Die schlichten Botschaften der Motivationstrainer - DER SPIEGEL
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Motivationstrainer "Arme dran, Beine dran - super!"

Wer einen Motivationskurs buchte, musste früher barfuß über Glasscherben gehen oder sich mit "Tschakka!" anbrüllen lassen. Die neue Generation von Trainern gibt sich als Kumpel statt als Guru oder Einpeitscher. Sie locken mit Plüschtieren, Cartoons und Apps.
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Stefan Frädrich verspricht "Motivation, die wirkt", und eine "Performance, die rockt". Sein ständiger Begleiter: Günter, der innere Schweinehund - beschrieben in 15 Büchern, erhältlich auch als Schlüsselanhänger, Handpuppe und auf einer Porzellantasse. Frädrich gehört zu einer neuen Generation von Motivationstrainern, die sich nicht mehr als Gurus zelebrieren, sondern mehr als Kumpel inzenieren. Dabei sind sie beinah so geschäftstüchtig wie ihre Vorgänger, die Windmaschinen der Neunziger. 

Foto: Imago
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Slatco Sterzenbach preist vor allem die eigene Ausdauer und Entschlossenheit und baut sich zum Fitness-Vorbild auf. Er verkündet: "Wenn du andere entfachen möchtest, muss in dir ein Feuer brennen!"

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Diktatur der ewigen Optimisten: Wie viele seiner Kollegen verstellt auch Sterzenbach niemandem den intellektuellen Zugang zu seinen Erkenntnissen. Morgens zwei Gläser Wasser, viel Obst, zweimal die Woche Muskeltraining - wer würde da widersprechen?

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Schlichte Botschaften: Von der Kraft des positiven Denkens schwärmen die Motivationstrainer allesamt. Gleich beim Aufwachen möge man sich freuen: "Arme dran, Beine dran - super!", rät Stefan Frädrich. Oder sich beim Blick in den Spiegel auf die Schulter klopfen: "Du wirst dicker, grauer, älter - aber du bist immer noch so geil drauf!"

Foto: Christin Czura/ Canny Place/ SPIEGEL JOB
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Einer der jüngeren Stars der Szene ist Christian Bischoff, Ende dreißig. Als Basketballer spielte er früher in der Junioren-Nationalmannschaft und war Trainer. Heute flitzt er in seinen Shows stets mit einem roten Stirnband über die Bühne...

Foto: Reinhard Scheger
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...und verwöhnt die zahlende Kundschaft mit einem Mix aus Lebenshilfe und Stand-up-Comedy. Bischoff ist unterhaltsam und pointensicher, wirkt dabei auch nachdenklicher als die Heißluftmaschinen in der großen Zeit der Motivationsgurus in den späten neunziger Jahren.

Foto: Reinhard Scheger
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Bei Bischoff wie bei vielen seiner Kollegen bleiben die Botschaften stets schlicht und folgen dem Muster: "Man muss auch das Positive sehen", "Die Krise als Chance", "Burnout als Geschenk" oder auch "Nutze den Tag" und "Du lebst nur einmal". Das ist, obwohl leicht durchschaubar, offenbar so attraktiv, dass die Vorträge Stadthallen füllen.

Foto: Christin Czura/ Canny Place/ SPIEGEL JOB
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Prototyp der Motivationsgurus der alten Schule: Jürgen Höller (hier im Jahr 2000 in Köln mit Scherben am Fuß) gibt sich angeblich erst dann zufrieden, wenn seine Zuhörer "genau zu den zehn Prozent der Menschen gehören, die in Reichtum und Unabhängigkeit leben". Alles ist möglich, hämmerte er ihnen bei Massenhappenings ein und schwelgte im Luxus - bis er selbst Opfer seines Größenwahns wurde. Mit seiner Firma wollte er bis zum Jahr 2014 einen Milliardenumsatz erreichen. Doch 2001 brach sie zusammen. Höller musste 2003 ins Gefängnis wegen Untreue, vorsätzlichen Bankrotts und falscher eidesstattlicher Versicherung.

Foto: Imago
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Im April 2004 kam Höller wieder auf freien Fuß. Noch hinter Gittern hatte er das Buch "Und immer wieder aufstehen" veröffentlicht, nach der Haftentlassung dann "Wir schaffen es, Bello", eine Anleitung zur Hundeerziehung. Hunderte von Menschen hatten vor dem Konkurs an seinen Höhenflug geglaubt und Millionen in seine Firma gesteckt - und verloren. Fans hat der Erfolgsprediger trotz allem noch, veranstaltet auch längst wieder Massenerweckungen ("Power-Days"), gibt sich geläutert und gereift durch die "größte Krise meines Lebens", die er auf den Börsencrash zurückführt: Ein Opfer widriger Umstände, nicht etwa eigenen Versagens, so setzt Höller sich heute in Szene.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ picture-alliance / dpa/dpaweb
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Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?