Zwölf des Tages Altintops Traum von Barcelona
Eigentlich hatte Werder-Torwart Sebastian Mielitz seine oftmals schwankende Leistung stabilisiert, in den vergangenen Spielen war er ein sicherer Rückhalt für seine Elf. Dann kam Mainz. Im Heimspiel gegen den FSV verspekulierte sich der Bremer bei den ersten beiden Gegentoren, die Aufholjagd der Kollegen blieb erfolglos, Werder verlor 2:3. Und Mielitz vergrub das Gesicht in den Handschuhen.
In dem Wirbel um Mario Götze und den deutlichen Sieg des FC Bayern im Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund ist Manuel Friedrich (l.) ein bisschen untergegangen. Dabei hat er seinen Job als Nothelfer in der BVB-Verteidigung - trotz der 0:3-Niederlage - ziemlich gut erledigt. Das ist mehr als man erwarten konnte von einem Mann, der eigentlich schon im Ruhestand war und sich zuletzt bei Rot-Weiß Oberhausen fit gehalten hatte. In der vierten Liga.
Dass in Mönchengladbach derzeit eher wenig von Filip Daems gesprochen wird, hat einen Grund: Oscar Wendt (r.). Der Schwede war bei der Borussia schon fast abgeschrieben, derzeit ist er aus der ersten Elf nicht mehr wegzudenken. In Stuttgart gelang dem linken Außenverteidiger schon das dritte Saisontor.
Es ist ja nicht so, dass Freiburg in dieser Saison bisher sonderlich viel zu lachen hatte. Erst ein Bundesliga-Sieg war dem Sportclub gelungen, in Braunschweig stand nicht weniger als ein Abstiegsgipfel an. Beim Tabellenletzten jubelte Siegtorschütze Gelson Fernandes (l.) auch deshalb so ausgelassen, weil nun der Anschluss an das untere Tabellenmittelfeld hergestellt ist. Für die personell gebeutelten Freiburger ein echter Festtag.
Frankfurts Johannes Flum (l.) wird sich an die Partie gegen Schalke noch lange erinnern. Drei Tore erzielte er, aber nur zwei davon zählten, und auf eines davon hätte er sehr gerne verzichtet. Sein Eigentor ließ die Gäste früh jubeln, sein Anschlusstreffer zum 1:2 gab seiner Eintracht Hoffnung auf die Wende. Und sein Abseitstreffer zum vermeintlichen Ausgleich hätte am Ende womöglich den Unterschied gemacht. Frankfurt ging zwar noch 3:2 in Führung, kassierte aber kurz vor Schluss noch den Ausgleich.
Es war das Wiedersehen der Saison: Mario Götze (hinten), der ehemalige BVB-Star, trifft bei seiner Rückkehr nach Dortmund - für den FC Bayern. Der Mittelfeld-Star, von den Dortmunder Fans heftig ausgepfiffen, leitete die Niederlage seines Ex-Clubs ein, verzichtete auf den Jubel, gab keine Interviews. Aus Respekt, wie es hieß. Götze war der stille Sieger des Spieltags.
Der Fernsehkommentator war außer sich. Ein ganz feiner Fußballer sei Milan Badelj (r.), der HSV-Profi habe die Situation einfach am schnellsten erfasst. Die Situation, das war jene Sekunde nach der Faustabwehr von Hannovers Ron-Robert Zieler in der 31. Minute. Badelj nahm den Ball volley, eine passgenaue Bogenlampe entstand. Am Ende stand das 1:1, es war die schnelle Antwort auf die Gästeführung. Für Badelj war es der erste Saisontreffer für die Hamburger, die schließlich noch 3:1 gewannen.
Als Jugendlicher war er für Werder Bremen aktiv, nun kehrte Sebastian Polter (r.) als Spieler von Mainz zurück an seine alte Wirkungsstätte. Eigentlich nicht weiter bemerkenswert. Das Besondere: Polter war damals nicht wie heute Stürmer, sondern Torwart. Eine Saison lang hütete er das Tor von Bremens U14. Dass er im Feld wertvoller ist als zwischen den Pfosten, deutete er bei seiner Rückkehr an: Polter bereitete das 1:0 der Mainzer vor und leitete das 3:0 ein.
Für Augsburgs Halil Altintop war der Samstag ein "grandioser Tag", fand Manager Stefan Reuter: Zwei Tore gegen 1899 Hoffenheim geschossen, drei Punkte geholt, den Abstiegsplätzen weiter entflohen. Da wurde der Türke richtig euphorisch: "Wenn ich jede Woche auf dem Niveau spielen würde, würde ich vielleicht bei Real Madrid oder Barcelona spielen", sagte Altintop mit einem Augenzwinkern. Sein Bruder Hamit spielte einst bei Real, kam aber nur auf fünf Einsätze. Halil darf sich auch so freuen: Gegen Hoffenheim absolvierte er sein 249. Bundesliga-Spiel, mit dem er zum Rekordspieler mit türkischem Pass aufstieg, gleichauf mit Yildiray Bastürk, der bis 2011 für Bochum, Leverkusen, Hertha und Stuttgart aktiv war.
Der Ball war ganz klar im Tor! Und er ist auch nicht durch ein Loch im Netz dorthin geraten, sondern ganz regulär über die Torlinie. Ein Phantomtor wie neulich in Hoffenheim war Stefan Kießlings Treffer zum 1:0-Endstand bei Hertha BSC also nicht. Dennoch hätte es nicht zählen dürfen. Denn Vorlagengeber Jens Hegeler stand im Abseits, als er an den Ball kam. Vermutlich wünscht sich Kießling im Moment nichts anderes als dies: einfach mal ein schnödes Tor zu erzielen, bei dem es nichts zu diskutieren gibt. Kießlings Trost: Seine Leverkusener haben Borussia Dortmund in der Tabelle überholt und sind jetzt dort, wo sie ja irgendwie auch hingehören als gefühlter Rekord-Vizemeister: auf dem zweiten Tabellenplatz.
So richtig wussten selbst die Befürworter nicht mehr, wann Joselu bei Eintracht Frankfurt endlich durchstarten würde. Vor der Saison von 1899 Hoffenheim ausgeliehen, sollte der Spanier die Offensive von Armin Veh beleben, er tat es so gut wie nie. Wenn der ehemalige Spieler von Real Madrid überhaupt einmal auflief, blieb er unauffällig - ganz anders gegen Schalke 04: Dank seines Doppelpacks durfte Frankfurt vom ersten Heimsieg der Saison träumen. Das späte 3:3 wird Joselu ärgern, als kleiner Neustart taugt die Partie für ihn trotzdem.
Pep Guardiola verfügt über reichlich Lebenserfahrung. "Hundert Millionen Clásicos" hat er nach eigener Aussage in seiner Zeit als Trainer in Spanien erlebt. Hundert Millionen Mal das Gigantenduell zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid. Am Wochenende war er zum ersten Mal beim Duell der deutschen Giganten dabei und erweiterte seine Lebenserfahrung um einen 3:0-Sieg des von ihm trainierten FC Bayern gegen Borussia Dortmund. Den Münchner Fans dürfte es angesichts dieses Ergebnisses nur recht sein, wenn Guardiola den FC Bayern noch in weitere hundert Millionen Duelle mit dem BVB führt.