolf Hitler im Jahr 1936.
Johanna Quandt am 18. Oktober 2014 in der Paulskirche in Frankfurt (Main): Erst sehr spät ließ die Familie die NS-Vergangenheit wissenschaftlich untersuchen - angestoßen durch eine TV-Dokumentation im Jahr 2007. Die Familie finanzierte eine Studie und verpflichtete sich vorab, keinen Einfluss auf die Durchführung zu nehmen - sowie die Ergebnisse vorbehaltlos zu akzeptieren.
Stefan Quandt (im Oktober 2014): Die Familie hielt in dieser Hinsicht Wort. Im Jahr 2011 legte der Historiker Joachim Scholtyseck die Ergebnisse vor - sie belegten die tiefe Verstrickung der Familie in das Unrecht während der NS-Zeit. So profitierte sie auch stark von Arisierungen, teilweise initiierte sie diese sogar.
Susanne Klatten (Juli 2015): Die Familie stellte sich den Ergebnissen der Studie und verurteilte das Verhalten der Quandts während des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs.
Die Zentrale des Chemiekonzerns Altana in Wesel: Außer einem erheblichen Anteil an BMW gehören Johanna Quandts Kindern weitere wertvolle Firmenbeteiligungen - Susanne Klatten etwa der Spezialchemiekonzern Altana.
Daimler-Werk in Sindelfingen (1976): Lange hielten die Quandts auch einen Anteil an Daimler-Benz. Weil sich die Erben des 1967 verstorbenen Harald Quandt nach dessen Tod auszahlen lassen wollten, verkauften die Quandts in den Siebzigerjahren ihren Anteil an Kuweit.
Das Rotorblatt eines Windrads des Windkraftanlagen-Herstellers Nordex (September 2014): Noch immer gehören Investitionen in Zukunftstechnologien zur Strategie der Quandts - so erwarb Susanne Klatten etwa Anteile an Nordex.