Do-It-Yourself: Punk-Design auf Plattenhüllen und Postern - DER SPIEGEL
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Geburt des Punk-Designs Schere, Wut und Anarchie

Sie beleidigten die Queen und warben mit Sadomaso-Collagen: In den Siebzigern eroberten Punks nicht nur mit schiefen Songs die Bühnen, sondern auch mit selbstgebastelten Plakaten die Designwelt. Ihre rohe "Do it yourself"-Ästhetik entsetzte England - und hängt heute in Museen.
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Professionell unprofessionell: Die Collage auf der Cover-Rückseite des Mini-Albums "In God We Trust Inc." der Hardcore-Punk-Band Dead Kennedys aus dem Jahr 1981 gestaltete der Designer Winston Smith. Auch wenn mittlerweile Designer hinzugezogen wurden, wurde doch der provisorische Fotokopierer-Look früherer Cover bewahrt.

Foto: Hannibal Verlag
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Majestätsbeleidigung: Das vielleicht prägnanteste Coverdesign der Punk-Ära schuf Jamie Reid 1977 für "God Save The Queen", die zweite Single der Sex Pistols. Er verfremdete dazu ein Porträtfoto, das der renommierte britische Fotograf Sir Cecil Beaton von Elisabeth II. aufgenommen hatte - und überklebte Mund und Augen mit dem Schriftzug "God Save The Queen - Sex Pistols".

Die Single sorgte für einen Aufschrei der Empörung in Großbritannien - obwohl Reid ursprünglich ein noch viel drastischeres Design geplant hatte: Die Königin mit Sicherheitsnadel in der Nase - und Hakenkreuzen in den Augen.

Foto: Hannibal Verlag
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Sex sells: Bekannt geworden war die Band Buzzcocks als Vorgruppe der Sex Pistols. Ihre zweite Single "Orgasm Addict" beworb die Band 1977 mit einem Poster, das nicht weniger kontrovers diskutiert wurde als der Titel der Single: Eine nackte Frau, die statt eines Kopfes ein Bügeleisen trug.

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Technikwunder Farbkopierer: Eine Schlüsselrolle in der Londoner Punk-Szene spielte der vom Gitarristen Barry Jones eröffnete Roxy-Club. Mit Ausschnitten aus Comics, Fotos und eigenen Schriftzügen, die er in seinem Farbfotokopierer vervielfältigte, gestaltete Jones die charakteristischen Flugblätter und Poster des Clubs - wie dieses Plakat, das für einen Auftritt von Cherry Vanilla und The Police im Jahr 1977 wirbt.

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Prinz Punk: Nach der Blüte und dem Abebben der großen Punk-Welle, die in den Siebzigern über Großbritannien gerollt war, führten in den Achtzigern unter anderem Hardcore-Bands Traditionen des Punk fort. Auch die Covergestaltung orientierte sich dabei oft am Punk, wie diese Hülle der EP "Think of England" der Band Instant Agony von 1982 mit Prinz Charles und Lady Di demonstriert.

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Bleistift für Brutalos: Punk-Cover entwickelten sich zum Sprungbrett für zahlreiche Designer. Der Cartoonist Edwin Pouncey etwa gestaltete für die Band Art Attacks Cover wie diese Hülle der Single "I Am a Dalek" aus dem Jahr 1978. Pouncey verwendete für seine Arbeit das martialische Pseudonym "Savage Pencil" - brutaler Bleistift.

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Porno-Punk: Adam Ant, Frontmann der Band "Adam and the Ants", hatte selbst Kunst studiert - und lebte seine Kreativität auch an den Plakaten und Flugblättern zu Auftritten seiner Band aus. Oft orientierten sich die Designs - wie hier auf einem Flyer für ein Konzert am 8. September 1977 - stark an der Ästhetik von Pornos und riefen dadurch zum Teil harsche Kritik hervor.

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Anarchie aus dem Andenkenladen: Grundlage für dieses Promotionposter, das Jamie Reid im November 1976 für die Debütsingle der Sex Pistols entwarf, war ein Souvenir für Touristen, ein acht mal vier Zoll großer zerrissener Union Jack. Reid garnierte ihn mit Sicherheitsnadeln, Klemmen und Schriftcollagen. Die Technik der Collage hatte Reid während seines Kunststudiums von den Situationisten übernommen.

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Cover zum Mitmachen: Als Rätsel zum Selbstausfüllen gestaltete Keith Allen 1979 das Cover für die Atoms-Single "Max Bygraves Killed My Mother". Bygraves war ein bekannter britischer Komiker - und Allen hatte selbst eine Zeit lang für ihn gearbeitet, wobei sein Chef offenbar einen fragwürdigen Eindruck bei ihm hinterlassen hatte.

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Selbstgepresst: Eine zentrale Rolle für die Punk-Szene, die zunächst von der etablierten Musikpresse abgelehnt wurde, waren die "Fanzines". Diese billig selbstproduzierten und per Versand verbreiteten Magazine wurden zum Sprachrohr der Punks und informierten sie über ihre Idole - wie hier über die Band "The Clash" auf dem Titelbild der "Zigzag" vom September 1977.

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Schädelparade: Die Sampler-Reihe Bullshit Detector sollte als Sammelplattform für Anarcho-Punkbands dienen. Die Platten, hier eine Ausgabe aus dem Jahr 1982, erschienen auf dem Label der legendären Punkband Crass.

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Punk-Vorväter: Das vierte "People's Picnic" im Rahmen des Windsor Free Festivals gilt als wichtige Veranstaltung im Rahmen der Proto-Punk-Bewegung, die die Vorbedingungen für das Entstehen der Punkmusik schuf. Wie später häufig auch auf Punk-Plakaten wurde hier die Polizei auf die Schippe genommen.

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Copyrights-Streit unter Anarchisten: Für das "Pretty Vacant"-Poster der Sex Pistols wählte Designer Jamie Reid zwei Busse mit der Aufschrift "Nowhere" und "Boredom". Erst Jahre später sorgte dieses Motiv für Aufregung: Die situationistische US-Gruppe Point Blank! warf Reid vor, das Motiv von ihnen geklaut und für seine Zwecke umfunktioniert zu haben.

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Punk-Modeschöpfer: Dieses Musselin-Shirt wurden nach einem früheren Design, das Malcolm McLaren für den Auftritt von Little Richard im Wembley-Stadion 1972 gefertigt hatte, aktualisiert - und zu einem Punk-Rock-Shirt umfunktioniert. McLaren, der spätere Manager der "Sex Pistols", verkaufte seine Kreationen in seinem legendären Londoner Laden "Sex" - eine Art Mischung aus Modeboutique, Sexshop und Treffpunkt der Punk-Szene.

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Mitmachgedanke: Viele Platten kleinerer Punkbands waren nicht nur mit einfachsten Mitteln selbstproduziert und mit selbstgestalteten Hüllen versehen - sie informierten auch ihre Hörer, wie die ihre eigene Platte aufnehmen könnten. So klärte der Innenteil der Single "The Medium Was Tedium" von den Desperate Bicycles 1977 darüber auf, dass die Band nur 153 Pfund für die Produktion bezahlt habe - und der Hörer es ihnen schleunigst gleichtun solle.

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Der totale Blödsinn: So dilettantisch die Gestaltung der Cover häufig auch war - so kontrovers waren oft die Themen, wie dieses Cover der Dead-Kennedys-Single "California über alles" von 1979 veranschaulicht.

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Elektrifizierung: Nicht wenige Anhänger der Punk-Bewegung wandten sich zu Beginn der achtziger Jahre poppigeren Synthesizer-Klängen zu. So wechselte die Band Prag Vec von dem rohen Gitarrensound, den sie 1978 noch mit Songs wie der Single "Existential" vertraten, immer mehr zu einem elektronischen Sound hin.

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Kein Herz für Tiere: Die "Fanzine"-Szene in Großbritannien blühte in den siebziger Jahren mit der Punk-Subkultur auf. In wenigen Jahren entstanden etliche dieser selbstgemachten Magazine - wie die Zeitschrift "Kill Your Pet Puppy" (bring dein Hündchen um), die von 1979 bis 1984 erschien.

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Unsinn und Hilfestellung: Auf der Rückseite des Covers der EP "Where's Bill Grundy Now?" (1979) von den TV Personalities waren zwei der Bandmitglieder, die ihren Namen von britischen Fernsehstars "geliehen" hatten, mit Fotos von Ringo Starr und George Harrison dargestellt. Ausführlich informierten die Punk-Musiker auf der Hülle darüber, wie viel die Aufnahmen für den Tonträger gekostet haben.

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Auf die Augen, auf die Ohren: Nicht wenige der Punk-"Fanzines" waren in den siebziger Jahren auch als Indie-Plattenlabels tätig - etwa das finnische "Fanzine" "Barrabas".

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Punk und Alpenglühen: Auch wenn Großbritannien als das Heimatland der Punk-Bewegung galt - Punk-Bands und dazu passende "Fanzines" gab es in allen Ecken der Welt. Das beweist etwa dieses fast volkstümlich gestaltete Punk-"Fanzine" "Alpdruck", das Arbeiten von mitteleuropäischen Designern und Illustratoren zeigte.

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Aus die Maus: Ankündigungsflyer für einen Auftritt der kalifornischen Hardcore-/Punk-Band Black Flag im Nachtclub Cuckoo's Nest in Costa Mesa. Humor spielte in vielen Collagen der Punk- und Hardcore-Szene eine wichtige Rolle.

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