1994 bis 2014 Die spannendsten Formel-1-Finals
Saison 2014: Lewis Hamilton oder Nico Rosberg - wer wird dieses Jahr Weltmeister? Diese Frage wird am Sonntag in Abu Dhabi beantwortet, wo es aufgrund einer neuen Regel einmalig die doppelte Punktzahl für die Plätze eins bis zehn gibt. Hamilton hat vor dem Rennen 334 Punkte, Rosberg 317.
Der Deutsche, hier in Brasilien vor Hamilton in Führung liegend, muss gewinnen, und sein Mercedes-Teamrivale darf höchstens Dritter werden, damit Rosberg erstmals Weltmeister wird. Fährt er auf Platz zwei, darf Hamilton höchstens Sechster werden. Und Platz drei für Rosberg reicht, sollte der Engländer höchstens auf Platz sieben fahren. Es dürfte spannend werden - wie häufig in den vergangenen 20 Jahren. Eine Reise durch die Formel-1-Geschichte.
Saison 1994: Vor dem letzten Rennen hatte Michael Schumacher einen Punkt Vorsprung vor Williams-Pilot Damon Hill. Der Deutsche führte beim Großen Preis von Australien, verlor jedoch aufgrund eines Fahrfehlers Zeit. Als Hill in einer Rechtskurve innen überholen wollte, berührten sich die Wagen, Schumachers Benetton landete im Reifenstapel.
Platz fünf hätte Hill nun zum Titel gereicht, doch auch der Engländer fiel aus, weil bei dem Crash seine linke Vorderradaufhängung gebrochen war. Damit war Schumacher zum ersten Mal Formel-1-Weltmeister.
Saison 1997: Wie drei Jahre zuvor hatte Schumacher, mittlerweile bei Ferrari, vor dem letzten Rennen im spanischen Jerez einen Punkt Vorsprung im WM-Klassement, dieses Mal vor Jacques Villeneuve. Wieder lag der Deutsche in Führung, wieder versuchte ihn sein ärgster WM-Rivale in einer Rechtskurve zu überholen. Entscheidender Unterschied zur Kollision mit Hill damals: Williams-Pilot Villeneuve war in der 48. Runde schon klar an Schumacher vorbei, als der Deutsche dem Kanadier in die Seite fuhr.
Das Kalkül des Ferrari-Piloten: Beide fallen aus und er ist Weltmeister. Doch nur für Schumacher selbst war das Rennen vorbei, Villeneuve wurde Dritter und sicherte sich den WM-Titel. Weil der Automobilweltverband Fia Schumachers Manöver als absichtlich einstufte, wurden ihm später sämtliche WM-Punkte aberkannt.
Saison 1998: Wieder war Schumacher am Finale beteiligt. Dieses Mal hieß sein Widersacher Mika Häkkinen im McLaren-Mercedes, der mit vier Punkten Vorsprung zum Großen Preis von Japan nach Suzuka gereist war. Der Deutsche eroberte die Poleposition, doch dieser Vorteil war schnell keiner mehr.
Weil Schumacher seinen Motor abwürgte und damit für einen Startabbruch sorgte, musste er vom letzten Platz ins Rennen gehen. Schumacher kämpfte sich in seinem Ferrari bis auf Platz drei heran, dann platzte in der 30. Runde sein rechter Hinterreifen. Das Rennen war gelaufen und Häkkinen erstmals Weltmeister.
Saison 1999: Wie schon ein Jahr zuvor hieß das entscheidende Duell Ferrari gegen McLaren-Mercedes, allerdings war Schumacher (l.) dieses Mal außen vor. Er hatte aufgrund eines Schien- und Wadenbeinbruchs, erlitten im englischen Silverstone, sechs Saisonrennen verpasst und damit keine Chance mehr auf den Titel. Dafür lag sein Teamkollege Eddi Irvine (r.), dem Schumacher in herzlicher Abneigung verbunden war, vor dem letzten Saisonrennen in Japan vier Punkte vor Mika Häkkinen (Mitte).
Der Finne startete von Position zwei und ging noch vor der ersten Kurve am Qualifying-Sieger Schumacher vorbei. Häkkinen gewann das Rennen souverän und holte seinen zweiten Titel in Folge.
Saison 2003: Fünf Fahrer-Weltmeisterschaften gewann Schumacher mit Ferrari, aber keine Entscheidung war so eng wie diejenige 2003. Zwar hatte der Deutsche vor dem letzten Rennen in Japan neun Punkte Vorsprung auf McLaren-Mercedes-Pilot Kimi Räikkönen, aber Schumacher fiel zwischenzeitlich aufgrund eines Unfalls auf den letzten Platz zurück. Hätte der Finne gewonnen und sein Kontrahent wäre ohne Punkte geblieben, Räikkönen wäre Weltmeister geworden.
Doch Räikkönen wurde nur Zweiter, zudem holte sich Schumacher als Achter noch einen Punkt und damit seinen vierten Titel in Folge. Anschließend kam Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug (r.) in die Ferrari-Box und gratulierte.
Saison 2007: Lewis Hamilton (l.) oder Fernando Alonso (Mitte), welcher der beiden McLaren-Mercedes-Piloten wird Weltmeister? Das war die meistgestellte Frage vor dem finalen Saisonrennen in Brasilien. Die Antwortet lautete dann: Kimi Räikkönen (r.). Dabei hatte der Finne mit 100 Punkten die schlechteste Ausgangslage. Alonso hatte 103 Punkte, Hamilton 107. Doch der Engländer zeigte im Finale seiner ersten Formel-1-Saison Nerven, er gab seine sehr gute Ausgangsposition leichtfertig her.
Erst ein Fahrfehler und später ein falscher Knopfdruck sorgten dafür, dass Hamilton zeitweise bis ans Ende des Feldes zurückfiel. Er wurde schließlich Siebter, Alonso Dritter. Das hätte für Hamilton dennoch gereicht, wäre Räikkönen Zweiter geblieben. Doch Ferrari wählte seine Reifen-Stopp-Strategie so clever, dass der Finne von Massa nicht im direkten Duell vorbeigelassen werden musste, sondern nach einem Boxenstopp wieder knapp vor dem Brasilianer auf die Strecke kam, Erster wurde und den Titel gewann.
Saison 2008: Ein Jahr später war wieder Lewis Hamilton am spannenden Saisonfinale beteiligt - und es sollte das bis heute dramatischste in der Geschichte der Formel 1 werden. Als nämlich Ferrari-Pilot Felipe Massa (Foto) bei seinem Heimrennen in Brasilien als Erster die Ziellinie überfuhr, war er Weltmeister. Hamilton lag zu diesem Zeitpunkt auf Platz sechs, damit waren beide Fahrer punktgleich, Massa hatte jedoch einen Saisonsieg mehr.
Die Ferrari-Crew lag sich in den Armen, bei McLaren-Mercedes herrschte Entsetzen, fast eine halbe Minute ging das so. Auf den Bildschirmen sahen dann alle das Unglaubliche. Auf der letzten Runde, kurz vor dem Ziel, überholte Hamilton Toyota-Pilot Timo Glock, wurde Fünfter und mit einem Punkt Vorsprung doch noch Weltmeister.
Saison 2010: Die Ausgangslage war ähnlich wie 2007. Fernando Alonso (r.) oder Mark Webber (l.), wer wird Weltmeister? Auf diese Frage reduzierte sich der Titelkampf vor dem letzten Saisonrennen in Abu Dhabi. Am Ende triumphierte dann Sebastian Vettel (M.). Dabei lag der Deutsche beim Start mit 231 Punkten nur auf Platz drei des WM-Klassements. Alonso hatte 246 Punkte, Webber 238.
Doch als Webber früh an die Box kam, zog Ferrari hektisch nach und holte auch Alonso ein. Die Italiener konzentrierten sich ausschließlich auf den Australier und verloren dabei dessen Red-Bull-Teamkollegen Vettel aus dem Blick. Aufgrund ihrer (zu) frühen Stopps fielen Webber und Alonso zurück, hatten in der Folge kaum Möglichkeiten zum Überholen und blieben im hinteren Feld stecken. Sie wurden am Ende Siebter (Alonso) und Achter (Webber). Vettel aber fuhr an der Spitze davon, gewann und wurde mit vier Punkten vor Alonso erstmals Weltmeister.
Saison 2012: Aus dem Dreikampf 2010 wurde zwei Jahre später ein Zweikampf. Sebastian Vettel fuhr mit 273 Punkten als WM-Führender zum letzten Rennen nach Brasilien, sein Dauerrivale Fernando Alonso hatte 260 Zähler. Doch schon in der ersten Runde drehte sich Vettel nach einem Crash und fiel auf den letzten Platz zurück. Mit beschädigtem Auto jagte er dem Feld hinterher, überholte einen Fahrer nach dem anderen und lag zwischenzeitlich auf Rang fünf.
Gegen Ende des Rennens fiel Vettel aufgrund eines nicht optimalen Boxenstopps aber wieder aus den Punkträngen heraus, Alonso war Zweiter - und wäre damit Weltmeister geworden. Doch wieder kämpfte sich Vettel zurück, fuhr noch auf Platz sechs vor und sicherte sich mit drei Punkten vor Alonso seinen dritten Titel.