Die Waffen des Ersten Weltkriegs - DER SPIEGEL
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Erster Weltkrieg Die Industrialisierung der Tötungsmaschinerie

450 Gewehrkugeln pro Minute. Tonnenschwere Granaten. Kanonen, die 130 Kilometer weit schossen: Der Erste Weltkrieg produzierte immer wahnwitzigere und tödlichere Waffen - und ließ eine anfangs technikbegeisterte Generation schließlich traumatisiert zurück.
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Gewaltige Feuerkraft: Riesige Kanonen und Mörser entfesselten mit Granaten von teils monumentalen Maßen ein bis dahin ungekanntes Inferno. Das deutsche 30,5-cm-Geschütz brachte es auf 62 Kilometer Reichweite - den Tod aus der Luft nahm man erst wahr, wenn die Explosionen begannen. Die deutsche "Dicke Bertha", hier eine Aufnahme von 1916, verfeuerte 42 Zentimeter durchmessende Geschosse von 400 bis zu 1160 Kilogramm Gewicht.

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Französische Flug-Mine: Mörser erwiesen sich als ideal, um aus Schützengräben heraus und in gegnerische hinein gefeuert zu werden. Erste raketenartige "Flugminen" stellten eine Variation dieses Konzepts dar.

Foto: Hulton Archive/ Getty Images
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Industrielle Tötungsmaschinerie: Die wohl wichtigste Veränderung im Kriegswesen, die in Deutschland mit dem Krieg von 1870/71 und dem Beginn des 20. Jahrhunderts flächendeckend einsetzte, war die massenhafte, normierte Fertigung von Militärfahrzeugen, Waffen und Munition. Das traf auch auf die anderen europäischen Nationen zu - diese Aufnahme von 1916 zeigt den Einsatz von Frauen in einer britischen Munitionsfabrik.

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"Weiblicher" Mark IV: Die britischen Panzer MK I bis V setzten auf bewegliche Seitenkanonen ("männlich") oder Maschinengewehre ("weiblich") und konnten mit ihren umlaufenden Kettentrieben auch Gräben überwinden. Als die Briten am 20. November 1917 mit 375 Panzern Cambrai eroberten, war dies nicht nur die erste Panzerschlacht der Geschichte - es war auch ein Schock für alle beteiligten Nationen.

Foto: Getty Images
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Teutonisches Monstrum: Die Deutschen reagierten spät und setzten dann auf den A7V-Panzer - ein langsames und schwerfälliges Monstrum mit 16 Personen als Besatzung, das noch zehn weitere Männer als Passagiere aufnehmen konnte. Eindruck machte das Gefährt trotzdem: Es war dick armiert und mit zahlreichen Geschützen und Schießscharten versehen.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 103-204-017
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Schnittzeichnung:Der Panzerwagen A7V erinnerte eher an eine fahrbare Festung und war wenig geländegängig. Im direkten Kampf bewährte er sich - wenn er den Weg dorthin denn überhaupt schaffte. Am Ende wurden nur 20 Stück der schwerfälligen Giganten gebaut. Deutschland setzte für den Aufbau seiner Panzertruppe auf Beutepanzer.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 146-1970-029-49
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Fehlkonstruktion: Ein Flop war auch Frankreichs Chamond-Panzer, und nicht nur wegen seiner nur sehr eingeschränkt beweglichen Front-Kanone. Die viel zu kurzen Antriebsketten machten ihn untauglich für den Einsatz im Gelände. Wegweisend sollte später hingegen der Renault FT-17 werden: ein kleiner, mobiler Panzer mit beweglichem Geschützturm - der Prototyp für fast alle späteren Panzermodelle.

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Tabubruch: Am 22. April 1915 setzten deutsche Truppen bei der Schlacht um die belgische Stadt Ypern erstmals Giftgas ein. Der neuen Waffe waren viele Einheiten nahezu schutzlos ausgeliefert. Die Gase griffen Lunge, Haut und Schleimhäute an. Anfangs versuchten sich die überraschten Alliierten mit Brillen und Tüchern zu helfen. Bald wurde die Gasmaske zum Standard - und Giftgas von allen Kriegsparteien eingesetzt.

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Vom Gas geschädigt: Britische Soldaten stehen im April 1918 für ihre Behandlung an. Für viele Soldaten wurde Giftgas zum größten Trauma des Kriegs. Heute gehen Historiker von etwa 90.000 Toten und rund einer Million durch Giftgas dauerhaft Versehrten aus. Zu den bleibenden Schäden zählten Blindheit, Lungenfunktionsstörungen und Hautkrebs.

Foto: Imperial War Museum
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Russischer Bomber Sikorsky Ilja Muromez: In kaum einem Bereich zeigte sich der technologische Innovationsschub des Ersten Weltkriegs so deutlich wie in der Fliegerei. Waren Flugzeuge vor dem Krieg meist in Handarbeit und allenfalls in Kleinserien gefertigte Einzelstücke, die heute nostalgisch wirken mögen, wurden sie nun zu normierten Modellreihen. Der Sikorsky Ilja Muromez war der erste viermotorige Bomber, der in Serie produziert wurde.

Foto: imago
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Deutscher Doppeldecker über Posen, 1916: Aus den fragilen, oft stoffbespannten Doppeldeckern wurden schnell stabile, für bestimmte Anwendungen entworfene Konstruktionen: Wasserflugzeuge, Abfangjäger, Bomber. Flogen zu Beginn des Krieges noch viele exotisch anmutende Vehikel, ähnelten sie am Ende immer mehr dem, was man sich heute noch landläufig unter einem "Flugzeug" vorstellt.

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Technik der Vergangenheit: Zugleich aber flogen noch immer Zeppeline Bombardements und waren, zumindest was die Geschwindigkeit anging, nicht einmal den Flugzeugen unterlegen. Und wie schon zu Napoleons Zeiten hingen auch Fesselballons (hier ein österreichischer Artillerieaufklärer von 1916) am Himmel. Solche Einsätze wurden allerdings zunehmend im makabersten Wortsinn zum Himmelfahrtskommando.

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Massenware Maschinengewehr: Das in verschiedenen Versionen (hier: luftgekühlt für den Einsatz in Flugzeugen) gebaute Maschinengewehr MG 08/15 wurde in solchen Stückzahlen gefertigt (ab 1915 bis Kriegsende: 130.000), dass sein Name bis heute sprichwörtlich für ein genormtes Massengut steht. Wenn etwas "normal" und austauschbar ist, nennen wir es "08/15". Aufnahme von 1916.

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Flugzeugfabrik Albatros, Berlin: Das Prinzip einer Fließbandproduktion war schon Anfang des 19. Jahrhunderts eingeführt worden. Im Ersten Weltkrieg wurde es schließlich zum Standard. Nach dem Krieg war die Massenfertigung etabliert und weitete sich auf alle industriell produzierbaren Warenfertigungen aus. Die undatierte Aufnahme zeigt Berliner Frauen bei der Fertigung von Flugzeugrümpfen der Firma Albatros.

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Schlüsseltechnologien: Telefon- und Funktechnik war neben der Industrialisierung der Waffenproduktion die entscheidende Entwicklung, die den Ersten Weltkrieg in all seiner Grausamkeit erst ermöglichte. Telekommunikation und Sprechfunk steckten, obwohl bereits Jahrzehnte zuvor erfunden, zu Beginn des Krieges noch immer in den Kinderschuhen.

Foto: Hulton Archive/ Getty Images
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Von wegen Friedenstauben: Noch immer setzten die Militärs neben optischen Signalen auch Brieftauben ein, um Nachrichten zu übertragen.

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Gefiederter Fernaufklärer: Mit für die damalige Zeit sehr kleinen Kameras bestückte Tauben flogen auch Lufterkundungsflüge, bei denen die Qualität der Resultate freilich ein Glücksspiel blieb. Zuverlässiger waren die Tiere als Briefüberbringer. Sie wurden sowohl von der Infanterie eingesetzt als auch in Panzern und Flugzeugen mitgeführt, um Meldung zu machen - wenn sie denn ankamen.

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Österreichischer Befehlsstand, 1917: Zur Steuerung von Flächenbombardements durch die nun meist viele Kilometer hinter der Front postierte Artillerie taugten weder Tauben noch Teleskope. Kommunikation und Steuerung in Echtzeit war aber eine absolute Notwendigkeit in der Enge des Stellungs- und Grabenkrieges, um die Bombardierung der eigenen Leute zu verhindern.

Foto: Hulton Archive/ Getty Images
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Ferngespräche: Gegen Ende des Krieges war die Funktechnik so ausgereift, dass sie nicht nur an Land und zu Wasser eingesetzt wurde, sondern sogar schon in Flugzeugen - hier ein britisches Funkgerät für die Kommunikation mit Kampfpiloten. Der Erste Weltkrieg wurde so zum ersten Krieg der Geschichte, in dem Befehlshaber zu jedem Zeitpunkt Befehle übermitteln und das Geschehen steuern konnten.

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Anfangs wehrlos: Am 22. April 1915 setzten deutsche Truppen bei der Schlacht um die belgische Stadt Ypern erstmals Giftgas ein. Der neuen Waffe waren viele Einheiten nahezu schutzlos ausgeliefert. Die Gase griffen Lunge, Haut und Schleimhäute an. Anfangs versuchten sich die überraschten Alliierten mit Brillen und Tüchern zu helfen. Bald wurde die Gasmaske zum Standard - und Giftgas von allen Kriegsparteien eingesetzt.

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Dünger und Gaswaffen: Ein Jahr nach Ende des Krieges wurde Fritz Haber (zweiter von links) mit dem Nobelpreis für Chemie für seine Forschung zur Herstellung von Stickstoffdünger ausgezeichnet. Eine sehr zweifellhafte Innovation Habers im Krieg ignorierte das Komitee aber bei der Entscheidung: Der Chemiker hatte auch die ersten Giftgaswaffen entwickelt. Im Vordergrund sind Gasgranaten zu sehen.

Foto: WDR_Max-Planck-Gesellschaft/ picture-alliance / obs
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Britische Soldaten laden Gasgranatenwerfer: Es war eine Form der Kriegsführung, die sich schnell aufschaukelte und an Tücke kaum zu überbieten war. Juck- und Reizstoffe, wie sie zuerst Frankreich einsetzte, wurden von Seiten der Deutschen bald mit tödlichem Chlor- und Senfgas überboten.

Foto: Imperial War Museum
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Französischer Soldat am Mörser, 1915: Irrwitzig schnelle Schussfolgen wurden zum Standard in jedem Bereich. Auch Kanonen und große Mörser wurden nun von hinten beladen, was erheblich schnelleres Feuern ermöglichte. Doch nicht klassische Kanonen, sondern der lange fast vergessene Mörser wurde zu einer prägendsten Waffen des Ersten Weltkrieges.

Foto: Hulton Archive/ Getty Images
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Die neue Waffe: Schutz, Mobilität und Feuerkraft - der Panzer sollte bald den Krieg verändern. Im Ersten Weltkrieg allerdings spielten Panzer noch keine entscheidende Rolle, der Krieg wurde allerdings zu ihrem Erprobungsraum. Vor allem Großbritannien setzte auf Panzer und schickte insgesamt 2611 davon ins Feld. Es war dieser, in Maßstäben der Zeit gewaltige Aufmarsch, der auch andere Nationen davon überzeugte, dass dem Panzer die Zukunft gehören würde.

Foto: Henry Guttmann/ Getty Images
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Schlachtschiff "SMS Helgoland": Auf See wurden dem Konzept "dicker-schwerer-mächtiger" schnell die Grenzen aufgezeigt. Zwar verfügten gepanzerte Schlachtschiffe wie die "Helgoland" (Bild) über eine immense Feuerkraft, die Zukunft aber sollte heimlicheren, schnelleren und flexibleren Schiffen gehören.

Foto: Hulton Archive/ Getty Images
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Torpedoboote, circa 1914: Sie veränderten die Art der Seekriegsführung. Bald schon erschienen den Militärs aller Nationen kleine, mit Torpedos und Wasserminen bestückte Jagdverbände wichtiger als ihre riesigen Schlachtschiffe - die eben auch riesige Ziele abgaben. Keines der großen Schlachtschiffe kam nun noch ohne eigenen Schutzverband aus kleineren Schiffen aus - schnelle Mobilität wurde wichtiger als schiere Feuerkraft.

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Die "Heimatfront": An die Stelle von kleinen Waffenmanufakturen traten Anfang des 20. Jahrhunderts riesige Rüstungsbetriebe, die ihre Produkte in Serie fertigten. Während der Kriegsjahre ging das einher mit einer bis dahin ebenfalls beispiellosen Mobilisierung der ganzen Bevölkerung. Erstmals spielten nun auch Frauen in der Waffenfertigung eine äußerst wichtige Rolle; die Aufnahme von 1917 zeigt deutsche Frauen beim Befüllen von Artilleriegranaten.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/ Gebrüder Haeckel
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Kanonenfertigung bei Krupp: Nur ein riesiges Arbeiterheer konnte die Stückzahlen produzieren, die an den enorm langen Frontlinien des ersten Weltkrieges gebraucht wurden. Die genormte Fertigung typisierter Waffensysteme vereinfachte den Nachschub, aber auch die schnelle Ausbildung der Soldaten. Industrialisierung schuf so die Voraussetzung für das Massentöten.

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