Dietmar Dath über Superhelden - DER SPIEGEL
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Comic-Einführung Super, diese Helden

Wer Superhelden-Comics als Kinderkram abtut, verpasst ein Gleichnis darauf, wie wir uns heute selbst empfinden - sagt der "FAZ"-Redakteur Dietmar Dath in einer schmalen, aber starken Einführung ins Genre.
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Im selben Jahr wie Spiderman erblickte auch Ant-Man das Licht der Welt. Die Verfilmung von 2015 mit Paul Rudd in der Hauptrolle gehört zu den Superheldenfilmen, die sich selbst nicht mehr wirklich ernst nehmen. Inzwischen existiere alles nebeneinander, schreibt Dath: „Es gibt jetzt Superhelden-Komödien (neben 'Ant-Man' etwa 'Guardians of the Galaxy von 2014), Superhelden-Farcen (der sehr zu Unrecht kaum bekannte, irritierend amoralische Independent-Film 'Super' des 'Guardians'-Regiesseurs James Gunn aus dem Jahr 2010), Superhelden-Midlife-Crisis-Dramen ('Paper Man' von Kieran und Michele Mulroney, mit Jeff Daniels und Emma Stone, erschienen 2009) und Superhelden-Noir (Frank Millers 'The Spirit' von 2008 nach einer Vorlage von Will Eisner).“

Foto: Marvel
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Scarlet Witch ist eine der Mutantinnen aus den Reihen der X-Men. Dath lernt die Marvel-Serie als Jugendlicher während eines USA-Urlaubs kennen: „Beim Lesen in Miami fiel mir auf, dass diese Geschichten mehr mit meinem deutschen Schüleralltag zu tun hatten, als ich aus Comics bis dahin gewohnt war: Die Eifersüchteleien, einander abwechselnde Phasen von Hochstimmung und Niedergeschlagenheit, die Cliquen, zusammengewürfelt aus grundverschiedenen Individuen, das Gefühl, man werde von den Erwachsenen nicht verstanden ('fighting for a world that fears and hates them'), die Auflehnung gegen deren Ordnung … Die X-Men, das waren wir.“

Foto: Marvel
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In den „Spiderman“-Comics ist es seit 1962 dann buchstäblich ein pubertierender Jugendlicher, der unfreiwillig zum Superhelden mutiert. Erfunden hat die Figur Stan Lee, der Ende der Fünfziger mit Marvel Comics eine Renaissance der Superhelden-Comics einläutete. „Nicht zu Unrecht ist behauptet worden“, schreibt Dietmar Dath, „das Silver Age sei im Kern identisch mit dem 'Marvel Age', das Lee, ein PR-Genie von hohen Graden, mit unerschöpflicher Energie und erstaunlichem Einfallsreichtum durchsetzte.“

Foto: Marvel
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Comics, schreibt Dietmar Dath, seien wie Vergrößerungsgläser: „Die Superheldin und der Superheld haben gleichsam 'mehr Schicksal' als gewöhnliche Menschen oder Helden, sie sind in einem größeren Ausmaß Individuen als du und ich. Das kommt bereits in ihren auffälligen Kostümen zum Ausdruck, die gleichzeitig Zeichen auftrumpfenden Geltungswillens und Mittel der Selbstverbergung sind“.

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Black Panther war 1966 der erste afroamerikanische Superheld der Comic-Geschichte. Es mag Zufall sein, aber im selben Jahr wurde die sozialistische Black Panther Party gegründet. Das politische Spektrum der Superhelden bilde das der amerikanischen Gesellschaft „einigermaßen urbildgetreu ab“, schreibt Dath, „ist also nicht einfach 'rechtslastig' – es gibt in den Comics 'liberals' (nach deutscher Sprachgewohnheit: 'Linke') 'moderates' (wir würden sagen: 'Gemäßigte', die wir der Mitte zuordnen) und 'conservatives' (also 'Konservative' bis 'Rechte').“

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Unter der Rüstung des Iron Man verbirgt sich Tony Stark, ein Multimilliardär, der sich vom „großen Kind, das mit Massenvernichtungswaffen spielt“ zum „Beschützer der Unschuldigen“ entwickelt. Eine Prozess, der sich nicht ohne Reibungsverluste vollzieht: „Die Moral der Ein-Mann-Armee, zu der Tony Stark allmählich wird, ihre Entschlossenheit, ihr Wille, heute ein besserer Mann zu sein als gestern und morgen ein besserer als heute, muss sich in den Abenteuern, die auf die Ursprungsgeschichte folgen, gegen Erosions-, Implosions-, Explosions- und Entropie-Gefahren

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Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?