Flipper Kleine Serien, großer Spaß
Flipper "Incredible Hulk" (1979): Von 6150 hergestellten laufen weltweit noch 97 dieser Version. Flipper waren weit verbreitet, unfassbar vielfältig - und wurden oft in überraschend kleiner Stückzahl hergestellt.
Klar, denn so ein Flipper ist ein kapitales Möbel: So etwas stellte man sich, wenn man konnte, in den Siebzigern in die Kellerbar. Ansonsten aber fanden Flipper selten den Weg in den Privathaushalt: Elektronisches Spiel blieb in den ersten 50 Jahren eine Sache für Gastronomie und Spielhalle.
Handarbeit: Frühe Flipper waren Röhrengeräte, später kamen Transistoren zum Einsatz - "Standard" war daran aber nichts. Die mächtigen Platinen waren zugleich Träger der Spielfläche und wurden von hoch spezialisierten Tüftlern entworfen und zusammengelötet. (Foto: Flippermuseum Schwerin)
Die Detailverliebtheit, mit der die Geräte entworfen wurden, ist heute kaum glaubhaft: Überall dreht sich was, schlägt, duckt sich weg, leuchtet auf oder springt heraus. Je vielfältiger die Laufwege der Kugeln, desto besser.
Axel Hillenbrand vom Deutschen Flippermuseum in Neuwied begann als privater Sammler. Heute bietet der von ihm mitbegründete Verein nicht nur ein Museum an, sondern auch noch einen kleinen Hotelbetrieb - mit Flippern auf den Zimmern.
Die Frau als Deko: Flipper appellierten visuell eindeutig an eine männliche Zielgruppe. Die Motive der Maschinen waren oft martialisch, wenn es um männliche Elemente ging - und knapp bekleidet, wenn sie Frauen zeigten. Die meisten Themen verwiesen auf Comics und Filme - die schrillen Seiten der Popkultur.
Letztlich aber sind Flipper demonstrative Schaustücke blühender Fantasie und Kreativität. Mechanische wie optische Gags werteten die Geräte auf, aber alles musste zugleich auch eine echte Funktion erfüllen: den schweren, silbernen Ball beschleunigen und den Adrenalinpegel des Spielers erhöhen.
Kleine Lacher inklusive: Warum sollte man so ein Gummiriemen-Hindernis, das die Kugel bei Berührung mit neuer Wucht zurück ins Rennen schießt, nüchtern gestalten, wenn man stattdessen auch eine kleine Geschichte erzählen kann?
Flippermuseum Neuwied: Keines der deutschen Museen ist ein reiner Schau-Ort. Natürlich darf, kann und soll gespielt werden.